
- Die Drachenwächterin - Cover - AAVAA e-Book Verlag
Als Journalist und Sachbuchautor hat sich Wolfgang Schwerdt seit Jahren einen Namen gemacht. Sein besonderer Interessenschwerpunkt gilt dabei der Vergangenheit – beispielsweise als Herausgeber des History Magazins. Auch die Welt der Sagen und Legenden hat es ihm angetan, und so war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis er seinen ersten Fantasy-Roman schreiben würde.
Das magische Drachenauge, aber keine Magire
Dieser ist nun unter dem Titel „Die Drachenwächterin“ (Untertitel: „Das magische Drachenauge“) im AAVAA e-Book Verlag erschienen. Dabei sind (neben verschiedenen e-Book-Formaten) drei gedruckte Ausgaben erhältlich: die Standard-Taschenbuchausgabe, eine XXL-Ausgabe mit extra großer Schrift und ein MINI-Buch. Die Bezeichnung „MINI-Buch“ ist dabei mit Bedacht gewählt, denn diese Ausgabe lässt sich bequem in der Jackentasche mitführen.
Der Einband, vom Autor selbst gestaltet, vermittelt sofort eine düster-fantastische Stimmung und wäre als äußerst gelungen zu bezeichnen – hätte sich nicht in der kurzen Inhaltsangabe ein Druckfehler eingeschlichen. Die Rede ist dort von „Magiren“, doch wer nun gespannt darauf wartet, was genau sich hinter dieser interessanten Wortschöpfung verbirgt, wird enttäuscht. In der Geschichte selbst treten nur die genreüblichen Magier auf, wenn auch ziemlich hochkarätige.
Leider handelt es sich bei dieser kleinen Nachlässigkeit nicht um einen Einzelfall. Die Druckfehler im Text sind so gravierend – es werden schon mal ganze Wörter weggelassen, andere tauchen doppelt auf –, dass es den Lesegenuss deutlich stört. Es bleibt zu hoffen, dass hier für spätere Ausgaben sorgfältig nachgebessert wird. Verdient hat der Text es jedenfalls.
Kein Tolkien, Rowling oder Foster, aber gute Unterhaltung
Über die erzählerische Kraft eines J. R. R. Tolkien oder einer J. K. Rowling verfügt Schwerdt zwar nicht, und seine Drachen hinterlassen vielleicht einen weniger bleibenden Eindruck als der marxistische Falameezar aus Alan Dean Fosters Bannsänger-Zyklus. Dennoch bietet „Die Drachenwächterin“ gute Unterhaltung für alle Liebhaber des Genres.
Drachen, Götter und Riesen – und mittendrin ein kleines Mädchen
Die Geschichte beginnt damit, dass sich die kleine Trine dreier verlassener Drachenkinder annimmt. Von ihrer geliebten Großmutter erfährt sie, dass sie als Nachfahrin der sagenumwobenen Drachenwächter und Erbin des magischen Drachenauges eine wichtige Aufgabe zu übernehmen hat. Bald muss sie sich auf eine weite und gefährliche Reise begeben, von der am Ende das Schicksal der ganzen Welt abhängt. Denn zwischen christlichen Mönchen und Druiden, Drachen, Göttern und den Riesen der Urzeit entbrennt nicht weniger als ein Kampf um die Neuordnung des Universums.
Dabei nimmt die Handlung manchmal überraschende Wendungen. Insbesondere bei den Drachen, die uns anfangs als eine degenerierte und zum Aussterben verdammte, sich in geradezu kleinbürgerlichem Verhalten verlierende Spezies begegnen, ist nicht alles, wie es scheint.
Wolfgang Schwerdt verknüpft Hintergrundwissen mit Spannung und Humor
Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Höhepunkte sind unter anderem das Spektakel in der Kirche, bei dem der als lebendig gewordenes Eichenfass beschriebene Pfarrer Georg von seiner Gemeinde vorgeführt wird, oder die Begegnung mit den winzigen Bogs tief unter der Erde. Und auch wer schon immer wissen wollte, wozu eigentlich Dudelsäcke ursprünglich dienten, wird hier fündig.
Wer es anspruchsvoller mag, der wird sich über Anspielungen auf die germanische Überlieferung freuen, etwa die Erwähnung Sigurds oder Beowulfs. Und er wird in den Fumori, Boilug und Tuath de Legdorr vielleicht die Fomori, Firbolg und Tuatha de Danann der irischen Mythologie wiedererkennen. Hier zeigt sich das reiche Hintergrundwissen des Autors. Aber auch mancher Denkanstoß zur Natur von Bräuchen und Religionen lässt sich finden.
Die Drachenwächterin eignet sich als Urlaubslektüre für Fantasy-Fans
Allen Liebhabern der Fantasy-Literatur ist „Die Drachenwächterin“ trotz kleiner stilistischer Schwächen und fehlenden Korrektorats nicht zuletzt als leichte, spannende und dabei witzige Urlaubslektüre zu empfehlen.
Wolfgang Schwerdt: Die Drachenwächterin – Das magische Drachenauge. AAVAA e-BookVerlag 2010. Standard Taschenbuch, 290 Seiten. Euro 9,95.
