Rezension: "Verwesung" von Simon Beckett

Beckett: Verwesung - Wunderlich/Rowohlt Verlag
Beckett: Verwesung - Wunderlich/Rowohlt Verlag
Der 4. Roman aus der David-Hunter-Reihe des Erfolgsautoren enttäuscht: Im Gegensatz zu ihren Vorgängern zieht sich diese Story lang und vorhersehbar dahin.

Dr. David Hunter ermittelt in seinem vierten Fall: Der Serienmörder Jerome Monk ist aus der Haft geflüchtet und verfolgt all jene, die acht Jahre zuvor Zeugen seines Fluchtversuches waren. Auch David Hunter war damals vor Ort, da er bei einem Leichenfund im Moor von Dartmoor helfen sollte – das entdeckte Grab enthielt die sterblichen Überreste eines vermeintlichen Opfers von Monk. Monk ließ sich damals darauf ein, weitere versteckte Gräber und damit Opfer seiner Gewalttaten preiszugeben, nutzte dann aber die Chance, um einen Fluchtversuch zu wagen. Dieser scheiterte, Monk blieb in Haft. Acht Jahre später gelingt ihm dann die Flucht bei seiner Verlegung in ein Krankenhaus und Hunter steht auf einmal wieder im Mittelpunkt der Ermittlungen um die Gräueltaten von Monk.

Guter Thriller, aber unter Becketts Niveau

Grundsätzlich gibt es am vierten Band aus der David-Hunter-Reihe nicht viel zu kritisieren. "Verwesung" ist ein vernünftiger Thriller, den man auch dann lesen kann, wenn man die drei Vorgänger nicht kennt. Ist man jedoch eingefleischter Beckett-Fan und begeistert von den vorherigen drei Hunter-Bänden, dann wird man von "Verwesung" wahrscheinlich enttäuscht sein.

Mit über 440 Seiten kein kurzer Roman und mit fast 23 Euro für die Hardcoverausgabe kein Schnäppchen. Was kein Probleme wäre, wenn das Buch mit den Vorgängern "Die Chemie des Todes", "Kalte Asche" und "Leichenblässe" mithalten könnte. Aber es scheint fast so, dass Beckett in "Verwesung" die zündende Idee gefehlt hat. Zwar agiert David Hunter in gewohnt sympathischer, sachlicher, fachlich nüchterner und menschlicher Art, doch die gesamte Story kann nicht überzeugen.

Wenig Überraschungen und kaum Spannung

Es wird dem aufmerksamen Leser ziemlich schnell klar, dass die Geschichte um Monk ihre Geheimnisse birgt und nichts so ist, wie der Autor es gerne vorgaukeln möchte. Ganz offensichtlich werden die Fährten zu allen in Frage kommenden Tätern gelegt und letztendlich ist die Auflösung des Buches keine Überraschung mehr. So spektakulär der Showdown auch sein mag, so wenig Aha-Effekte gibt es leider am Ende. Die Vermutung liegt nahe, dass man hier von Verlagsseite einer schnellen Fortsetzung mit vielen Seiten zulasten der gewohnten Beckett-Qualität den Vorrang gewährt hat.

Gewohnt gekonnt hingegen sind Becketts Landschaftsbeschreibungen, von denen man in "Verwesung" mehr Gänsehaut bekommt als vom restlichen Buch. Zudem gibt es einige interessante Einblicke in die Vergangenheit des Anthropologen, auch in Zeiten, in denen seine Frau und seine Tochter noch am Leben waren.

Und eines ist zum Glück sicher: "Verwesung" ist immer noch um Längen besser als alle vor der Hunter-Reihe veröffentlichten Beckett-Bücher wie "Flammenbrut" oder "Obsession", welche auf dem Buchmarkt wohl keine Chance hätten, wenn Beckett sich nicht inzwischen einen Namen gemacht hätte. Zu hoffen bleibt, dass er diesen auch behält und in seinem nächsten Hunter-Buch wieder zu alter Bestform zurückfindet.

Zum Weiterlesen

Bisher von Simon Beckett erschienen sind:

Simon Beckett: "Verwesung". Wunderlich-Verlag (Rowohlt, Februar 2011). Gebundene Ausgabe. 448 Seiten. ISBN: 3805208677. Euro 22,95 Euro.

Foto, Katja Holzhei

Katja Holzhei - Katja Holzhei spricht mit losem Mundwerk, schreibt mit Herzblut, arbeitet mit Leidenschaft - als freie Journalistin und Texterin in ...

rss