Robert Burns - ein Jakobit?

Der bekannte schottische Dichter hegte große Sympathien für die politische Strömung der Jakobiten. Zwei seiner Gedichte zum exemplarischen Beweis.

Burns, der zur ersten Generation der Romantiker gezählt werden kann, wuchs auf einem Bauernhof in Südwestschottland auf. Er hatte einen revolutionären Geist und verhalf der schottischen Lyrik auch in England zu neuem Ansehen. Vielfach handelt es sich bei seinen Werken um Liebeslyrik und -lieder, die von Engagement und Leidenschaftlichkeit beherrscht sind. In einige seiner Lieder, wie beispielsweise My Heart is in the Highlands oder das sehr bekannte Auld Lang Syne, sind Elemente aus Volksliedern eingeflossen. Burns galt, aufgrund seiner eigenen Herkunft und der Tatsache, dass er viele seiner Werke im mundartlichen „Scots“ verfasste, als Dichter des Volkes. Obwohl Burns als Anhänger des Jakobitismus gelten kann, so hat er doch wohl nie wirklich mit einer Restauration der Stuarts auf den britischen Thron gerechnet. Insgesamt schrieb oder adaptierte er über dreißig Lieder, die mehr oder minder stark mit der Sache der Jakobiten zusammenhingen. Burns, der quasi eigenständig das unabhängige Genre des „Jacobite Song“ entwickelt und populär gemacht hat, kreierte einen Mythos, und war sich dessen sehr wohl bewusst. Er schuf diesen Mythos, in dem er half, die jakobitische Realität in eine heroische Legende zu verwandeln.

The Bonie Lass of Albanie

In dem Gedicht The Bonie Lass of Albanie thematisiert Burns das einzige bekannte - illegitime - Kind Charles Edward Stuarts, Charlotte. Dieses Gedicht ist eine weitere Manifestation der Obsession mit der jakobitischen Sache, von der sich Burns nie ganz hatte befreien können. Charlotte, die nur um einige Jahre älter war als Burns selbst, wurde rückwirkend 1784 durch das französische Parlament legitimiert und mit dem Titel der Duchess of Albany versehen. Der vermutliche Entstehungszeitraum des Gedichtes ist wohl zwischen dem Tod Prince Charles 1788 und dem Tod Charlottes kaum zwei Jahre später anzuordnen. Es beschreibt die Einsetzung Charlottes als Thronerbin. Im vierten Vers beschreibt Burns diese Idee mit den Worten: „We’ll send him o´er to his native shore, And bring our ain sweet Albanie”. Mit “him” meint er George Augustus Frederick, den ältesten Sohn des regierenden Monarchen George III. Burns störte sich hierbei weder an der Tatsache, dass er den eigentlichen Kronprinzen so überging, noch daran, das Charlotte der römisch-katholischen Kirche angehörte und aus diesem Grund den britischen Thron gar nicht hätte besteigen können. Des Weiteren überging Burns geflissentlich, dass Charlotte ihrem im Zölibat lebenden Geliebten, dem Erzbischof von Bordeaux, drei uneheliche Kinder geboren hatte. Doch erkannte der Dichter sehr wohl, dass die jakobitsche Sache ein für alle mal verloren war und nur noch Erinnerungen zurückließ, die als Inspiration für Lieder und Gedichte dienen konnten. Und so dürfen die Aufforderungen dieses Werkes keinesfalls wörtliche verstanden werden. Im sechsten Vers zeigt es sich dann deutlich, dass der „Jacobite Cause“ zwar de facto ein Ende gefunden hat, in den Köpfen und Herzen der Stuartanhänger jedoch weiter lebt. Denn dort heißt es:

“We’ll daily pray, we’ll nightly pray,

On bended knees most fervently,

That the time may come, with pipe and drum

We’ll welcome hame fair Albanie.”

The Lovely Lass of Inverness

In dem Gedicht The Lovely Lass of Inverness thematisiert Burns die Schlacht von Culloden. Im zweiten Vers heißt es da:

“Drummossie moor, Drummossie day –

A weafu` day it was to me!

For there I lost my father dear,

My father dear and brethren three.”

Eine junge Frau, die “Lovely Lass of Inverness”, beschreibt hier den Verlust ihres Vaters und ihrer drei Brüder auf dem Schlachtfeld von Culloden. Im vierten Vers macht sie den Duke of Cumberland für das ihr widerfahrene Elend verantwortlich:

“Now wae to thee, thou cruel lord,

A bluidy man I trow thou be,

For monie a heart thou hast made sair

That ne´er did wrang to thine or thee!”

Die junge Frau beschuldigt den Duke, Menschen ins Unglück gestürzt zu haben, die ihm und den seinen niemals ein Leid zugefügt hätten. Hierbei bezieht sie sich auf die Zeit nach Culloden, in der auch an dem Aufstand Unbeteiligte vor den Männern Cumberlands nicht sicher waren. Mit Werken wie diesen stellte Burns sicher, dass zum einen die Jakobiten nicht in Vergessenheit geriet, zum anderen aber auch, dass sie in der Nachwelt die Rolle erhielten, die er ihnen zugedacht hatte: die der zu Unrecht leidenden, heldenhaften Opfer.

Katrin Jahn, Katrin Jahn

Katrin Jahn - Katrin Jahn, Jahrgang 1984, lebt in Hagen (Westfalen). 2009 erlangte sie den akademischen Grad eines Bachelors der Anglistik/Amerikanistik ...

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