
- UNO-Generalsekretär Ban an Weltkulturerbe-Stätte - UN Photo/Eskinder Debebe
International bekannte Stätten des kulturellen und natürlichen Erbes aus der UNO- „World Heritage“-Liste sehen sich großen Belastungen, die vom Klimawandel bis zur Urbanisierung reichen, ausgesetzt. Das veranlasst die Top-Offiziellen der Weltorganisation zu Appellen für eine bessere Pflege des Erbes.
Kürzliche Katastrophen wie die Erdbeben in Haiti und Chile, Hochwasser in Polen oder Pakistan, Feuersbrünste in Russland oder Uganda und Erdrutsche in Peru haben den Bedarf nach einer helfenden Hand der Bildungs-, Wissenschafts- und Kulturorganisation der Vereinten Nationen (UNESCO) bei der Rettung des wertvollen Kulturerbes unterstrichen, so die UNESCO Generaldirektorin auf dem jüngsten Treffen des Komitees für die Weltkultur- und Naturhinterlassenschaften.
“Schäden an der Kultur verletzen auch die menschliche Seele“, sagte Irina Bokova Ende Juli in Brasilia. Als Beispiel führte sie Haiti an, wo das gewaltige Erdbeben vom Januar 2010 schwere Zerstörungen der Stadt Jacmel versursachte, die im späten 17. Jahrhundert gegründet wurde und auf der Landesliste für einen Eintrag als Weltkulturerbe vorgemerkt war.
Kulturelles Erbe sichern und schützen
Ebenso wurde ein Großteil der kulturellen Infrastruktur wie die Kathedrale, der Nationalpalast und das Justizgebäude in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince durch das Desaster schwer beschädigt. Laut Bokova habe die UNESCO „unverzüglich reagiert, um den Schaden zu bewerten und die Behörden in Haiti zu unterstützen, ihr kulturelles Erbe zu sichern“.
Anfang Juli 2010 hielt das von der UNESCO gesponserte Internationale Koordinations-Komitee (ICC) unter Vorsitz von Haitis Kulturministerin Marie-Laurence Jocelyn-Lasseque seine erste Zusammenkunft ab, um die Prioritäten für die Rekonstruktion von Bauwerken, Naturdenkmälern und verwüsteten historischen Stadtzentren festzulegen.
Objektive Ratschläge zur Erhaltung des Weltkulturerbes gefragt
“Genau das erwartet die Weltgemeinschaft zu Recht von UNESCO: erstklassiges unparteiisches technisches Wissen und Anleitung in allen Situationen“, sagte Bokova. So traf sich das Welterbe-Komitee Ende Juli/Anfang August in der brasilianischen Hauptstadt, um 39 mögliche neue Standorte – acht natürliche, 29 kulturelle und zwei kombinierte aus 33 Ländern – zu begutachten und über deren Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes zu beraten.
Die Stätten des Weltkulturerbes werden ausgewählt, weil sie über außergewöhnliche universelle Werte verfügen, wobei die Vereinten Nationen die Verantwortung dafür übernehmen, dass sie zugleich Symbole des Dialogs, des Friedens und der Versöhnung bilden. Gegenwärtig sind in der Liste globaler Werte 890 Anlagen in 148 Staaten mit dieser Anerkennung aufgeführt .
Die UNESCO-Chefin wies auch auf die Fähigkeit des Erbe-Komitees hin, neue Wege zu beschreiten. So könnten die Orte des Weltkulturerbes beispielsweise Testgelände für innovative Schutzmaßnahmen sein, die die Kommunen mit einbeziehen.
Verunreinigung und Massentourismus gefährden Kulturstätten
Während seiner diesjährigen Zusammenkunft prüfte das Komitee, das aus Repräsentanten von 21 Unterzeichnerstaaten der Weltkulturerbe-Konvention besteht, den Konservierungsstatus von 147 Objekten, von denen 31 auf der Liste der gefährdeten Anlagen stehen. Diese Liste enthält Gelände, die durch Probleme wie Verunreinigung, städtischer Entwicklung, schlecht organisierten Massentourismus, Kriege und Naturkatastrophen gefährdet sind.
Schließlich widmete sich das Komitee auch 36 Kultur- oder Naturdenkmälern, die ernsthafte Bedenken bereiten. Erst im vergangenen Jahr hatte die UNESCO das Dresdner Elbtal aus der Liste des Weltkulturerbes gestrichen, weil der Bau einer vierspurigen Brücke die Kulturlandschaft zerschneidet. Das gleiche Schicksal widerfuhr einem Schutzgebiet für die arabische Säbelantilope in Oman, da das Land seinen Konservierungspflichten nicht nachkam.
Wassersystem im Oberharz zum Weltkulturerbe hinzugefügt
Neu in die Liste aufgenommen wurde hingegen in diesem Jahr das Wassermanagement-System eines früheren Bergbaugebietes im Oberharz südlich der Rammelsberg-Silberminen und der Stadt Goslar, das als Oberharzer Wasserregal bekannt ist. Die Anlage wurde über einen Zeitraum von 800 Jahren hinweg entwickelt, um das Erz von Nichteisen-Metallen zu extrahieren. Seine Konstruktion hatten im Mittelalter Zistersienser-Mönche begonnen, die danach in großem Umfang vom Ende des 16. bis zum 19. Jahrhundert fortgesetzt wurde. Das komplexe und perfekt abgestimmte System umfasst künstliche Staubecken, kleine Kanäle, Tunnel und unterirdische Abflüsse.
