Rezension – Sebastian Fitzek: Der Seelenbrecher

Ein deutscher Psychothriller in der Tradition von Agatha Christie

Fitzek: Der Seelenbrecher - Droemer Knaur Verlagsgruppe
Fitzek: Der Seelenbrecher - Droemer Knaur Verlagsgruppe
Sebastian Fitzek in Höchstform: Mit seinem "Seelenbrecher" sorgt er hier mal für eine kleine Sternstunde am deutschen Thrillerhimmel und durchgehend Gänsehaut beim Leser.

Der Plot ist uralt: Eine begrenzte Anzahl von Menschen sitzt irgendwo fest. Anfangs noch quicklebendig, segnet Stunde um Stunde eine der anwesenden Seelen unfreiwillige das Zeitliche. So liegt der Schluss nahe, dass unter den Leidensgenossen eine Person sein muss, die es gar nicht gut mit den anderen meint.

Agatha Christies "Zehn kleine Negerlein" lieferte die Vorlage für unzählige Geschichten dieser Art. Christie an Scharfsinn und kriminalistischem Feingefühl zu überbieten, ist indessen noch keinem Nachahmer gelungen. Auch Sebastian Fitzek, hochgelobter deutscher Jungautor, versucht sich in seinem vierten Buch "Der Seelenbrecher" an diesem Thema. Mit der Grand Dame der Kriminalliteratur gleichzuziehen, schafft Fitzek nicht – so viel sei schon einmal verraten. Den Titel "Bestseller" hat sich der Roman trotzdem redlich verdient.

Wer ist der "Seelenbrecher"?

Ort der Geschehnisse: die psychiatrische Teufelsbergklinik in Berlin. Kurz vor Weihnachten befinden sich nur noch wenige Menschen dort – eine Handvoll Klinikangestellter und drei Patienten. Unter ihnen: Fitzeks Protagonist Caspar, ein alptraumgeplagter Mann mit totalem Gedächtnisverlust und unerklärlichen Verbrennungen am Körper. Die Erinnerung kehrt zwar bruchstückhaft zurück, doch je mehr Caspar über sich erfährt, desto unruhiger wird er. Alles scheint darauf hin zu deuten, dass er etwas mit dem "Seelenbrecher" zu tun hat.

Drei junge Frauen hat er bereits entführt und wieder frei gelassen – seelisch gebrochen, in einer Art Wachkoma gefangen. Die Polizei hat keine Spur, keinen Verdächtigen, keine Ahnung. Und ausgerechnet die Insassen der Teufelsbergklinik müssen nun feststellen, dass der Täter unter ihnen weilt. Unbemerkt eingeliefert, treibt er sein grausiges Spiel in dem Berliner Krankenhaus, aus dem eine Flucht aufgrund eines Wintersturmes unmöglich ist. Und so beginnt die Nacht auf den 24. Dezember ihre Opfer zu fordern. Personal und Patienten bleiben nichts anderes übrig, als sich gemeinsam auf die Jagd nach dem "Seelenbrecher" zu begeben.

Sebastian Fitzek schreibt Besteller

Ein Thriller, wie er im Buche stehen sollte: atemberaubend, unheimlich verwirrend, vor Hochspannung nur so strotzend. Fitzeks Schreibstil ist überraschend amerikanisch, gar nicht staubtrocken wie der manch anderer deutscher Kollegen. Angenehm dabei: Der Autor verzichtet auf allzu blutrünstige Szenen. Es werden keine Gedärme verstreut. Blut spritzt nur dort, wo es wirklich spritzen muss und auch die Wahl der (tödlichen) Waffen ist nicht experimentell, sondern erstaunlich rational.

Ein spannender Geschenktipp, nicht nur zu Weihnachten

Fitzek beherrscht den Spannungsaufbau per Wort, per einfacher, zielgenauer Formulierung. Man fliegt über die Seiten, ohne irgendwo hängen zu bleiben. Einziger Nachteil: Der schnellen Sprache ist es geschuldet, dass es einigen von Fitzeks Hauptcharakteren an Tiefe fehlt. Zwar werden Wesenszüge angekratzt, aber nicht weiter ausformuliert. Der Story tut dies keinen Abbruch, und ehrlich gesagt merkt man es auch nur, wenn man es wirklich merken möchte. Blitzmerker hingegen und geübte Thriller-Leser werden dem "Seelenbrecher" übrigens relativ früh auf die Schliche kommen, denn an einigen Stellen war Fitzek mit seinen Hinweisen etwas zu voreilig. Es lohnt sich aber trotzdem, dieses Buch zu kaufen. Und wer weiß, vielleicht führen gewisse Hinweise doch nicht zum Ziel, sondern in die Irre?!

Bisher von Sebastian Fitzek sind erschienen:

Sebastian Fitzek: Der Seelenbrecher. Droemer/Knaur 2008. Taschenbuch, 368 Seiten. Euro 7,95.

Foto, Katja Holzhei

Katja Holzhei - Katja Holzhei spricht mit losem Mundwerk, schreibt mit Herzblut, arbeitet mit Leidenschaft - als freie Journalistin und Texterin in ...

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