Rezension – "Splitter" von Sebastian Fitzek

Das fünfte Buch des Berliner Autors enttäuscht ganzheitlich

Fitzek: Splitter - Droemer Belletristik
Fitzek: Splitter - Droemer Belletristik
Marc Lucas verliert bei einem Autounfall seine Frau und das gemeinsame ungeborene Kind. Die Erinnerung an den Unfall würde Lucas am liebsten vergessen - um jeden Preis?

Sebastian Fitzek, (hochgelobter) deutscher Autor, hat auch mit diesem Buch wieder den Sprung in die Bestseller-Listen geschafft. Und erneut muss sich der kritische Leser fragen, wie dies passieren konnte. Wer nur hat Fitzek dazu ermutigt, einen "Thriller" zu veröffentlichen, der so offensichtlich an zwei Hollywood-Movies erinnert und (diesmal) ganz ohne Lichtblicke auf Papier verewigt wurde? Es scheint, als ob Fitzeks Stern am deutschen Buchhimmel langsam anfängt zu verglühen, noch bevor er überhaupt erstrahlen konnte.

"Splitter" - Das fünfte Buch von Fitzek

Streetworker Marc Lucas will vergessen: den Tod seiner Frau, seines ungeborenen Kindes und den von Lucas selbst verschuldeten Autounfall, durch den die tragischen Ereignisse erst ihren Anfang nahmen. In einer Zeitschrift findet Lucas die Anzeige der Berliner Bleibtreu-Klinik, welche in einem "Memory-Experiment" das Löschen von Erinnerungen anbietet. Lucas meldet sich als freiwilliger, wenn auch skeptischer Proband. Nachdem er eine erste Untersuchung hinter sich hat und die Klinik wieder verlässt, findet er sich in einer Realität wieder, in der seine Identität scheinbar nicht mehr existiert. Seine Handykontakte sind gelöscht, an seiner Wohnungstür steht ein fremder Name, die Kreditkarte funktioniert nicht mehr, an seinem Arbeitsplatz ist er unbekannt und schließlich scheint auch noch Lucas' verstorbene und immer noch schwangere Frau Sandra "wieder" lebendig zu sein. Marc Lucas versucht, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen und herauszufinden, was Illusion und was Wahrheit ist. Dabei wird Lucas` Gesundheit nicht nur von Fremden bedroht. Ein vom Unfall herrührender Splitter in seinem Kopf droht sich zu verschieben und eine Lähmung herbeizuführen.

Deutliche Parallelen zu "The Game" und "Vanilla Sky"

Fitzek scheint ein Fan von Hollywood-Thrillern zu sein. Bereits "Die Therapie" schrammte knapp am Prädikat "Kopie" vorbei. In diesem, seinem ersten Buch bediente sich Fitzek bereits des einen oder anderen Details aus "The Sixth Sense". Nun gut, bei einem Debüt kann man dies durchgehen lassen. Beim fünften Buch eines, von sämtlichen Medien als begabten Nachwuchsautoren gefeierten, Fitzek sollte der Plot allerdings dann aus der eigenen Ideenschmiede stammen. Dem ist leider nicht so. Fitzek liegt so dicht am Inhalt von "The Game" und "Vanilla Sky", dass man bereits im ersten Buchviertel die Lust zum Weiterlesen verliert.

Nur zur Erinnerung: in "Vanilla Sky" überlebt der Protagonist David einen Autounfall, seine Beifahrerin kommt jedoch ums Leben. Eines Tages taucht diese sehr lebendig wieder auf und David weiß fortan nicht mehr so recht, was Wahrheit und was Fiktion ist. Am Ende des Filmes stellt sich heraus, dass nur der Sturz von einem Dach David wieder in die Realität zurück bringen kann. Während er springt, zieht sein gesamtes Leben noch einmal an ihm vorbei.

"The Game" bringt Nicholas van Orten an die Grenzen seines Verstandes. Er bekommt zum Geburtstag ein Spiel geschenkt, das sein Leben verändern soll. Nicholas lässt sich vom Spieleanbieter ausgiebig untersuchen, um dann mitgeteilt zu bekommen, dass er für das Spiel nicht in Frage kommt. Als er von der Untersuchung nach Hause zurückkehrt, muss Nicholas feststellen, dass er sich trotz Ablehnung bereits mitten im Spielgeschehen befindet: er verliert sein Vermögen, entgeht mehreren Mordanschlägen, zahlreiche Personen entpuppen sich als Mogelpackungen und auch sein Bruder Conrad scheint eine entscheidende Rolle zu spielen. Wie in "Vanilla Sky" endet der Film mit einem Sprung vom Dach.

Packt man beide Filme zusammen und ergänzt man Fitzeks Story um einige widersinnige Handlungsstränge sowie eine haarsträubend unglaubwürdige Auflösung (die, nur nebenbei erwähnt, mit dem Sprung von einem Dach ihren Höhepunkt findet), dann hält man "Splitter" in den Händen.

"Splitter" ist stilistisch und inhaltlich ein Reinfall

Während man "Splitter" liest und genervt immer mehr Ungereimtheiten, Hollywood-Anleihen und das von Fitzek schon gewohnte Product Placement findet, klammert man sich an die wage Hoffnung, doch noch einen Funken Genialität zu entdecken. War doch der Vorgänger "Seelenbrecher" trotz Schwächen immer noch lesenswert und spannend. "Splitter" hingegen enttäuscht komplett.

Immer noch fehlt es Fitzek an sprachlichem Geschick. Seine Dialoge sind ungelenk, hölzern und realitätsfern. Die Wortwahl ist so simpel, dass man mühelos von Seite zu Seite huschen kann, ohne seinen Geist anstrengen zu müssen. Fehler findet man trotzdem: bei Fitzek werden auch schon mal "zwanzigtausend Euro in druckfrischen Hundertmarkscheinen" übergeben.

Neues Buch von Sebastian Fitzek: Der Augensammler

Mit "Splitter" ist es nun endgültig und offensichtlich ans Tageslicht gekommen: Fitzek kann Zufallstreffer landen, zu mehr reicht es nicht. Gute Thriller mit Gänsehaut-Garantie schreiben andere. Gänsehaut bei Fitzek macht höchstens der Gedanke, dass der Autor schon wieder das nächste Buch in Arbeit hat. "Der Augensammler" soll es heißen und 2010 auf den Markt kommen - eine erste ungelenke Andeutung findet man bereits in "Splitter".

Bisher von Sebastian Fitzek sind erschienen:

Sebastian Fitzek: Splitter. Droemer/Knaur 2009. Hardcover, 384 Seiten. Euro 16,95.

Foto, Katja Holzhei

Katja Holzhei - Katja Holzhei spricht mit losem Mundwerk, schreibt mit Herzblut, arbeitet mit Leidenschaft - als freie Journalistin und Texterin in ...

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