
- Luanne Rice - www.knaur.de
Dianne Robbins ist voller Freude, als sie ein Kind erwartet. Doch bei einer Routineuntersuchung erfährt sie, dass ihr Kind behindert ist und nicht lange leben wird. Eine Abtreibung liegt nahe, aber Dianne kann diese Wahl nicht treffen. Sie erwartet ein Kind und liebt es und will sich nicht als Herrin über Leben und Tod aufspielen. Doch als sie das Kind wählt, verlässt ihr Mann Tim sie, und Dianne entbindet und erzieht ihre geliebte Tochter Julia alleine. Die junge Mutter ist einer doppelten Trauer ausgesetzt. Sie steht vor dem Ruin ihrer Ehe, dem Verlust der Liebe und den Scherben eines Traums: ein gesundes Kind mit all den Möglichkeiten, die es mit sich bringt.
Luanne Rice und der Traum von der heilen Welt
Verletzt kämpft Dianne ums Überleben. Nicht nur, dass sie mit dem Bau von Spielzeughäusern ihren Lebensunterhalt erwirbt. Sie träumt sich dort in die heile Welt einer glücklichen Familie; ein Kindheitstraum, wo Vater, Mutter, Kind in einem geschützten Haus ein behütetes Leben führen. Ein Traum, der nur wenigen erfüllt wird.
Alan, Diannes Schwager und erste Liebe, ist Kinderarzt. Er harrt an ihrer Seite aus und versucht Julias Leiden zu lindern. Doch Diannes Herz bleibt ihm verschlossen. Sie ist zutiefst verletzt und möchte von Männern nichts mehr wissen.
Tim, der Vater des Kindes, flieht von einem Hafen zum nächsten und vor seiner Verantwortung. Er läuft vor seiner Vergangenheit, seiner Verantwortung als Vater und Ehemann davon. Er wird Julia nur einmal sehen, aber da ist es zu spät, um noch eine Beziehung zu seiner Tochter aufzubauen.
Amy, ein Mädchen aus einer zerrütteten Familie, träumt auch den Traum von einer intakten Familie, genauso wie Dianne. Als ihr Stiefvater gewalttätig wird, findet sie eine Erzsatzfamilie bei Dianne und ihrer Mutter. Das vom Leben gebeutelte Mädchen kann sich in Julia spiegeln und findet an ihrer Seite Trost, eine Vertraute und Freundin.
„Wo die Sterne zu Hause sind“ ist eine anrührende Liebesgeschichte mit starken Persönlichkeiten
Luanne Rice, bekannt für romantische Romane, gelingt es, einen Roman voller Intensität und leiser Töne zu schreiben. Die Liebe von Alan und Dianne ist bedroht und schweren Schlägen ausgesetzt. Zart und zerbrechlich wie eine kleine Pflanze ist ihre Beziehung, aber trotz der äußeren und inneren Widerstände findet das Paar zusammen. Die Personen sind rund, man kann sie vor sich sehen mit ihren Dämonen (aus der Vergangenheit) und Träumen für die Zukunft. Sie haben jeder eine eigene Geschichte und Stimme und werden dem Leser unwillkürlich ans Herz wachsen.
Luanne Rice tritt für das Leben ein
Das Buch ist ein Plädoyer für das Leben. Julia, das behinderte Mädchen, wird liebevoll gezeichnet. Sie kann nur Laute von sich geben und mit Mimik und Gesten ausdrücken, was sie sagen will. Trotz dieser begrenzten Ausdrucksmöglichkeiten gelingt es der Autorin, ihr ein eigenes Gesicht und eine starke Stimme zu geben. Julia erscheint nicht nur wie ein Bote aus einer anderen Welt, der viel mehr weiß als wir Menschen und durch die Hülle des Körpers begrenzt ist. Sie entpuppt sich auch als Segen – trotz aller Leiden – für die Familie.
Ein Liebesroman mit unvergesslichen Schicksalen
Dieses Buch hält den Leser von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Zum einem, weil die Autorin es vermag, starke und eigenwillige Personen zu schaffen, die viele Herausforderungen bestehen müssen, ehe sie ihren Traum von einem behüteten Leben leben dürfen. Damit kommt Luanne Rice auch dem tiefsten Wunsch der Leser entgegen. Viele von ihnen werden selbst schwere Schicksale haben, aber im Buch hofft man, dass alles ein gutes Ende findet. Nicht alle Leiden können verhindert werden, aber gemeinsam können Julia, Alan und Dianne sich stützen, und haben so auch Kraft für Amy und ihre Mutter da zu sein und Tim zu verzeihen.
Ein Buch, welches aufgrund der leicht lesbaren Sprache, jedem wärmstens empfohlen werden kann. Ein Schmöker, ganz geeignet für lange Winterabende.
Luanne Rice: Wo die Sterne zu Hause sind. Knaur TB: 2003. Broschiert. 448 Seiten. 8,95€.
