
- Cover "Die Insel" - jpc.de
Eine Reise auf der exklusiven Jacht der Eltern der wunderschönen Freundin. Zwei Wochen quer durch die Karibik, Sonne, Strand und schöne Frauen, wohin man nur blickt.
Dies ist genau, was dem 20-jährigen Collegestudenten Rupert widerfährt. Zusammen mit seiner Freundin Conny, deren Eltern Andrew und Billie, sowie deren Schwestern Thelma und Kimberley und deren Ehemännern Wesley und Keith machen sie einen Ausflug quer durch südliche Gewässer. Sie picknicken eines schönen Tages auf einer kleinen Südseeinsel, als ihre Jacht plötzlich explodiert und Wesley mit sich in die Tiefe reißt.
Kein Grund zur Beunruhigung. Niemand strandet in diesen modernen Zeiten, sie werden sicher bald gefunden werden.
Doch dann passiert das unfassbare: Nacheinander werden erst Keith, dann Andrew brutal ermordet. Sind sie etwa doch nicht allein auf dieser Insel?
Ruperts's Tagebuch
„Die Insel“ ist ein Roman in Tagebuchform geschrieben. Verfasser ist Rupert, der einzige männliche Überlebende auf der Insel. Zusammen mit den „Sexbomben“ Billie, Kimberley und Conny, sowie der eher unscheinbaren bis hässlichen Thelma versucht er, so gut es geht zu überleben. Seine Chancen stehen nicht gut, denn offenbar hat es der Mörder vor allem auf die Männer abgesehen.
Einigermaßen spannend beschreibt Rupert die endlosen Tage auf der Insel, den Kampf ums Überleben. Mit einem sehr überraschenden Ende.
Horror nicht wirklich vorhanden
Richard Laymon wird oft auch als zweiter Stephen Kind gehandhabt. Dies ist berechtigt, schreiben beide doch Horrorbücher. Doch genau wie King gelingt es Laymon nur hin und wieder, eine spannende, packende und gruslige Atmosphäre zu erzeugen.
In „Die Insel“ dreht sich alles hauptsächlich um den Sex, den Rupert gerne mit Billie, Kimberley oder Conny haben würde. Verständlich, würden manche sagen, schließlich ist dies als das Tagebuch eines Collegejungen geschrieben. Doch auch das Tagebuch eines Collegejungen hat irgendwo seine Grenzen.
Die Identität des Mörders ist schnell geklärt und nach einigen ergebnislosen Jagden kommt das Buch zu einem überraschend schnellen Ende. Nachdem man über hunderte Seiten hinweg den Erzählungen Ruperts lauschen musste, wie er ein wenig Brust einer der Frauen gesehen oder einen Blick auf ihren blanken Hintern ergattern konnte, kommt das Ende schnell und übertrieben blutig.
Laymon versucht, dem ganzen noch eine horrormäßige Note zu verleihen, indem er Rupert zum König der Insel avancieren lässt, doch geht das an dem Leser eher vorbei, der seinen Magen immer noch wegen der grausamen Schilderungen ein paar Seiten vorher beruhigen muss.
Fazit: Ein kurzweiliger Roman, der jedoch mehr etwas für echte Laymonfans ist.
Richard Laymon: Die Insel (Heyne, 2006), ISBN: 3453675118, 9,95 Euro
