
- Orchesterauftritt in der Basilika Kloster Eberbach - Heike Rost, Rheingau-Musik-Festival Konzert GmbH
Spätestens in der zweiten Junihälfte, wenn der Sommer eingeläutet wird, beginnt in Deutschland auch die Festivalzeit mit Theater-, Oper- und Konzertveranstaltungen in alten oder zumindest schönen Gemäuern, oft unter Sternenhimmel in Burghöfen oder auf Freilichtbühnen. Eines der führenden Musikfestivals Deutschlands ist das Rheingau-Musik-Festival, das im Jahr 2009 zum 22. Mal für die Dauer von zwei Monaten große Sinfoniekonzerte, aber auch Jazz- und Kabarettabende und musikalische Matineen für Kinder und Familien bietet. Der Schwerpunkt liegt aber ganz deutlich bei der sogenannten E-Musik.
Kurztripp in den "Sommer voller Musik"
Die gesamte Region zwischen Frankfurt, Wiesbaden, Rüdesheim und Lorch ist in den „Sommer voller Musik“ eingebunden, die geografisch und landwirtschaftlich definierten Grenzen des Weinbaugebietes Rheingau sind zumindest in dieser Jahreszeit fließend. An 38 Spielstätten finden 141 Konzerte statt, für die es 115.000 Tickets gibt. Im Jahr 2008 hatte das Festival 122.000 Besucher. Immer wenn der Dirigent beim Eröffnungskonzert, das traditionell vom Hessischen Rundfunk live übertragen wird, den Taktstock hebt, sind 90 % aller Karten bereits verkauft.
Land Hessen leistet kleine Subvention
Anders als so manches Stadt- oder Staatstheater bleibt so gut wie kein Platz leer, das Festival hat eine große Fangemeinde. Darauf ist Intendant und Festivalgründer Michael Herrmann stolz, vor allem auch weil, was gerne betont wird, die öffentlichen Zuschüsse minimal sind. „Die private Finanzierung setzt sich aus den Sponsorengeldern und den Einnahmen aus dem Kartenverkauf zusammen. Wir bekommen einen Zuschuss von 25.000 Euro vom Land Hessen zur Durchführung eines Konzertes. Weitere Subventionen der öffentlichen Hand gibt es nicht,“ berichtet Sabine Siemon von der Rheingau Musik Festival Konzert GmbH.
Förderpreis für junge Virtuosen
Der Hauptsponsor Lotto Hessen verpflichtete sich zudem, in jeder Saison einen jungen Künstler (oder Künstlerin) aus den Reihen „Junge Virtuosen“ oder „Klassik-Marathon/Treffpunkt Jugend“ mit 15.000 Euro zu fördern. Das Geld ist zweckgebunden: Der Preisträger kann davon eine qualitativ gute Festival-CD mit Tonaufnahmen seiner eigenen Darbietungen bezahlen.
Rheingau profitiert touristisch
Die Besucher strömen aber nicht nur aus der Region, sondern auch von weiter her ins sommerliche Rheingau, dessen Hotels und Gastronomie von dem Event gut profitiert. Denn zum privatwirtschaftlichen Konzept gehört auch, dass Medienpartner großzügig eingebunden werden, sodass die Konzerte noch Monate danach, wenn Herbst und Winter längst Einzug gehalten und die Weinlese vorbei ist, in ganz Deutschland über die Kultursender von Deutschlandfunk und Deutschlandradio, des Westdeutschen und des Hessischen Rundfunks zu hören sind.
Magdalena Kožená, Daniel Barenboim und Chick Corea
Auch dem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender 3sat ist das Festival Sendezeit wert. Dies fällt der Redaktion vermutlich auch nicht schwer, denn die Liste der beim Publikum beliebten Interpreten-Namen von Solisten, Ensembles und Chören ist lang, reicht von Magdalena Kožená über Daniel Barenboim bis Chick Corea, von Monteverdi Choir bis Curtis Stigers. Die philharmonischen und symphonischen Orchester reisen in großer Besetzung von der Mailänder Scala, aus London oder Dresden an. Meist schwingt im Titel das bedeutunggebende „National“ oder „Royal“ mit, daneben muss sich das „Deutsche Symphonie-Orchester Berlin“ ganz bescheiden fühlen.
Erfolgsrezept Musik mit Wein, Wanderung, Wellness
Letztlich funktionieren nicht nur die großen Namen, die Diven und Promis der Musikszene allein als Publikumsmagneten. Die besondere Anziehungskraft der klimatisch milden und lieblichen Rhein-Landschaft, kombiniert mit dem gelegentlich luxuriösen Charakter der Konzerte und die Möglichkeit, ein touristisch attraktives Wochenende mit Wein, Wanderung und Wohlfühlen zu verbringen – das ist die Erfolgs-Rezeptur des Festivals.
Basilika und Kreuzgang Kloster Eberbach
Als Michael Herrmann 1987 mit zwei Konzerten in den alten Mauern des Zisterzienserklosters Eberbach einen ersten Probelauf unternahm, erntete er so viel Schulterklopfen und Beifall für die Idee, dass er sie zusammen mit ein paar musikbegeisterten Freunden und regionalen VIPs ein Jahr später im größeren Stil in die Tat umsetzte. Die Atmosphäre der wichtigsten Spielstätten hat dabei eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Die meisten Konzerte finden in der selbst bei Sommerhitze eisig kalten Basilika und unter freiem Himmel im historischen Kreuzgang von Kloster Eberbach statt. Das Programm sieht an diesen Orten die chorsinfonischen Massenauftritte und die kleineren Darbietungen von Kammerorchestern vor.
Schloss Johannisberg, Wiesbadener Kurhaus, Abtei St. Hildegard
Zweitwichtigste Anlaufstelle ist der klassisch-schlichte Fürst-von-Metternich-Saal auf Schloss Johannisberg. Große Sinfoniekonzerte ermöglicht auch der prunkvoll gestaltete Friedrich-von-Thiersch-Saal des Wiesbadener Kurhauses. Historisches Ambiente oder großzügige Gemütlichkeit bieten andere Schlösser wie Reinhardshausen oder Vollrads, die Abtei St. Hildegard hoch über Rüdesheim ebenso wie einige Rheingauer Weingüter.
Das Programm des Rheingau-Musik-Festivals kann man unter der Telefonnummer 01805/743464 anfordern. Informationen über Rheingauer Sehenswürdigkeiten, Unterkünfte, Restaurants, Weinlese, Weinkönigin und mehr findet man auf einer eigenen Tourismus-Webseite.
