
- Positive Therapie - Klett-Cotta
Das neue Buch von Stephen Joseph und P. Alex Linley "Positive Therapie. Grundlagen und psychologische Praxis" bietet auf 215 Seiten einen wissenschaftlich fundierten Rundumschlag zur praktischen Anwendung der Positiven Psychologie. Nach einer Einleitung von der Ärztin und Traumaexpertin Luise Reddemann, werden Grundlagen der Positiven Therapie gelegt, Zusammenhänge deutlich gemacht und therapeutische Interventionsmöglichkeiten aufgezeigt. Das Buch ist fast schon ein Muss für alle Menschen aus Heil- und Hilfsberufen.
An wen sich die "Positive Therapie" richtet
Das Buch "Positive Therapie" ist in der Reihe "Leben lernen" von Klett-Cotta erschienen, in der psychotherapeutische Ansätze auf wissenschaftlicher Basis vorgestellt werden. Die Reihe ist für Fachleute konzipiert, die aus helfenden Berufen stammen sowie an Menschen, die psychologisch interessiert auf der Suche nach Lösungsansätzen sind. Das Buch "Positive Therapie" ist ein Glücksgriff für Mediziner, Therapeuten, Pädagogen, Berater und Coaches, weil es Verbindungen zwischen den etablierten Therapieverfahren zur Positiven Therapie schafft und deren Ergänzungspotential deutlich macht.
Zu den Autoren
Mit der "Positiven Therapie" haben Joseph und Linley die theoretischen Erkenntnisse aus der Positiven Psychologie für die praktische Arbeit mit Patienten und Klienten aufbereitet. Der Psychologie-Professor Stephen Joseph forscht und lehrt seit 2006 an der Universität von Nottingham in Großbrittannien. Er ist Experte für Traumaverarbeitung, seelische Gesundheit und Positive Psychologie. Es sind bereits einige Fachbücher über Traumaverarbeitung und Psychotherapie in englischer Sprache von ihm erschienen, eines davon bereits in Kooperation mit dem Psychologen P. Alex Linley. Linley unterrichtet seit vielen Jahren Psychologie an der englischen Universiät Leicester und ist Experte für Positive Psychologie und Pschotherapie.
Grundlagen der Positiven Therapie
In acht Kapiteln werden die Grundlagen der Positiven Therapie beschrieben und mit der Realität in der Behandlung von Patienten verknüpft. Etwas zu langatmig und ausufernd wirken dabei die vielen Abschnitte über Rogers und die Humanistische Therapie, insbesondere weil sie doch jedem therapeutisch Tätigen bekannt sein sollten. Jedoch bereitet das humanistische Gedankengut den Boden, auf dem die Interventionen der Positiven Therapie gedeihen können. Auf S. 123 wird zudem deutlich, dass die Positive Therapie etwas anderes ist als die "Positive Psychotherapie" nach Seligman, die als sechswöchige und durch ein Manual angeleitete Intervention angelegt ist.
Tief sitzende Überzeugungen leiten uns
Die Vorstellung, dass tief sitzende Überzeugungen in uns wurzeln, die eher zu konstruktiven oder eher zu destruktiven Impulsen motivieren, zeigen Joseph und Linley an einem ganz einfachen Fragenkatalog. Damit kann man "Die eigenen Wertvorstellungen vom Wesen des Menschen erkunden" (S. 34). Spannend wird es im Verlauf, wenn die Autoren deutlich machen, inwieweit die hingergründigen Überzeugungen und Annahmen des Therapeuten sich in seiner Sprache über den Klienten zeigen und Entwicklungen begrenzen.
Interventionstechniken der Positiven Therapie
Für Fachleute interessant wird es besonders ab dem fünften Kapitel: "Therapeutischer Prozess und Techniken der Positiven Psychologie". Hier geht es um Interventionsstrategien, die Klienten helfen können, auf ihre Ressourcen zuzugreifen. Joseph und Linley fordern mit ihrem Ansatz eine Rückbesinnung auf die "Kernstärken" einer Person. Dazu ist auch der Einsatz von Tests und Fragebögen möglich, sofern sie nicht kategorisieren und stigmatisieren. Die Autoren wenden sich explizit " .. gegen eine aus der Medizin abgeleitete diagnostische Denkweise" (S. 113). Ein wunderbares Praxistool ist der "Fragebogen zur Veränderung der Lebensauffassung" (S. 162/163), der für traumatisierte Patienten entwickelt wurde.
Schlussbetrachtung: ein Streifzug durch positive Therapieansätze
Insgesamt wirkt das Buch "Positive Therapie" wie ein Streifzug durch die weite Welt der Psychotherapien, der alles an positiven Gedanken aufnimmt, die der "Selbstaktualisierungstendenz" von Klienten beziehungsweise ihren "Kernstärken" dienlich sein können. Das Buch informiert über Anwendungsmöglichkeiten von positiven Interventionen und macht durch Beispiele deutlich, wie die Ressourcen von Klienten geweckt werden können. Die "Positive Therapie" ist so angelegt, dass sie für jede therapeutische Methode ergänzend eingesetzt werden kann. Letztendlich ist das Buch eine Bereicherung für jeden, der sich dafür interessiert, wie Ressourcen aktiviert werden können.
Literatur
Stephen Joseph und P. Alex Linley: Positive Therapie: Grundlagen und psychologische Praxis. Klett-Cotta 2011. ISBN: 978-3-608-89102-7. 24,95 Euro.
