
- Rheinbach innerhalb der Prümer Herrschaften - Christian Peitz
Die erste Erwähnung findet Rheinbach in einer Urkunde aus dem Jahr 762, mit welcher der fränkische König Pippin III., genannt der Kurze, den Ort dem Kloster Prüm in der Eifel, dem Hauskloster seiner Familie, der Karolinger, zum Geschenk macht. Zu diesem Zeitpunkt ist Rheinbach jedoch noch weit davon entfernt, eine Stadt zu sein.
Der Fronhofverband „villa Reginbach“
Die Urkunde nennt eine „villa Reginbach“. Mit einem mondänen Wohnsitz hat der Begriff jedoch nichts zu tun. Es handelt sich vielmehr um einen Fronhofverband, also eine Anzahl verstreut liegender Bauernhöfe, die unter einer gemeinsamen Herrschaft stehen – von nun an also unter der Herrschaft der Äbte des Klosters Prüm. Da diese jedoch als Geistliche keine Leibstrafen verhängen durften, benötigten sie Stellvertreter, die Vögte, die das Gerichtsrecht an der Stelle der Äbte wahrnahmen. Mit der Vogtei über die villa Reginbach waren die Grafen von Are-Hochstaden belehnt.
Im Jahr 1246 nun übertrug Graf Friedrich von Are-Hochstaden die gesamte Grafschaft – mitsamt Rheinbach, dem Prümer Lehen – seinem Bruder Konrad, dem damaligen Erzbischof von Köln. Von nun an sollten die Kölner Erzbischöfe die Vogtei und damit die hohe Gerichtsbarkeit sowie das Schultheißenamt – die niedere Gerichtsbarkeit – und die Herrschaft in Rheinbach besitzen.
Die Ritter von Rheinbach
Doch in der villa Reginbach gab es noch einen vierten Rechtstitel. 1178 nämlich gab das Kloster Prüm die in Rheinbach stehende Burg an einen Wirtschaftsbeamten, einen Kastellan, zu Lehen, der auch sofort begann, die Burg in Stein auszubauen. Die Burgverwalter sollten wohl, bei aller Machtfülle des Kölner Erzbischofs, weiterhin die Prümer Interessen in Rheinbach vertreten. Tatsächlich sollte das Erzstift Köln mit den Rheinbacher Burgmannen noch so einigen Ärger bekommen – jedoch ganz anders, als vom Kloster Prüm geplant.
Zunächst ging aber alles seinen geordneten Gang. Auch unter dem Erzbischof blieben die Burgmänner von Rheinbach in ihrer Position, ja, sie wurden sogar zu Lehnsleuten des Erzstifts. Als erster Angehöriger seines Geschlechts machte sich offenbar Lambert von Rheinbach besonders um sein Amt verdient, denn er schaffte es, Rheinbach als einzige Herrschaft für den Erzbischof zu erhalten. Alle umliegenden Herrschaften waren Stück für Stück an die Grafen von Jülich gegangen. Wohl aus Dankbarkeit belehnte denn auch 1269 Erzbischof Engelbert von Falkenburg Lambert von Rheinbach mit der Herrschaft über den Fronhofverband – der zweite Rechtstitel war auf die Ritter – und nun auch Herren – von Rheinbach übergegangen.
Die Schlacht von Worringen und die Folgen
Den Wendepunkt im Verhältnis der Ritter von Rheinbach zu ihren Lehnsherren bildet das Jahr 1288 und in ihm die Schlacht von Worringen als Kulminationspunkt des Limburger Erbfolgestreites. In dieser Auseinandersetzung, in welcher Herzog Johann von Brabant und Graf Johann von Luxemburg um das Erbe des Herzogtums Limburg stritten, hatte der Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg tatkräftig auf Seiten des Luxemburgers mitgemischt – und verloren. Im Anschluss war Siegfried längere Zeit unfreiwilliger Gast auf Schloss Burg an der Wupper, dem Sitz des Grafen von Berg, seinem direktem Kontrahenten auf dem Schlachtfeld.
