Ein weit verbreitetes Vorurteil unter Laien ist, dass sich ausschließlich der Stiel von Giftpilzen bläulich verfärbt, wenn man ihn in der Mitte auseinanderschneidet, die angeschnittenen Stiele von Speisepilzen hingegen würden grundsätzlich weiß bleiben. Dies ist jedoch ein mitunter tödlicher Irrtum, da sich nicht bei jedem Giftpilz das Mark verfärbt, sobald es mit Licht und Luft in Berührung kommt.
Ein weiterer Irrtum ist, dass alle Pilze genießbar sind, die von Tieren oder Insekten angenagt werden. Schnecken beispielsweise fressen vielfach die Schirme von Fliegenpilzen an. Während dies für sie keine negativen gesundheitlichen Auswirkungen hat, ist der Verzehr von Fliegenpilzen im ungünstigsten Fall für Menschen tödlich.
Verwechslungsgefahr
Viele Giftpilze sehen genießbaren Speisepilzen zum Verwechseln ähnlich, so dass ein unerfahrener Pilzsammler die relevanten Unterschiede möglicherweise nicht erkennt. Der hochgiftige Weiße Knollenblätterpilz sieht einem Speisechampignon sehr ähnlich, giftige bis tödlich giftige Häublinge werden oft mit den genießbaren Stockschwämmchen verwechselt, der tödlich giftige Japanische Trichterling ähnelt stark dem Hallimasch und anderen, genießbaren Trichterlingen. Nur bei den wenigsten giftigen Pilzen ist eine Verwechslung mit Speisepilzen ausgeschlossen. Beispiele hierfür sind der Satansröhrling und der Helmkreisling.
Selbst bei den als Speisepilz beliebten Pfifferlingen, die gemeinhin als leicht bestimmbar gelten, kann es zu Irrtümern kommen, denn es gibt ebenso einen giftigen, falschen Pfifferling.
Bei einigen Pilzen ist die Giftigkeit umstritten. Von manchen Menschen wird beispielsweise die Nebelkappe vertragen, andere leiden nach Verzehr an Übelkeit, Durchfall und/oder Erbrechen.
Pilzgifte
Die Bandbreite der Giftigkeit schwankt von giftig über stark giftig bis hin zu tödlich giftig. In stark giftigen Pilzen wie etwa dem Fliegenpilz sind häufig Ibotensäure, Muscimol, Muscarin und Gyromitrin enthalten, in tödlich giftigen Pilzen wie etwa dem Grünen Knollenblätterpilz oft Amanitine, Phallotoxine und Orellanin.
Coprin, das u. a. im Faltentintling enthalten ist, ist nur im Zusammenwirken mit Alkohol giftig.
Symptome für eine Pilzvergiftung
Nach Verzehr von Fliegenpilzen, bei denen trotz ihres allgemein bekannten charakteristischen Aussehens Verwechslungsgefahr mit dem in Deutschland eher seltenen, aber genießbaren Kaiserling besteht, stellen sich zwanzig Minuten bis zwei Stunden später Sehstörungen, Halluzinationen, starke Bauchschmerzen, Übelkeit und/oder Erbrechen ein. Der Notarzt ist sofort zu verständigen. Im Krankenhaus wird zunächst der Magen gespült, dann wird dem Patienten Aktivkohle verabreicht. Eine vollständige Genesung erfolgt dann in der Regel binnen 24 Stunden.
Nach Verzehr des Grünen Knollenblätterpilzes, der oft mit Champignons und Grünen Täublingen verwechselt wird, stellen sich starke Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen ein, da die in ihm enthaltenen Toxine meist den Darm und die Leber, gelegentlich auch die Nieren, angreifen. Infolge dessen kommt es unter Umständen zu einer Vergrößerung der Leber bis hin zu einer Hepatitis. Wirksame Gegenmedikamente bei einer Knollenblätterpilzvergiftung gibt es nicht, die Aufgabe der stationären Behandlung ist es, die Organe bei der Aufrechterhaltung ihrer Funktionen zu unterstützen, um ein tödliches Organversagen auszuschließen. Überlebt der Patient die Vergiftung, dauert die Genesung etwa eine Woche.
Beispiele für Giftpilze:
Satansröhrling
Pantherpilz
Weißer und Grüner Knollenblätterpilz
Kartoffel- und Eierbovist
Fliegenpilz
die meisten Trichterlinge
Korallenpilze (u. a. die Bauchwehkoralle)
die meisten Schirmlinge und Schleierlinge.
Tipps für das Pilze sammeln
- Pilze nicht einfach pflücken, sondern vorsichtig aus dem Boden drehen. Häufig ist am Fuß des Pilzes die Giftigkeit erkennbar,
- bei Unerfahrenheit möglichst erfahrene Sammler mitnehmen,
- bei Exemplaren, bei denen man sich nicht ganz sicher ist: Diese Pilze getrennt von den anderen aufbewahren (z. B. in einer Brötchentüte) und zuhause in Ruhe bestimmen. Im Zweifelsfall sollten solche Pilze besser aussortiert werden, um Vergiftungen durch Verzehr zu vermeiden. Viele Pilzgifte überstehen die Koch- oder Brathitze unbeschadet.
Ein Bestimmungsbuch ist hilfreich, gerade bei Laien, die über keine oder wenig Erfahrung beim Pilze sammeln verfügen, jedoch nicht zwingend ausreichend.
