
- RFID-Tag auf blauer Spule - Harting
Eine neue Transpondergeneration, unternehmensübergreifende Forschungs- und Einführungsprojekte sowie viele aktuelle Praxis-Projekte mit der Radiofrequenzindentifikations-Technologie (RFID) für den industriellen Einsatz machen deutlich: Die an und für sich gar nicht mehr so neue Technik ist zur Zeit „in“. Bei der Realisierung setzen die Anbieter und Systemintegratoren sowohl auf zertifizierte Standards als auch den Mut zu unkonventionellen, individuellen Lösungen. Die Standardisierung innerhalb innovativer RFID-Projekte ist laut Expertenmeinung heute einerseits bereits weit fortgeschritten, anderseits aber immer noch hoch komplex.
Branchenverband AIM gibt Tipps für RFID-Einsatz in der industriellen Praxis
So empfiehlt der Branchenverband für Automatische Identifikation, Datenerfassung und Mobile Datenkommunikation (AIM) den Unternehmen, zunächst genau zu schauen, welche technische Lösungen für ihr individuelles Projekt gebraucht werden und – wenn möglich – einen vorhandenen Standard zu nutzen. AIM-Geschäftsführer Wolf-Rüdiger Hansen: „Je einfacher die Standards sind, desto einfacher ist die Produktion der RFID-Gerätschaften und desto preiswerter sind sie auch.“
Eine Patentantwort gebe es allerdings für alle industriellen RFID-Einsatzgebiete wie auch die Logistik nicht. Diese Technologie beruhe auf elektromagnetischen Wellen. Und Elektromagnetismus sei eben hoch kompliziert. „An vielen Stellen, wo es um interne Prozesse geht, kommt man möglicherweise auch ohne einen Standard aus“, sagt Hansen. Beim dynamischen Thema RFID bliebe oftmals in der Praxis nichts anderes übrig als immer wieder zu experimentieren, genau zu gucken wie ein Transponder und in welcher Umgebung er auch funktioniere.
Staplerortung bei der Ortrander-Eisenhütte mit Ultrabreitband-Technologie
Über die Entwicklung einer noch jungen aktiven Transponder-Technologie und deren Einsatz in der Stapler-Ortung bei der Ortrander-Eisenhütte berichtet Andreas Schürzinger von der Ubisense AG. „Unser Ortungssystem arbeitet im Ultrabreitband-Frequenzbereich zwischen 6 und 8,5 GHZ und ist in der Lage, Güterbewegungen mit einer Präzision von 15 bis 30 Zentimetern darzustellen und zu lokalisieren“, so der „Technical Consultant“. Darüber hinaus könne jede Bewegung im Lager am Bildschirm über eine 3-D-Grafiksoftware in Echtzeit verfolgt werden.
Die 60 Euro teuren Transponder sind an den Gabeln der Stapler angebracht
Als Clou beim Projekt Ortander Eisenhütte gilt, dass zum Lesen bzw. Orten der RFID-Daten keine sog. ‚Gates‘ aufgestellt, sondern im Bodenwaren-Dopplellager fest definierte logische Zonen eingerichtet wurden. Die um die 60 Euro teuren Ultrabreitband-Transponder sind an den Gabeln der Stapler angebracht und die Signale werden über Sensoren an der Hallendecke geortet. In Verbindung mit einem Lagerverwaltungssystem (LVS), das bei der sächsischen Eisengießerei die Stellplatzverwaltung organisiert, kann über den Einsatz der RFID-Technologie sogar die andernorts noch übliche Paletten-Indentifikation über Barcode eingespart werden. Schürzinger: „In dem Moment, wo der Staplerfahrer eine Gitterbox von einem Stellplatz nimmt, weiß das LVS, um welche Palette mit welchem Inhalt es sich handelt. Eine zusätzliche Identifikation der Palette kann an dieser Stelle daher unterbleiben.“
Verfolgung von Stanzbandrollen in der Steckverbindungsproduktion
Einen Zwischenstand ihres noch nicht abgeschlossenen Projekts „Verfolgung von Stanzbandrollen in der Steckverbindungsproduktion“ gibt Jörg Hehlgans, Projektleiter der Harting Mitronics AG. Damit verfolgt das Unternehmen Harting inklusive der Tochtergesellschaften in der Schweiz und in China eine doppelte Zielsetzung: Zunächst soll mittels RFID-Einsatz mehr Transparenz über die Anzahl und den aktuellen Ort der Stanzbandrollen im Sinne eines Behältermanagements hergestellt werden. Hehlgans: „Wenn sie als Leergut liegen gelassen und nicht an den Anfang des Prozesses zurückgeschickt werden, droht im ‚Worst Case‘ das Risiko eines Maschinenstillstandes.“ In einem zweiten Projektschritt sollen zukünftig die aufgerollten Kupfer- oder Messingbänder in ihrer Prozessfolge auch im Sinne einer Qualitätskontrolle verfolgt werden. Ergänzend zur RFID-Technologie setzt Harting für die gewählten Projektziele auch auf die Einführung des Kanban-Verfahrens.
Integration der RadiofrequenziIdentifikation mit IT-Systemen
Trotz aller Fortschritte und Projekterfolge ist der Einsatz der Radio-Frequenz-Identifikations-Technologie allerdings noch lange nicht selbstverständlich. So erklären auch 90 Prozent der befragten Anwender der Erhebung „Steuerung von Ladungsträgerkreisläufen“ des Kühne Instituts für Logistik an der Technischen Universität St. Gallen die RFID-Technik für wichtig. Aber nur drei Prozent setzen sie auch heute schon im Asset-Management ein. Worin ist diese offensichtliche Diskrepanz begründet? „Die Branche hat das Thema RFID viel zu früh hochgeejubelt“, betont Wolfgang Albrecht, der Geschäftsführer von PSI Logistics. Eine ganze Reihe an Aufgaben seien für einen flächendeckenden Einsatz von der Industrie derzeit noch nicht befriedigend gelöst. Dies ändere aber nichts an deren Siegeszug. Neben dem nach wie vor gehobenen Preisniveau von Transponder, Antennen und anderen RFID-Gerätschaften nennen Branchen-Experten vor allem das bestehende Integrationsrisiko bei der Ankoppelung der RFID-Werkzeuge an das komplexe Umfeld bestehender IT-Systeme. Genau an dieser Schwachstelle setzen aktuell die einschlägigen Systemintegratoren und Softwarehäuser verstärkt den Hebel an.