Im Gefecht hatten die Rheinbacher Ritter ihrem Lehnsherrn noch tapfer und bis zum bitteren Ende zur Seite gestanden, doch nun galt es, die Ohnmacht des Kölner Erzbischofs zu nutzen. Ohne großes Federlesen riss Theoderich II. von Rheinbach, der Sohn Lamberts I., auch noch die Vogtei und das Schultheißenamt an sich. Als Vogt von Rheinbach siegelt er von nun an auch auf Urkunden.
Die Gründung der Stadt
Doch die neu erlangte Macht musste auch gefestigt werden gegen einen irgendwann wieder erstarkenden Erzbischof. Theoderich wurde Lehnsmann Gerhards von Jülich, des Bruders des jülicher Grafen. Gleichzeitig ging er auch ein Lehnsverhältnis mit den Rittern von Müllenark, den Herren der benachbarten Tomburg ein. Zudem setzte er auf alle Schöffenstühle in Rheinbach seine eigenen Dienstleute.
Vor allem aber ging er daran, aus den verstreut liegenden Höfen der villa Reginbach eine Stadt zu formen. Keimzelle wurde die kleine, wahrscheinlich durch Wall, Graben und Hecke befestigte Siedlung zu Füßen der Rheinbacher Burg, in der sich bereits ein großer Teil der vierzehn Rheinbacher Schöffenlehen konzentrierte. Nach und nach siedelte Theoderich beinahe sämtliche Höfe, vor allem die Zehnthöfe, in denen die Abgaben für die Klöster Prüm und Himmerod gesammelt wurden, um.
Gleichzeitig ging er daran, ihre Stadt zu befestigen. Ausschlaggebend für den Verlauf der Mauer war die Tatsache, dass weniger als 200 Meter nördlich der Burg jene Heerstraße verlief, die die Messestadt Frankfurt mit der Kaiserstadt Aachen verband. Was lag da näher, als die Mauer über diese Straße zu führen und quasi die ganze Stadt zu einer einzigen großen Zollstelle zu machen? Dass dabei die Pfarrkirche, die im Südwesten der Burg lag, außen vor blieb, war hinzunehmen – verstand man sich mit den Brüdern des Klosters Himmerod, die den Pfarrer stellten, sowieso nicht besonders gut. Später wurde in der Stadt eine Filialkirche errichtet.
Ohnmacht und Macht der Erzbischöfe
Im Jahr 1298 wird Rheinbach zum ersten Mal „oppidum“, Stadt genannt, und zwar ausgerechnet in einer Urkunde aus der Kanzlei des Kölner Erzbischofs Wikbold von Holte. Damit erkennt dieser den Status einer Stadt für Rheinbach faktisch an. Dabei wollte dieses Schriftstück eigentlich genau das Gegenteil, nämlich die Bestätigung der 1247 vom Kloster Prüm an Erzbischof Konrad übertragenen Rechte des Kölner Erzstifts an Rheinbach und die Verurteilung der Machenschaften der Rheinbacher Ritter.
Geholfen hat diese Urkunde den Kölner Erzbischöfen auch nicht. Im Gegenteil: 1323 ist die Befestigung Rheinbachs fertig, aus dem Fronhofverband endgültig eine Stadt geworden. Ein Stadtrecht besaß Rheinbach dennoch nicht – das konnten die Ritter von Rheinbach ihrer Stadt nämlich nicht einfach selber geben. Dazu bedurfte es des Landesherrn, und das war nun einmal der Kölner Erzbischof. 1327 hatte man sich schließlich geeinigt. Rheinbach erhielt städtische Privilegien, dafür erkannten die Ritter von Rheinbach den Erzbischof als Lehnsherrn an.
Lange währte die Herrschaft der Ritter von Rheinbach nicht mehr. 1343 übertrug Beatrix von Schleiden, die Witwe Theoderichs III. (oder Tilmann), des letzten Herrn von Rheinbach, ihre Rechte gegen eine jährliche Rente an Erzbischof Walram. Ihr Sohn Johann war drei Jahre zuvor gestorben. So erhielt das Kölner Erzstift, das einen Fronhofverband verloren hatte, eine Stadt zurück. Ab 1345 residieren Kölner Amtmänner auf der Rheinbacher Burg.
