
- Robert Downey Jr. Promo-Foto für Sherlock Holmes - Michael Muller
Man hätte ihn schon abschreiben können: In den neunziger Jahren fiel Robert Downey Jr. mehr durch seine Drogensucht und seine Auftritte vor Gericht als durch gute Rollen auf der Leinwand auf. Insgesamt 16 Monate saß der talentierte Mime hinter Gittern. 2003 schaffte der Schauspieler den Absprung aus seiner Drogenhölle, verliebte sich neu, heiratete und fasste wieder Fuß in der Filmwelt. Wer ihn heute sieht kann kaum glauben, wie ernst es um ihn stand, so ausgeglichen und vibrierend lebendig wie er ist. Mit „Iron Man“ und „Sherlock Holmes“ eroberte er das Mainstream-Action-Kino für sich und zeigte sich stark, gefasst und selbstironisch. Zeit, sich Downeys Karriere einmal genauer anzusehen.
Robert Downeys frühe Jahre
Geboren am 4. April 1965 als Sohn des unabhängigen Filmemachers Robert Downey Sr. (geboren Robert Elias) übernahm Robert Downey Jr. im Film „Pound“ unter der Regie seines Vaters im Alter von fünf Jahren seine erste Rolle. Später gehörte er zum sogenannten „Brat Pack“, einer Reihe junger aufstrebender Kinostars, die die Kasse klingeln ließen und die jugendliche Hauptdarsteller in Filmen etablierten. Neben Sarah Jessica Parker spielte er eine Rolle in John Hughes' Film „L.I.S.A – der helle Wahnsinn“. Die beiden wurden auch außerhalb des Films ein Paar.
Weit aufregender als sein Part in „L.I.S.A“ war 1987 sein Porträt des drogenabhängigen Julian in „Unter Null“, der Verfilmung von Bret Easton Ellis' („American Psycho“) Roman. Zu jenem Zeitpunkt war Downey selbst den Drogen schon nicht abgeneigt, was in Zukunft zu immer verheerenderen Folgen führen sollte. In einem Interview mit James Lipton („Inside the Actor's Studio“) gab Downey an, seinen ersten Joint im Alter von acht Jahren von seinem Vater erhalten zu haben. Sein darstellerisches Talent stellt die Darbietungen seiner Kollegen (Andrew McCarthy, Jamie Gertz, James Spader) dennoch in den Schatten.
Neben seiner Gabe für das dramatische Fach ist Downey jedoch auch ein sehr guter Komödiant, wie er in Filmen wie „Ein himmlischer Liebhaber“ (1989, mit Cybil Shepherd) und vor allem „Lieblingsfeinde – eine Seifenoper“ (1991, mit Sally Field und Kevin Kline) bewies. Sein Talent war nicht zu übersehen, doch der große Durchbruch kam für den 1,75 Meter großen Schauspieler 1992 mit Richard Attenboroughs Bio-Pic „Chaplin“, in welchem Robert Downey Jr. sein ganzes Können unter Beweis stellen konnte.
Charlie Chaplin, Oscar-Nominierung und die Durststrecke
Die Verkörperung des wohl größten Filmemachers aus den Anfangszeiten des Kinos war eine Herausforderung für Robert Downey Jr. und ließ ihn über sich hinauswachsen. Er imitiert die Körpersprache von Chaplins Tramp perfekt. Er überzeugte derart, dass er für einen Academy Award nominiert wurde. Leider musste er sich Al Pacino für „Der Duft der Frauen“ geschlagen geben.
Die Folgejahre auf „Chaplin" waren geprägt von Downeys oftmals schlechter Rollenauswahl und wachsenden Problemen aufgrund des Drogenmissbrauchs. Er war zwar in guten oder kontroversen Filmen wie „Short Cuts", „Natural Born Killers“, „Two Girls and a Guy“ oder „Wonder Boys“ zu sehen, aber auch in zweitklassigen Werken wie „Danger Zone“ oder „Black & White“. Seine Drogensucht und die damit verbundenen Aussetzer und Gerichtsverfahren machten Robert Downey Jr. zu einem Versicherungsrisiko. 1999 verbrachte er fast ein Jahr im Gefängnis. Hiernach begannen die Dreharbeiten für die an sinkenden Einschaltquoten leidende Serie „Ally McBeal“, die mit (Golden Globe prämierten) Auftritten von Downey neuen Wind bekam. Da Downey während der Produktion allerdings erneut mit dem Gesetz in Konflikt kam, wurde er gefeuert und aus der Serie geschrieben. Zu jener Zeit fast am Nullpunkt angekommen unterzieht sich Robert Downey Jr. einem Drogenentzug.
Robert Downey Jr. erobert das Mainstream-Kino
Sein erster Job nach der Entziehungskur ist lippensynchron Elton Johns „I Want Love“ in dessen Video zu singen. Ein wunderschöner Clip mit einem überzeugenden Robert Downey Jr. Sein Freund Mel Gibson verschaffte ihm die Möglichkeit in der musikalischen Komödie „The singing detective“ zu spielen und er überzeugte auch dort. Stück für Stück eroberte sich Downey die große Leinwand zurück. Am Set von „Gothika“ lernte er die Produzentin Susan Levin kennen und heiratet sie. Sie scheint ein wichtiger Teil seiner Rehabilitation zu sein. Von der Krimikomödie „Kiss Kiss Bang Bang“, dem visuell neuartigem „A Scanner Darkly“, über David Finchers Thriller „Zodiac" bis zu den Kassenknüllern „Iron Man" und „Sherlock Holmes“, zeigt sich immer mehr das Potential von Robert Downey. Seine ihm eigene Ironie, die durch seine Figuren immer durchscheint, ist seiner Vergangenheit geschuldet und verleiht seinen Leinwand-Personas eine ganz eigenen Charakter.
2010 kommt der zweite Teil von „Iron Man“ ins Kino und auf einen zweiten „Sherlock Holmes“ können wir uns auch einstellen. Was danach kommt? Was ist bei Robert Downey Jr. schon vorhersehbar außer sein Talent?
