
- Uscha Wolter: Späte Heimkehr der Blumen - Schardt Verlag / Uscha Wolter
Die Geschichte von Jonni Blume, seiner Frau Anna und seiner kleinen Tochter Lilli beginnt 1953 in Düsseldorf. Blume kehrt nach dem zweiten Weltkrieg aus russischer Kriegsgefangenschaft zu seiner Familie zurück. Lilli begegnet ihrem Vater zum ersten Mal. Es folgt eine konfliktbeladene Zeit. Ihr Wunsch nach einem „normalen“ Familienleben können Vater und Mutter nicht erfüllen. Zu tief haben die einschneidenden Erlebnisse der Gefangenschaft Jonni Blume traumatisiert, wodurch ihr Zusammenleben mit harten Prüfungen konfrontiert wird.
Eine verzerrte Gottesgläubigkeit lässt Blume strenge Erziehungsmaßnahmen ergreifen, die im Laufe der Zeit zum Brennpunkt zwischen Vater und Tochter werden. Erst durch die Hilfe eines Mitschülers gelingt es Lilli die Wut auf ihren Vater zu überwinden und lernt schließlich ihn besser zu verstehen.
Eine Geschichte nach einer wahren Begebenheit
Wie unvorstellbar einschneidend die Kriegsgefangenschaft für Soldaten des Zweiten Weltkrieges gewesen sein muss, ist heute kaum noch zu begreifen. Da es immer weniger Zeitzeugen gibt, die über die gravierenden Erlebnisse berichten, hat Uscha Wolter mit ihrem Roman eindrucksvoll Einblicke in Schicksale ermöglicht, die daran erinnern, die Nachkriegszeit nicht zu einem vergessenen Thema werden zu lassen.
„Die Kapitel über die Gefangenschaft meines Vaters sind dokumentarisch. Die gemeinsamen Jahre wurden nach persönlichem Empfinden wiedergegeben“, so die Autorin.
Der Roman ist eine Familiengeschichte
Der Roman „Späte Heimkehr der Blumen“ ist eine Familiengeschichte, die auf wahre Begebenheiten basiert. Die Nachkriegszeit weist darauf hin, dass sich Auswirkungen und Folgen durch das ganze Leben ziehen und immer wieder neue Friedensbereitschaft aller Menschen notwendig macht.
Persönliches Fazit von Uscha Wolter: „Der Krieg hat verhindert, dass Vater mein Vater und ich sein Kind werden konnte. Berührungspunkte, die uns näher gebracht hätten, haben wir zwangsläufig verpassen müssen“.
Die Autorin berichtet im Nachwort, dass sie nach dem Tod der Eltern 150 Feldpostbriefe ihres Vaters finden konnte. Nachrichten aus der Gefangenschaft an die Heimat, Dokumente, die für sich sprechen.
Fünf Briefe hat Uscha Wolter in ihren Roman integriert. Botschaften ihres Vaters aus der Vergangenheit. „Ich konnte nach 50 Jahren erfahren, wie groß Vaters Sehnsucht nach mir war. Auch, wenn es nur geschriebene Worte sind, die wir später in der Wirklichkeit nicht miteinander leben konnten, bewirken sie in mir eine liebvolle Erinnerung.“ sagt Uscha Wolter über das Postgut ihres Vaters.
Über die Autorin: Uscha Wolter
Uscha Wolter, Jahrgang 1944, wohnt gemeinsam mit ihrer Familie in der Nähe von Heidelberg. Sie lebt zurückgezogen und bevorzugt eine autodidaktische Lebensweise. 2005 veröffentlichte sie ihren Debütroman „Späte Heimkehr der Blumen“ im Schardt Verlag; im Herbst 2009 erschien nun ihr zweites Buch mit dem Titel „Augenhöhe“.
Uscha Wolter: Späte Heimkehr der Blumen, Schardt Verlag Oldenburg, September 2005, 123 Seiten, kartoniert/broschiert, Euro 10,00
