Rhetorische Figuren

Gedichte - Jenzig
Gedichte - Jenzig
Sie sind schwer zu merken, oft nicht einfach zu erkennen, aber bei jeder Gedichtinterpretation ein Muss: hier ein hilfreicher Überblick rhetorischer Figuren

Dichter arbeiten mit Stilmitteln, welche lyrischen Texten Ausdruck und Tiefe verleihen. Sie werden vom Autor bewusst eingesetzt, um Aussagen und Gefühle zu unterstreichen oder hervorzurufen. Diese sprachliche Gestaltung wird vom Leser meist unbewusst aufgenommen und macht das Besondere an der Lyrik aus.

Die wichtigsten Stilmittel im Überblick

  • Alliteration

Sind die Anfangsbuchstaben von aufeinanderfolgenden Wörtern gleich, spricht man von einer Alliteration.

Beispiel: Milch macht müde Männer munter

Taucht eine Alliteration auf, handelt es sich in vielen Fällen um ein Sprichwort (siehe oben). Eine "allgemein gültige" Interpretation der Alliteration gibt es nicht, viel mehr betont sie den Wortlaut - und die damit zusammenhängende Stimmung.

Übrigens: die alten Germanen kannten den heute üblichen Endreim nicht, sondern "reimten" ausschließlich mittels Alliterationen am Anfang der Verse.

  • Anapher

Eine Anapher beschreibt die Wiederholung eines oder mehrerer Wörter an Satz- und Versanfängen, die aufeinander folgen.

Beispiel: Er schaut nicht in die Felsenriffe...Er schaut nur hinauf.

Meistens lässt sich aus einer Anapher interpretieren, dass die Aussage von wichtiger Bedeutung ist und hervorgehoben werden soll.

  • Metapher

Mit einer Metapher wird ein Bild mittels Wörter geschaffen, dessen Bedeutung gar nichts mit dem Bild zu tun hat. Die Bedeutung ist also im übertragenen Sinne - es gibt sie nicht in der Realität.

Beispiel: "Himmelszelt" (der Himmel kann kein Zelt sein, hat hier die Bedeutung von Schutz)

Tauchen viele Metaphern in dem zu untersuchenden Text auf, ist die Bildhaftigkeit besonders hoch. Das kann ein Indiz für eine literarische Epoche wie dem Expressionismus sein.

  • Neologismus

Wie "neo" schon verrät, geht es um etwas Neues: der Neologismus bezeichnet die Wortneuschöpfung.

Beispiel: "Nebelspinne" (diese Art von Spinnen gibt es nicht)

Verwendet der Autor viele neue Wörter, ist das ebenfalls ein Hinweis auf die Zeit, in der dieser das Werk geschrieben hat - in den meisten Fällen tauchen solche Wörter in jüngeren lyrischen Texten auf.

  • Oxymoron

Im Oxymoron steckt ein bisschen Ironie: es verbindet zwei logisch nicht zusammenpassende Begriffe.

Beispiel: "Alter Knabe" (wie kann ein Kind alt sein?)

Oxymorone deuten auf eine gewisse Zweideutigkeit des Textes hin: hier heißt es, einen zweiten Blick auf die Aussage, die der Autor damit machen möchte, zu werfen.

  • Parallelismus

Wie der Name schon sagt, beschreibt der Parallelismus zwei Parallelen, in diesem Fall den gleichförmigen Satzbau, hintereinander.

Beispiel: "Am grauen Strand, am grauen Meer"

Der Parallelismus bringt Ruhe, selbst in vom Sinn her bewegte Gedichte/lyrische Texte (z.B. "das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht"). Es kann also auch einen Widerspruch darstellen, wenn der Rhythmus nicht zum Inhalt passt.

  • Personifikation

Eine Personifikation liegt vor, wenn ein sachlicher Begriff "vermenschlicht" wird.

Beispiel: "Die Sonne lacht" (die Sonne kann nicht lachen)

Sie verbildlicht, genau wie die Metapher, das Gedicht und gibt ihm den besonderen, nicht wie ein Sachtext wirkenden, Klang.

  • Rhetorische Frage

Wenn eine Rhetorische Frage gestellt wird, heißt es: aufgepasst! Meistens zeigt sich an solchen Stellen das lyrische Ich.

Beispiel: "Was ist das Leben?"

  • Synästhesie

Durch ein Verb wird bei der Synästhesie die Bedeutung/die Aussage des darauffolgenden Wortes verstärkt.

Beispiel: "heiße Musik"

Der Autor möchte mit Synästhesien immer etwas hervorheben. Auf solchen Stellen ist also besonders Augenmerk zu legen.

  • Vergleich

Bei der rhetorischen Figur des Vergleiches gibt es nicht viel zu beschreiben. es vergleicht zwei Wörter miteinander!

Beispiel: "Haare wie Gold", "stark wie ein Löwe"

Kommt ein Vergleich in dem zu analysierenden Text vor (Signalwort "wie"), möchte der Autor seine Aussage bildhaft unterstreichen.

Ohne diese sprachlichen Mittel wäre ein Gedicht oder lyrischer Text nicht das, was es/er ist. Es ist zwar eine mühevolle Aufgabe, diese herauszufinden, ist aber Basis jeder Interpretation. Man muss sich nur der richtigen Argumente bedienen...;)

Viel Erfolg!

Bildnachweis: © Jenzig www.pixelio.de, "Blüten und Perlen deutscher Dichtung", 2006, 54900, 1,90€

Kim Mensing - 1992 als echte "Kieler Sprotte" geboren, gehöre ich hier bei suite101 wohl zu den Jüngsten. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, ...

rss