
- Robert Ludlum/Robert Cobb: Der Arktis-Plan - Heyne Verlag
In der kanadischen Arktis finden Wissenschaftler das Flugzeugwrack eines alten Russenbombers. Nur eine Handvoll Menschen weiß, dass dieses Wrack eine heute noch hochgiftige Waffe an Bord hat – Anthrax-Bomben aus dem Jahr 1953, der Zeit des Kalten Krieges zwischen Ost und West. Mit den mehr als zwei Tonnen Gift kann man ganze Länder und Millionen von Menschen verseuchen.
Der Arktis-Plan – Agent Jon Smith und sein Team am Polarkreis
Colonel Jon Smith von der geheimen Organisation Covert One wird vom amerikanischen Präsidenten persönlich beauftragt, die Fundstelle abzusichern und die Biowaffe zu entschärfen. Zusammen mit seinem Spezialistenteam begibt er sich auf die abgelegene, unwirtliche Insel Wednesday Island im ewigen Eis.
Doch die Geheimagenten mit wissenschaftlicher Ausbildung sind beim Eintreffen auf dem Eiland nicht alleine – Luftstreitkräfte der US-Armee, ein Killerkommando des russischen Militärs, eine Gruppe arroganter Wissenschaftler mit ganz eigenen Interessen und ein skrupelloser slawischer Waffenhändler mit seiner Mörderbande geben sich auf der Insel aus Eishängen und Polarstürmen ein Stelldichein im Kampf um das Anthrax – und müssen sich auch den tödlichen Befehlen der westlichen und östlichen Großmächte widersetzen.
Das Covert One Team im Kampf gegen Militärs und Waffenhändler
Der Arzt, Wissenschaftler und Armee-Colonel Jon Smith ist der aktuelle Held des amerikanischen Thrillerautoren Robert Ludlum. Als Topagent der Geheimbehörde Covert One mit dem allmächtigen Oberboss Fred Klein wird das Team in seinem siebten Abenteurer wieder auf die Spur fataler wissenschaftlicher Entwicklungen angesetzt.
Nach Pockenviren, todbringenden Chemikalien und bedrohlichen DNA-Technologien ist es diesmal eine Biowaffe ungeahnten Ausmaßes aus dem Kalten Krieg, die nochmals 20 Jahre nach der Wende und dem Mauerfall einen Kleinkrieg zwischen den beiden Großmächten herauf beschwört.
Der Arktis-Plan – ein Wissenschaftsthriller von Robert Ludlum
Der Polit- und Wissenschaftssthriller "Der Arktis-Plan" nimmt seine Spannung und Charaktere aus eben dieser geschichtlichen Epoche und lässt nochmals alte Gegner gegenüber stehen. Und das ist neben einigen grandiosen Kampf- und Actionszenen der große Pluspunkt dieses Romans, der fast ausschließlich auf einem eingeschneiten, unwirtlichen Terrain handelt.
Bis auf kleine Nebenhandlungen im Balkan, in den USA und auf diversen arktischen Vorposten und Armeestützpunkten spielen 90% des Thrillers auf der Insel, die nur einen Landeplatz, einen wissenschaftlichen Stützpunkt und jede Menge Eisgebirge besitzt.
Überlebenskampf im ewigen Eis auf Wednesday Island
Und das ist gleichzeitig das Manko der über 500 Seiten starken Handlung, dass sich die Protagonisten ständig unter Extrembedingungen im Kampf ums nackte Überleben befinden. Keine Jagd über mehrere Kontinente und durch exotische Länder, keine Subplots im sonnigen Süden und vertrackten Handlungsstränge, wie man es von Ludlum kennt.
"Der Arktis-Plan" nimmt stringent seinen Verlauf auf das todbringende Duell zwischen den unterschiedlichen Parteien, in deren Mitte sich Jon Smith und seine drei Mitstreiter befinden – der russische Major Smyslov, die Kampfpilotin Randi Russell und die Professorin und Waffenexpertin Dr. Valentina Metrace.
"Der Arktis-Plan" - harte Männer und starke Frauen am Polarkreis
Leider bleibt die Person Smiths diesmal arg blass und nur ein ehrenhafter, aufrechter Kämpfer für Recht und Ordnung, ebenso wie sein zwiegespaltener russischer Gegenpart Smyslov, der sich zwischen der Loyalität zu seinem Team und seinem Heimatland entscheiden muss.
Deutlich vielschichtiger und interessanter sind die beiden Frauenrollen gestaltet. Randi Russell, die Schwester von Smiths getöteter Geliebter Sophia, ist zwischen ihren Gefühlen hin- und her gerissen, muss die härtesten Bewährungsproben im Team überstehen und entpuppt sich als eiskalte Profikillerin. Ebenso Valentina Metrace, die dazu noch eine geballte Brise Erotik, Zynismus, schwarzen Humor und coole Sprüche besitzt sowie großartige Kenntnisse in Jagdmessern und Wurfgeschossen.
Jon Smith – der Gegenentwurf zu Jason Bourne
Metraces unkonventionelle Art und ihre ständigen Annäherungsversuche an Smith bringen etwas Auflockerung in die actiongeladene Handlung – und eine Szene mit den beiden splitterfasernackten Frauen in einem Kälteschutzschlafsack ist der Brüller. Ansonsten nimmt der Roman gerade in den letzten 100 Seiten an Fahrt auf und lässt es auf der eiskalten Insel gewaltig krachen.
Jon Smith ist kein gebrochener und undurchschaubarer Psychoheld wie Ludlums letzte Agenten Ambler ("Die Ambler-Warnung"), Belknap ("Die Bancroft-Strategie") oder gar wie sein erfolgreichster Serienheld Jason Bourne, die sich ständig alleine gegen unbekannte Gegner und Verschwörer in den eigenen Reihen wehren müssen. Dagegen ist er ein straightes, patriotisches Arbeitstier und Würdenträger, der eher an die glanzvollen Helden von Tom Clancy und Colin Forbes erinnert.
Robert Ludlums Covert-One-Reihe – Wissenschaft und Action
Dadurch ist Smith charakterlich zwar weniger faszinierend als die anderen Agenten Ludlums, aber dafür bietet die Covert-One-Reihe mehr Platz für Teamwork-Dynamik, für komplexe politische Strukturen und für wissenschaftliche und technische Hintergründe. In dieser Hinsicht ist diese Reihe, ähnlich wie Clancys "Netforce"-Romane, eine perfekte Verbindung aus Action-, Polit-, Militär- und Wissenschaftsthriller, bei dem Anhänger dieser Subgenres gut aufgehoben sind.
Das Ludlum-Vermächtnis – James Cobb auf den Spuren des Erfolgsautoren
Der amerikanische Thrillerautor Robert Ludlum (1927 – 2001) "schreibt" bis heute neue Romane – d.h. seine Nachlassverwalter bringen jedes Jahr eins bis zwei neue Romane auf den Markt. Seit dem Tod des Autoren sind das entweder bereits fertig gestellte Originalwerke oder neue Werke anderer Autoren wie Eric van Lustbader, Patrick Larkin, Gayle Lynds oder Philip Shelby, die zum Teil Entwürfe und Ideen Ludlums weiterentwickeln oder neu schreiben.
An „Der Arktis-Plan“ hat sich der Militärexperte, Ex-Marine und Autor James Cobb erstmals als Nachfolgeautor des Ludlum-Vermächtnisses versucht – und das mit einem lesenswerten und vielversprechenden Debütroman.
Robert Ludlum (mit James Cobb): Der Arktis-Plan. Heyne 2009. Broschiert, 528 Seiten. 9,95 Euro.
