Rheinisch-Deutsches Kaltblutpferd

Rasseporträt des vielseitigen Arbeits- und Freizeitpferdes.

Liegende Kaltblutstute - Sylvia K. Brehm
Liegende Kaltblutstute - Sylvia K. Brehm
Die beliebten rheinisch-deutschen Kaltblüter sind regional unter diversen Rassebezeichnungen bekannt und zählen zu den gefährdeten Haustierrassen.

Mecklenburger, Sächsisch-Thüringer, Altmärker, Rheinisch-Westfälisches oder Hessisches Kaltblut – das sind keine eigenständigen Kaltblutrassen, sondern sie gehören alle der Rasse Rheinisch-Deutsches Kaltblut an. Alle Zuchtgebiete der Rheinisch-Deutschen Zuchtrichtung sind zusammen ein Ursprungszuchtgebiet. Demgemäß führen die Züchtervereinigungen, obwohl sie die Zucht in eigenständigen Teilpopulationen betreiben, das Zuchtbuch über den Ursprung der Rasse Rheinisch-Deutsches Kaltblut nach EU-Vorgaben und deutschem Tierzuchtrecht gemeinsam. Die uneinheitlichen, regionalen Bezeichnungen wurden irgendwann einmal in den jeweiligen Zuchtbezirken eingeführt, unter anderem vor dem Hintergrund, die Prämien zu sichern, die die Länder für die Erhaltung dieser Kaltblutrasse zahlten. Hinzu kam dann auch noch ein gewisses Nationalbewusstsein seitens der Züchter.

Erhaltenswertes Kulturgut

Aber um die Verwirrung noch größer zu machen: Die rheinisch-deutschen Kaltblüter waren – und sind es teils noch heute – vielerorts gemeinhin als Belgier bekannt, dem Synonym für die schwersten der schweren Pferde schlechthin. Die deutschen „Belgier“, das sind die Rheinisch-Deutschen Kaltblüter, die auf der Grundlage belgischer Vorfahren fußen. Das Belgische Zugpferd ist die Ausgangsrasse, Belgien das genetische Mutterland. Dennoch sind Rheinisch-Deutschen Kaltblüter eine eigenständige Rasse, die ihren Ursprung in den deutschen Zuchtgebieten hat und heute als erhaltenswertes Kulturgut auf der roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) steht.

Die Rheinisch-Deutschen Kaltblüter heute

Die Rheinisch-Deutschen Kaltblüter werden in fast allen deutschen Bundesländern, überwiegend in Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen, Sachsen, Thüringen und Brandenburg gezüchtet. Kaliber und Rahmen liegen heute etwas unter den imposanten Maßen der belgischen Ahnen. Gefragt ist ausgesprochener Kaltblutadel im mittelschweren Rahmen, ein ansprechendes Gesicht mit klar erkennbarem Geschlechtsausdruck, eine dichte Mähne, ein harmonisches, korrektes Exterieur mit trockenen, klaren Gelenken, festen Hufen und nicht zu viel Behang. Die Bewegungen sollen schwungvoll und flüssig sein, mit raumgreifendem Schritt, großer Galoppade und energischem Trab, eine zu hohe Knieaktion ist unerwünscht. Leichtfuttrigkeit, ein guter Charakter, angenehmes Temperament und Arbeitswilligkeit sind die hervorstechenden Merkmale. Das Stockmaß liegt heute etwa zwischen 159 und 167 cm, das Gewicht zwischen 720 und 850 kg. In den ostdeutschen Zuchten sind die verschiedenen Schimmelvariationen sehr gefragt, während im westdeutschen Raum sehr häufig die Füchse mit hellem Langhaar oder Braune die Mehrzahl bilden. Dunkelbraune und Rappe gibt es nur selten.

Leistungsfähiges Arbeitspferd und zuverlässiger Freizeitpartner

Vom schwersten Schrittzugpferd mit vorrangiger Verwendung in intensivstem Ackerbau und im schweren Fuhrgeschäft für die Industrie erfolgte der Wandel zu einem mittelschweren Kaltblüter, der einen Teil seiner Arbeit heute im Trab erledigen muss. Bestandsschonende Arbeit im Forst, der Tourismusbereich mit Kremserwagen- und Ausflugsfahrten, sowie der private Freizeitbereich zählen gegenwärtig zu den Hauptaufgaben dieser Kaltblutrasse. Vereinzelt erfolgt wieder ein Einsatz in der Landwirtschaft, in Gartenbau- und Baumschulbetrieben, beispielsweise für Arbeiten in Spezialkulturen und Pflegearbeiten, für die diese Rasse durch ihre Kraft, Ausdauer und die Bereitschaft zum Mitmachen sehr gut geeignet ist. Wegen ihres liebenswerten Charakters werden Rheinisch-Deutsche Kaltblüter auch als Therapiepferde oder zum Voltigieren genutzt. Obwohl einst als Schrittpferd gezüchtet, sind viele von ihnen sehr bewegungsfreudig und wissen auch einen flotten Galopp zu schätzen. Ob vor der Kutsche oder unter dem Sattel: Im Freizeitbereich erweisen sie sich als gute, zuverlässige Partner. Doch Vorsicht, sie können auch einen gewaltigen Sturkopf haben und sind deswegen, vor allem in Anbetracht ihrer Körperkraft, keine Anfängerpferde.

Sylvia K. Brehm , Sylvia K. Brehm

Sylvia K. Brehm - Sylvia Kirsten Brehm ist am 16. Januar 1965 in Rotenburg a.d. Fulda geboren. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und einem ...

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