Rezension zu: Jack Taylor fährt zur Hölle

Cover von Jack Taylor fährt zur Hölle - Artium Verlag
Cover von Jack Taylor fährt zur Hölle - Artium Verlag
Im dritten Teil der Krimi-Reihe des irischen Autors Ken Bruen zweifelt Jack Taylor an seinem Leben und sucht nach einem Mädchen aus einem Magdalenen-Heim.

Jack Taylor säuft, nimmt Drogen, hat kein Interesse an der Aufklärung seiner Fälle und schlägt sich irgendwie durchs Leben. Ständig legt er sich mit den Falschen an, verdirbt es sich sogar mit seinen Freunden und seine Fehler werden meistens erbarmungslos bestraft. Musste er im ersten Teil „Jack Taylor fliegt raus“ den Tod einiger nahestehender Menschen verkraften, legte er sich im zweiten Teil „Jack Taylor liegt falsch“ nicht nur eine Kokainsucht zu, sondern verantwortete auch noch den Tod eines Unschuldigen. Nun erscheint im Atrium-Verlag der dritte Teil mit dem fast schon programmatischen Titel „Jack Taylor fährt zur Hölle“.

Ermittlungen im Magdalenen-Heim

Für Jack Taylor kann es kaum weiter bergab gehen: nachdem er sich am Todestag seines Vaters ins Delirium gesoffen hat, bleibt zwar er eine Weile trocken, aber er hält nicht durch. Stattdessen greift er zu Jameson’s, diversen Tabletten und natürlich Koks. Seine vergangenen setzen ihm zu, er ist fast am Ende, zweifelt an seinem Leben und zieht sogar Selbstmord in Erwägung. Aber vorerst muss er einen Fall aufklären, schließlich schuldet er Bill Cassell noch etwas! In seinem Auftrag soll Jack eine gewisse Rita Monroe finden, die angeblich Bills Mutter zur Flucht aus einem Magdalenen-Heim verholfen hat. In jenen berüchtigten Einrichtungen der katholischen Kirche wurden über 150 Jahre hinweg junge, sogenannte „gefallene“ Mädchen eingesperrt, ausgenutzt und brutal misshandelt. Das letzte Heim wurde erst 1996 geschlossen. In Deutschland wurden die Magdalenen-Stifte vor allem durch den Film „Die unbarmherzigen Schwestern“ bekannt. Der Film zeigt eindrucksvoll, welcher Grausamkeit und Ausbeutung die Mädchen in den Heimen ausgesetzt waren, obwohl er von betroffenen Mädchen noch als beschönigend bewertet wurde.

Viele Iren wollen sich mit diesem dunklen Kapitel der Geschichte – und der Kirche – nicht auseinandersetzen. Deshalb stößt Jack Taylor mit seinen Nachforschungen mal wieder auf wenig Gegenliebe. Aber während er säuft, philosophiert und immer weiter auf den Abgrund zutaumelt, klärt er den Fall und noch einen weiteren auf – und sorgt für ein sehr eigenwilliges, aber durchaus gerechtes Ende!

Wortkarg, belesen und besoffen – der einzigartigen Privatdetektiv Jack Taylor

„Jack Taylor fährt zur Hölle“ ist der dritte Teil der bislang sieben Bände umfassenden Jack-Taylor-Reihe – und hier knüpft Bruen nahtlos an die Besonderheiten des ersten Teils an: Jack Taylor ist noch kaputter und selbstzerstörerischer, er ist noch wortkarger und schroffer. Im Gegensatz zu „Jack Taylor kehrt zurück“ wirken die Schilderungen weniger manieriert, stattdessen erzählt Ken Bruen gewohnt lakonisch und mit Dialogen und Sätzen zum Auswendiglernen. Dabei steht der Kriminalfall nicht im Vordergrund, vielmehr sind die Jack-Taylor-Romane Psychogramme eines selbstzerstörerischen Rächers, eines Verlierers, der vom wirtschaftlichen Aufschwung des Landes nicht profitierte, sondern abgeschüttelt wurde. Jack Taylor ist kein Held, er glaubt schon lange nicht mehr an Gerechtigkeit und an Wahrheit nur bedingt. Seine einzige Rettung sind Bücher, er hat Zitate von Andrej Solschenizyn ebenso parat wie die Weisheiten von David Goodis. Es ist nicht einfach, Jack Taylor zu mögen – aber er wächst einem ans Herz.

Die Einzigartigkeit von Ken Bruen

Ken Bruens Romane sind ein Sinnbild des Lebens mit Literatur, ein Fundus an Ideen und Anregungen – sie sind humorvoll, klug, grimmig und bitter. Sie sind wie ein Whiskey: mal holzig, meistens rauh, manchmal auch ein wenig bitter und sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Aber wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, kommt man so schnell nicht mehr davon los!

Ken Bruen: Jack Taylor fährt zur Hölle. Atrium Verlag 2010. Broschiert. 301 Seiten. 16 Euro. Der Roman erscheint am 30. August 2010.

Sonja Hartl - Als freie Kritikerin, Autorin und Redakteurin lese, arbeite und lebe ich in Bonn.

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