
- US-amerikanische Flagge im Wind - Alexander Hauk
Heartland ist eine Bezeichnung für den mittleren Westen der USA, der sich im 19. Jahrhundert von der Ostküste abgrenzen wollte.
Der Titel „Heartland“ ist äußerst treffend gewählt
Der mittlere Westen ist für eine besonders bodenständige Lebensweise bekannt, aber auch für politische Erfolge, wie die frühe Abschaffung der Todesstrafe.
All diese Aspekte prägen Joey Goebels Roman „Heartland“, in welchem es um John Mapother geht, der seine politische Karriere als Sohn eines wohlhabenden Tabakgroßkonzern Besitzers plant und dabei auf die Hilfe seines jüngeren Bruders, Blue Gene, angewiesen ist, der die Bedürfnisse und Wünsche der sozialen Unterschicht durch seinen Lebensstil nachvollziehen kann. Eine besondere konfliktgeladene Familiengeschichte mit viel Humor sorgt für einen entspannten Lesespaß.
Allerdings lässt sich auch oft der Vergleich mit Dostojewskijs Schreibstil treffend darstellen, welcher in der erste Hälfte des Romans dominiert.
Bemerkenswert ist auch die Detail genau Beschreibung der jeweiligen Szenen, welche sich durch den gesamten Roman zieht.
Es werden aktuelle Themen aufgegriffen und auch Namen wie Paris Hilton oder George W. Bush machen es einfach sich in die Zeitepoche und das Leben des Protagonisten hinein zu versetzen.
Moderne Perspektiven und Erzählweisen
Wer es leid ist, sich durch Schiller, Sophokles oder Fontane zu quälen, sollte seine Gedanken mit „Heartland“ erfrischen und neue Perspektiven des amerikanischen Lebensstils aufnehmen.
Besonders prägnant, ist der Wandel des „american dreams“ erkennbar. Wie der humane Grundgedanke einer Nation nach der Definition James Truslow Adams, den Wandel zu einer konsumorientierten Gesellschaft des 21. Jahrhunderts, welche den kommerziellen Lebensstil in den Mittelpunkt stellt durchzieht. „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ ist der träumerische Grundgedanke, den auch heute noch viele Europäer haben und sie zum auswandern motivieren.
Aktuelle Themen aufgreifen
Jedoch wird nicht nur der gesellschaftliche Aspekt mehr als erschöpfend in dem Roman bearbeitet. Relativ aktuelle Themen, wie Krieg und der uns allen bekannte Nationalstolz der Amerikaner begleiten den Protagonisten durch den Alltag. So treffen beispielsweise Kriegsgegner auf Kriegsbefürworter und entfachen heftige Debatten über den Sinn des amerikanischen Kriegs. Was viele Menschen bewegt, wie beispielsweise die Frage, ob das Argument einer Demokratisierung einer kommunistischen oder diktatorischen Nation als Kriegsgrund legitimiert werden kann, oder ob es sich hier lediglich um Profit handelt, beschäftigt die Menschen schon lange. Desto erstaunlicher scheint die geradezu unverblümte Erzählweise des Autors, der derart heikle Themenkomplexe auf spielerische Weise verarbeitet.
Die amerikanische Lebensart
Dabei kommt allerdings auch die erfrischende „Kultur“ der Amerikaner nicht zu kurz. Klischees, wie die Begeisterung für Wrestling Kämpfe bei der sozialen Unterschicht, oder die Aufregung zu Halloween, sowie die unglaubliche Konsummacht, wie das „Megashopping“ bei Wal-Mart lassen keine Wünsche für eingefleischte Amerikafans offen.
Doch nicht nur der Protagonist selber durchlebt heikle Lebensphasen, sonder auch dessen Bruder, welcher sich den Wahlkampf in den amerikanischen Kongress stellt um später einmal für das Präsidentenamt zu kandidieren. An dieser Stelle sollten sich alle Leser an die letzte Wahl erinnert fühlen, in welcher man den Alterungsprozess des US- Präsidenten Barack Obama geradezu mit verfolgen konnte. „Um in Amerika zu kandidieren muss man die Ausdauer eines Marathonläufers mitbringen“, behaupten viele US Bürger, die die Wahl mit verfolgt haben.
Alles in allem, eine gelungene moderne Geschichte, die alle wichtigen Themenkomplexe des amerikanischen Lebens im Wandel der heutigen Zeit äußerst treffend verarbeitet.
Heartland, Joey Goebel
Diogenes Verlag, 2008
ISBN 978-3-257-24037-5
Preis 11.90€
