Es ist soweit: Die Welt hat einen 70jährigen Beatle. Ringo Starr, eigentlich Richard Starkey, der älteste Beatle, wird 70 Jahre alt. Geboren am 7. Juli 1940 in Liverpool, wuchs er in einem üblen Hafenviertel, dem „Dingle“, auf. Seine Kindheit war von Krankheit und Armut geprägt. Seine Eltern trennten sich, als er drei Jahre alt war. Er besuchte kaum die Schule; er verbrachte einen Großteil seiner Kindheit und frühen Teenagerjahre im Krankenhaus.
Von Rory Storm and the Hurricanes zu den Beatles
Nach diversen Jobs fing er als Schlagzeuger in der angesagtesten Liverpooler Band Rory Storm and the Hurricanes an. Dort war es auch, wo er seinen Namen in Ringo Starr änderte. Diese Band war äußerst erfolgreich und spielte Tourneen auch außerhalb Großbritanniens, u.a. auch in Hamburg. Dort lernte Ringo die Beatles kennen, man freundete sich an. Da die Beatles mit ihrem Drummer Pete Best unzufrieden waren, übernahm bald Ringo diesen Part.
Ringo Starr, der Normalo
Von da an ging es Schlag auf Schlag: Innerhalb weniger Jahre stiegen die Beatles zu Weltruhm auf. Ringo, das arme Kind aus dem Liverpooler Slum, war plötzlich Millionär. Starrs Rolle innerhalb der Beatles wird oft heruntergespielt; tatsächlich aber war er für die Band doppelt wichtig: sowohl in musikalischer als auch menschlicher Hinsicht. Sein Schlagzeugspiel wie auch seine Persönlichkeit bildeten das stabile Fundament der Gruppe. Neben den Halbgöttern Lennon/McCartney hatte er die Rolle des Normalos, des netten Kerls mit dem Herz am rechten Fleck. Er sang einige der größten Beatles-Hits: „Yellow Submarine“, „Octopus’s Garden“, „With a little Help from my Friends“.
McCartney ist der bessere Schlagzeuger
John Lennon hielt sehr viel von Ringo Starr. Er verstand sich mit ihm viel besser als mit McCartney – kein Wunder, Ringo ist eindeutig der einfachere Charakter. Lennon hob stets Starrs Bedeutung für die Band hervor: „Wir kennen diesen ganz besonderen Funken bei Ringo, auch wenn wir ihn nicht genau benennen können“, sagte er in den Playboy-Interviews 1980. Starr war kein technisch perfekter Drummer; seine besondere Fähigkeit bestand eher darin, den richtigen Sound herauszukitzeln und seinen eigenen Stil zu kreieren. Beatles-Produzent George Martin schreibt in seinem Buch „Summer of Love“ sogar, dass McCartney besser Schlagzeug spielte als Starr – wenn auch ohne dessen charakteristischen Sound.
Solokarriere mit Höhen und Tiefen
Nach der Trennung der Beatles veröffentlichte Starr einige Soloalben, mehr oder weniger erfolgreich. „Sentimental Journey“ (1970) bestand nur aus Cover-Versionen und fiel bei der Kritik durch. Sein größter Erfolg war sein Album „Ringo“ von 1973, dessen zwei Singles „Photograph“ und „You’re Sixteen“ es auf Platz 1 der US-Charts schafften. Starrs Platten hatten immer etwas leicht amateurhaftes, obwohl er sowohl live als auch im Studio stets die besten Musiker um sich scharte. Gerade das macht seine Platten aber so sympathisch.
Filme mit Frank Zappa, Marc Bolan und Barbara Bach
In den Siebzigern machte Starr einige Ausflüge in die Schauspielerei, u.a. „Caveman“, „The Magic Christian“ (mit Peter Sellers) oder im Frank Zappa-Film „200 Motels“. Starr führte auch Regie in „Born to Boogie“, einer Doku über die Band T-Rex (er war mit Frontman Marc Bolan befreundet). Bei den Dreharbeiten zu „Caveman“ (1980) lernte er Bond-Girl Barbara Bach kennen, mit der er bis heute verheiratet ist.
Ringo Starr hat drei Kinder (aus seiner ersten Ehe mit Maureen Cox). Sein ältester Sohn, Zak Starkey, ist erfolgreicher Schlagzeuger, er spielte u.a. für The Who und Oasis. Jason Starkey war weniger erfolgreich als Musiker und blieb ein bisschen das Sorgenkind (Drogen, Autodiebstahl). Tochter Lee Starkey ist Modedesignerin, so wie Stella McCartney.
Bis heute erfolgreich mit der All Starr-Band
Ringo Starr kämpfte durch die Achtziger Jahre hindurch mit Alkoholproblemen und ging 1988 in eine Entzugsklinik. Seit 1989 tourt er wieder als Musiker durch die Welt, mit seiner All Starr-Band, deren Besetzung sich stets ändert. Starr ist nicht der geborene Frontman; auch heute noch bleibt er lieber im Hintergrund und spielt auf der Bühne am liebsten Schlagzeug. Trotz seiner 70 Jahre wirkt er immer noch bemerkenswert agil und jugendlich. „Ich bin ein großes Kind“, sagte er 1998 im „Bunte“-Interview, „ich will spielen“.
