Bevor man sich auf eine Kletter- oder Wandertour im Gebirge begibt, sollte man nicht nur den lokalen Wetterbericht hören, sondern auch bestimmte Wetterzeichen beachten. Auch wenn die Sonne scheint, können Cumulonimbus-Wolken (so genannte Haufenwolken, die sich immer weiter auftürmen) auf ein drohendes Gewitter hinweisen. Auch die Hinweise von Einheimischen, die das Wetter ihrer Region seit Jahr und Tag kennen, sind eine wertvolle Warnung – auch wenn bis dato noch keine typischen Gewitterzeichen zu erkennen sind und die Sonne von einem tiefblauen Himmel strahlt.

Gefahren, die von einem Gewitter im Gebirge ausgehen

Abgesehen von der Gefahr eines Blitzschlages können auch wolkenbruchartige Regengüsse, die zu Erdrutschen führen können, und Hagelschlag bei entsprechender Größe der Körner ein weiteres Risiko für Wanderer und Bergsteiger darstellen.

Elmsfeuer: Ein Indikator für höchste Lebensgefahr!

Als Elmsfeuer wird der bläuliche Lichtschein an Ecken und Kanten, beispielsweise an Gipfelkreuzen, bezeichnet. Elmsfeuer sind lediglich gut im Dunkeln zu erkennen, aber bei Gewittern ist es meist so düster, dass es trotzdem auch tagsüber gut sichtbar ist. Bedingt wird dieses Phänomen durch das starke elektrische Feld unterhalb der Gewitterwolke, das sich an Ecken und Kanten von exponierten Gegenständen entlädt.

Kommt es zu einer solchen Entladung an Menschen oder Tieren, ist dies meist nicht am Lichtschein erkennbar, sondern daran, dass sich einzelne Haare oder sogar Haarbüschel knisternd aufrichten. Wenn Metallteile der eigenen Ausrüstung (zum Beispiel im Rucksack mitgeführte Eispickel oder Haken) anfangen, statisch zu brummen (so genanntes „Pickelsausen“), ist dies ebenfalls ein Elmsfeuer, was aber nicht am bläulichen Schein zu erkennen ist.

Tritt eins der vorgenannten Phänomene auf, besteht höchste Lebensgefahr, da sich die Gefahr eines Blitzschlages weiter erhöht hat. Zudem kann auch das elektrische Feld unterhalb der Gewitterwolke bereits genug Strom enthalten, um gesundheitliche Schäden zu verursachen.

Was tun, wenn man bei einer Bergtour von einem Gewitter überrascht wird?

Wichtig ist in jedem Fall: Ruhe bewahren, auch wenn es donnert und über den Gipfeln gegebenenfalls erste Blitze zu sehen sind! Angst und Panik sind ein schlechter Ratgeber – nicht nur bei einem scheinbar plötzlichen Gewitter im Gebirge, sondern auch in anderen Gefahrensituationen. Konkrete Schutzmaßnahmen bei Gewitter im Gebirge sind:

  • Genug Abstand halten von Metallteilen (Kletterhaken, Eispickel, Steigeisen und so weiter). Im Forum gipfeltreffen.at wird sogar von einem User geraten, die Kletterausrüstung, die ja ebenfalls teilweise aus Metall besteht, dreißig bis vierzig Meter unterhalb vom eigenen Standort abzulegen, um die Gefahr von Blitzschlägen zu verringern, da der Blitz sich eher talwärts entlädt und somit eher die Ausrüstung als den Kletterer/Wanderer treffen würde.
  • Wenn möglich, Abstand zu Klettersteigen, Felswänden (insbesondere zu feuchten), Gipfeln und anderen exponierten Stellen halten! Ebenfalls soll genügend Abstand zu Seilbahnen (Stahlseil, aus Metall gefertigte Masten) gehalten werden!
  • Einzelne Bäume oder Baumgruppen im Gelände meiden, da diese oft ein gutes Ziel für den Blitz abgeben und somit ein Überspringen auf Personen, die sich darunter oder in unmittelbarer Nähe aufhalten, möglich ist!
  • Im Gelände in einer Mulde hinhocken, Kopf einziehen und die Füße möglichst eng beisammen halten, um die so genannte Schrittspannung zu vermeiden. Im Falle eines Blitzschlages würde bei einer entsprechenden Schrittspannung Strom fließen, was einen (tödlichen) Stromschlag, gegebenenfalls in Kombination mit schweren Verbrennungen, zur Folge haben kann. Am günstigsten ist es, sich weiteres isolierendes Material wie etwa den Wanderrucksack oder ein Seil (natürlich ohne Metallhaken!) unter die Füße zu legen!
  • Wenn eine Gruppe im Gebirge unterwegs ist und vom Gewitter überrascht wird: Genügend Abstand zueinander halten (mindestens zehn Meter, besser mehr) und sich nicht berühren, da im Falle eines Blitzschlages dann auch Strom fließen würde. Sofern möglich, sollten besonders ängstliche Personen verbal von den anderen beruhigt werden.
  • Während einzelne Bäume oder kleine Baumgruppen eher ein exponiertes Ziel für den Blitz abgeben, so ist ein Wald, in dem sich viele Bäume auf kleiner Fläche befinden, wiederum ein guter Schutz bei Gewitter, zumal die meisten Bäume in einem Waldgebiet annähernd dieselbe Höhe haben. Zu beachten ist allerdings, dass ein bestimmter Abstand zu den Ästen gehalten werden soll, die am weitesten vom Stamm abstehen, da auch dies wieder ein gutes Ziel für den Blitz sein kann. Auch Höhlen – sofern vorhanden – bieten Schutz gegen Gewitter und seine Folgen im Gebirge.

Quellen:

  • Rovitel Group, 71083 Herrenberg: pdf-Dokument mit dem Titel „Verhalten bei Gewitter im Freien/Blitzgefahr im Gebirge“ – ohne Datumsangabe
  • Online-Forum gipfeltreffen.at. Diskussion von Usern zum Thema „Gewitter in den Bergen“. Juli 2008
  • Homepage top-wetter.de: Artikel mit dem Titel „Wetter im Gebirge“ – ohne Datumsangabe
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Bildnachweis:

  • Gipfelkreuz; Bergkamm; Klettersteig: © Hans, Pixabay
  • Gewitterwolke: PDPhotos, Pixabay
  • Matterhorn: Simon, Pixabay