Rezension zu Kristin Cashore - Die Beschenkte

Katsa ist eine Beschenkte. Sie hat die Gabe des Tötens

Deutsches Cover - CARLSEN,Orion Books
Deutsches Cover - CARLSEN,Orion Books
In einer Welt, in der manche Kinder mit besonderen Gaben geboren werden, hat die junge Katsa die Gabe des Tötens. Die "Bis(s) Reihe" nehme sich in Acht.

In den sieben Königreichen sind besondere Kinder - die Beschenkten - durch zwei verschiedenfarbige Augen zu erkennen. Die Gaben, die diesen Kindern eigen sind, können von banalen Talenten wie auf Bäume klettern oder rückwärts sprechen über außergewöhnlich guten Orientierungssinn oder ein Talent zum schnellen Schwimmen reichen. Manche wenige Beschenkte jedoch haben besondere Gaben - so wie Katsa. Sie ist eine Kriegerin und kann es mit jedem Mann aufnehmen, jeden Menschen innerhalb von Sekunden töten. Für ihren Onkel, König Randa, erfüllt sie Aufträge, bestraft Bürger, die sich dem König widersetzt haben, doch ihr Leben ist unglücklich. Sie hat nur wenige Freunde und fühlt sich selbst als Monster. Bis sie eines Tages einen anderen Beschenkten trifft...

Katsa und Bo - ein kämpferisches Paar

Der mit ausgezeichneten Kampffähigkeiten ausgestattete Bo tritt zufällig, doch permanent, in Katsas Leben ein. Da er der einzige ist, der es im Kampf zumindest halbwegs mit ihr aufnehmen kann, eröffnen sich völlig neue Welten für Katsa. Und eine Freundschaft entsteht. Doch auch Bo hat seine Geheimnisse...

Auch die sieben Königreiche sind nicht so ruhig wie man meinen könnte. Denn eine böse Gefahr geht von einem der Könige aus, eine Gefahr, die so viel größer ist, als selbst Katsa erahnen könnte. In bester Fantasyroman-Manier bricht die mutige Kriegerin jedoch auf, sich dieser Gefahr zu stellen und den Frieden im Lande wiederherzustellen.

Großartige Ideen in einer Geschichte für Jugendliche

Es ist schwierig, ein einheitliches Urteil über diesen Debütroman von Kristin Cashore zu fällen. Einerseits strotzt das Buch nur so vor guten Ideen und das Talent der Autorin ist offensichtlich. Man kann den Roman kaum aus der Hand legen, fiebert mit den Charakteren mit und wird voll und ganz in die Geschichte hinein gesogen. Die Handlung selbst bleibt jedoch oft platt und viele Charaktere voller Potenzial tauchen nur hin und wieder und dann nur ganz kurz auf. Das ist sehr schade, denn besonders Katsas Cousin Raffin hätte eine wichtigere Rolle verdient. Sogar in den wenigen Szenen, in denen er auftaucht, schließt man ihn ins Leserherz. Die Fantasywelt der sieben Königreiche kann an Fantastischem eigentlich nur mit den Beschenkten aufwarten. Ansonsten ist es Standard-Fantasy in einer mittelalterlich anmutenden Welt.

Wodurch der Roman jedoch besticht sind die überraschenden Wenden, die nicht nur zu Ende des Buches, sondern auch mittendrin den Leser erfreuen. Auch der Bösewicht der Geschichte ist alles andere als klischeehaft und das Ende erstaunlich rund und passend.

"Die Beschenkte" verspricht also durchgehend spannende Unterhaltung mit einer zarten und zum Glück völlig kitschfreien Liebesgeschichte. Wer also etwas sucht, das den "Bis(s)-Büchern" ähnelt, ist hier an der falschen Adresse. Kristin Cashores Helden verlieben sich, bleiben aber bodenständig und halten sich mit Liebesschwüren eher zurück. Auch das werden viele Leser als Erleichterung empfinden. Einzige Ähnlichkeit zu Bella und Edward - der Sog, den das Buch auf den Leser ausübt. Wenn das, ebenfalls jugendliche, Zielpublikum wohl doch ein paar Jährchen älter sein dürfte als bei den Vampirbüchern.

"Die Beschenkte" ist ein schöner Erstlingsroman, der zwar seine kleinen Macken hat, aber schöne Lesestunden bereitet und definitiv Lust auf mehr macht. Die Autorin sollte man im Auge behalten, denn eine Vorgeschichte zu "Die Beschenkte", die auch für sich alleine gelesen werden kann, gibt es bereits auf Englisch unter dem Titel "Fire".

Mehr Informationen über die Autorin und kommende Bücher gibt es auf Kristin Cashores Homepage.

Kristin Cashore: Die Beschenkte. Carlsen 2009. Gebundene Ausgabe, 487 Seiten. Euro 19,90.

Kristin Cashore: Graceling. Orion Books 2009. Paperback, 370 Seiten. Euro 7,40.

Nadine Gemeinböck, Nadine Gemeinböck

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