
- Das Cover zu - Suhrkamp
In erster Linie lebt Boone Daniels um zu surfen, als Privatdetektiv arbeitet er nur, wenn er Geld braucht. Lieber verbringt er seine Zeit im Wasser mit seinen Kumpels von der Dawn Patrol, mittlerweile bleibt er meistens sogar bis zur Gentlemen’s Hour, zu der sich die Surfer treffen, die nicht mehr arbeiten müssen oder sich ihre Zeit frei einteilen können. Eines Tages bittet ihn ein Surferfreund der Gentlemen’s Hour um einen Gefallen: Boone soll dessen Frau observieren und herausfinden, ob sie ihn betrügt. Eigentlich würde Boone gerne ablehnen, da Beschattungen meistens in einer Katastrophe enden. Aber bei einem Surfkollegen macht er eine Ausnahme. Damit könnte eigentlich alles seinen Gang in San Diego gehen, doch Boone lässt sich von der attraktiven Anwältin Petra Hall – auf die er seit „Pacific Private“, dem ersten Teil der Reihe, ein Auge geworfen hat – noch zu einem zweiten Auftrag überreden: die Surferlegende Kelly Kuhio, K2 genannt, wurde von dem Millionärssöhnchen Corey Blasingame mit dem „Superman Punch“ umgebracht. Es gibt Zeugen und ein Geständnis, der Fall scheint also klar zu sein. Dennoch soll Boone Material für die Verteidigung des Jungen sammeln. Anfangs zögert Boone, aber schließlich lässt er sich von Petra überreden. Damit gerät seine idyllische Surfwelt in ernsthafte Gefahr: seine Freunde wenden sich von ihm ab, außerdem erfährt Boone von Gangs, die ganze Strandabschnitte kontrollieren und im Sinne des sogenannten „localism“ Touristen auch mit Gewalt von ihren Stränden vertreiben wollen. Aber Surfen und Gewalt passen einfach nicht zusammen …
Boone Daniels, der hartgesottene Privatdetektiv
Auch in seinem zweiten Fall muss Boone Daniels wieder viel einstecken und es ist bemerkenswert, dass er am Ende überhaupt noch steht. Aber spätestens seit dem guten Mafia-Thriller „Frankie Machine“ ist bekannt, dass Don Winslow nicht an Gewalt spart. Dennoch sind seine Bücher keine brutalen Orgien, sondern vielmehr fesselnd erzählte und mitunter harte Krimis. Don Winslow vermag es, den Leser bei der Stange zu erhalten: kurze Kapitel, viele Dialoge und vor allem das Präsens erzeugen Tempo, darüber hinaus erhält der Leser genau die richtige Menge Informationen über den Fall. Dank dieser Qualitäten verzeiht der Leser auch die unzähligen Surfer-Metapher, den unvermeidlichen Show-Down am Strand und das kitischige Happy End.
"Pacific Paradise" ist schwächer als „Pacific Private“
Am Ende von „Pacific Paradise“ hat die Surferidylle zweifellos Risse bekommen, außerdem ist der zweite Teil im Vergleich zu „Pacific Private“ schwächer. Eine Stärke des ersten Teils zwaren zweifellos die Mitglieder der Dawn Patrol, die nicht einfach nur coole Namen hatten, sondern auch in die Handlung involviert wurden. Darüber hinaus erfuhr der Leser viel über das Surferleben und die Geschichte der amerikanischen Westküste. Nun erscheinen die Dawn Patrol und Westküste fast nur noch als Rest, als hübscher Hintergrund. Sicherlich gehört es zum einen zur Handlung: Daniels stellt sich mit seinen Ermittlungen für die Verteidigung des Mörders von K2 gegen seine Freunde und muss sich deshalb auch mit seinem bisherigen Leben, seiner Philosophie auseinandersetzen. Aber zum anderen sind manche Nebenstränge unnötig – beispielsweise die Überlegungen, ob Boone Anwalt wird oder die Wandlung von Petra Hall. Hier soll etwas zusammengefügt werden, was nicht hundertprozentig passt. Darüber können weder der finale Countdown noch der Sonnenuntergang hinwegtäuschen.
Kritik an der Wahl des Titels
Außerdem stellt sich die Frage, warum der Verlag für die Reihe diese Titel gewählt hat. Schon „Pacific Private“ mutete merkwürdig an, zumal das englische Original schlicht „Dawn Patrol“ hieß. Der zweite Teil ist nun – im Original – folgerichtig mit „Gentlemen’s Hour“ betitelt, im Deutschen wurde auf „Pacific Private“ zurückgegriffen. Die englischen Titel kommen im Buch vor, die deutschen Titel sind letztendlich auch englisch. Warum also nicht einfach die Originaltitel beibehalten?
Insgesamt bietet „Pacific Paradiese“ aber spannende Unterhaltung und ein Stückchen Urlaubsgefühl. Und da gehört ein wenig Kitsch einfach dazu!
Don Winslow: Pacific Paradise. Suhrkamp 2010. Broschiert. 386 Seiten. Euro 9,95.
