
- Neuhaus: Schneewittchen muss sterben - Ullstein
Tobias Sartorius hat zehn Jahre Jugendhaft für den Mord an zwei Mädchen verbüßt. Nach seiner Entlassung kehrt Sartorius in sein Heimatdorf zurück, um seinem Vater auf dem elterlichen Hof zu helfen. Kaum angekommen, wird der nunmehr 30jährige mit dem Hass der Dorfbewohner konfrontiert. Sartorius fehlt immer noch jede Erinnerung an das Geschehen in der Mordnacht und auch die Leichen der beiden Mädchen konnten nie gefunden werden. Verurteilt wurde Sartorius aufgrund belastender Indizien und Zeugenaussagen. Aktuelle Ereignisse lassen nun Zweifel an seiner Schuld aufkommen. Die Dorfbewohner versuchen trotzdem, Sartorius wieder loszuwerden – sein Elternhaus wird mit Hasstiraden beschmiert, maskierte Männer prügeln ihn beinahe zu Tode und seine Mutter wird von einem Unbekannten von einer Brücke gestoßen. Als dann noch ein Mädchen verschwindet, welches einer der Vermissten verblüffend ähnlich sieht, muss Tobias nicht nur die Rache der Dorfbewohner fürchten.
Erfolgreiches Ermittlerduo: Kirchhof und Bodenstein im Taunus
Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein ermitteln wieder. Als eine Frau von einer Brücke gestoßen wird, machen sie sich auf die Suche nach dem unbekannten Täter. Ihre Ermittlungen führen sie nach Altenhain, einem kleinen Dorf im Taunus mit einer tragischen Vergangenheit. Vor zehn Jahren verschwanden hier in einer Nacht zwei Mädchen spurlos. Verdächtigt und schließlich verurteilt wurde Tobias Sartorius, welcher mit beiden Mädchen eine Beziehung hatte.
Neben der kraft- und nervenzehrenden Ermittlungsarbeit müssen sich Kirchhoff und Bodenstein auch noch mit privaten Problemen herumschlagen: Pia bekommt eine Abrissverfügung für ihr Haus zugestellt, welches einst illegal errichtet wurde. Und Oliver befürchtet, dass seine Frau Cosima ein Verhältnis mit einem anderen Mann hat.
Licht und Schatten
Die Autorin hat einen angenehm flüssigen Schreibstil, welcher sich leicht lesen lässt. Die Story ist spannend, vielschichtig, an einigen Stellen allerdings sehr langatmig. Ein großes Manko von Neuhaus ist immer noch ihre Vorliebe für zahlreiche Akteure, Schauplätze und Zeitsprünge, denen man nicht immer folgen kann. Die Autorin legt viel Wert auf Details, welcher sie in "Schneewittchen muss sterben" besonders intensiv nachgegangen ist. Zu viele Protagonisten verwirren beim Lesen. Namen, welche man sich nicht merken kann oder dann im Verlauf des Buches mit anderen verwechselt, stören ab und zu den Lesefluss. Ein Drittel der Seiten hätte Neuhaus sich vielleicht sparen und statt dessen etwas flotter auf die Auflösung hinarbeiten können. Trotzdem ein lesenswertes Buch, wenn man Geduld und Lust am Lesen mitbringt und keine Neuhaus in Bestform erwartet.
Über Nele Neuhaus
Nele Neuhaus, Jahrgang 1967, gehört zur neuen Generation deutscher Schriftstellerinnen. Die ehemalige Mitarbeiterin einer Frankfurter Werbeagentur studierte Jura, Geschichte und Germanistik, bevor sie sich mit ihren Krimis einen Namen gemacht hat. Die Autorin und Pferdenärrin lebt mit Mann, Hund und Pferden in Kelkheim im Vordertaunus, wo auch ihre Storys rund um das Ermittlerduo Bodenstein und Kirchhoff spielen. Ihr erstes Buch "Unter Haien" veröffentlichte Neuhaus in Eigenregie, da sie dafür keinen Verlag finden konnte.
Bisher aus der Reihe erschienen sind:
- Eine unbeliebte Frau (2006)
- Mordsfreunde (2007)
- Tiefe Wunden (2009)
- Schneewittchen muss sterben (2010)
- Wer Wind sät (2011)
Nele Neuhaus: Schneewittchen muss sterben. Ullstein/List Taschenbuch (Juni 2010). 537 Seiten. ISBN: 9783548609829. Euro 9,95.
