Er gehörte zu den Typen, die immer irgendwie unrasiert wirkten. Selbstverständlich wählte er sein Rasierwasser gerade deshalb mit besonderer Sorgfalt aus, um – mit hochgezogenen Brauen, wie um sein Spiegelbild zu verspotten – ein paar Tropfen lässig ins verknautschte Antlitz zu spritzen.

Manche Männer sehen im Smoking so elegant aus wie Schaufensterpuppen. Er dagegen bewegte sich darin so lässig wie andere in Jeans. Er war ausgesprochen cool, aber nicht kühl – zumindest nicht in Gegenwart interessanter weiblicher Gesellschaft.

Das Gegenteil von einem gelackten Charmeur, einem lästig-besorgten Liebhaber, einem nervtötenden Schwätzer, einem modischen Salonlöwen – kurz, das Gegenteil von all dem, womit manche Männer sich Erfolge bei Frauen versprachen, war Robert Charles Duram Mitchum, der am 6. August 1917 in Bridgeport, Connecticut, geboren wurde und fast genau 80 Jahre später, am 1. Juli 1997, im kalifornischen Santa Barbara gestorben ist.

Einsame Wölfe, böse Buben

57 Jahre lang war der Mime mit derselben Frau verheiratet, seiner Jugendliebe Dorothy, mit ihr hatte er zwei Söhne – und in mehr als 100 Filmen hat er mitgewirkt in seiner Karriere, die ein halbes Jahrhundert dauerte und so richtig ins Laufen kam, als er 1945 für seine Darstellung des Lieutenant Walker in dem Kriegsfilm "Schlachtgewitter am Monte Cassino" für einen Oscar in der Kategorie "Beste Nebenrolle" nominiert worden war.

Sein markantes Gesicht schien prädestiniert für einsame Wölfe, harte Cowboys, todesmutige Soldaten, böse Buben. Als solcher glänzte er 1962 in "Ein Köder für die Bestie", wo er als ehemaliger Häftling die Familie des Anwalts (Gregory Peck), der ihn hinter Gitter geschickt hat, als Geiseln nimmt. "Cape Fear" ist einer der besten Filme Mitchums überhaupt, ein Klassiker des amerikanischen Psycho-Thrillers, in dem die Spannung bis zur letzten Minute gehalten wird. Martin Scorsese hat 1991 ein Remake gedreht. Darin haben die beiden ehemaligen Gegenspieler übrigens einen Gastauftritt: Peck ist seiner Anwaltsrolle treu geblieben, während Mitchum einen Polizisten verkörpert.

Kurze Karriere als Berufsboxer

Aber auch behutsame, leise, psychologisierende Rollen ("Undercurrent" mit Katharine Hepburn und Robert Taylor 1946) und romantische Liebhaber ("Vor Hausfreunden wird gewarnt" mit Deborah Kerr und Cary Grant 1960) hat er im Repertoire. Schließlich bewies er auch noch sein Talent als Sänger und Gitarrenspieler in "Rachel and the Stranger" an der Seite von Loretta Young und William Holden (1948).

Schließlich hatte er es auch noch mit Humphrey Bogart aufgenommen. Aber da hatte er sich ein bisschen die Finger verbrannt. Als Philip Marlowe versuchte er 1975 in "Fahr zur Hölle, Liebling" Bogey den Erfolg streitig zu machen; 1977 wirkte er dann in einer Neuauflage von "Tote schlafen besser" mit. Fazit: Bogart ist besser!

Statist bei Laurel & Hardy

Eine bewegte Jugend lag hinter Mitchum, als er, zu Beginn der 1940er Jahre, erstmals auf der Leinwand erschien. Eine Schule weigerte sich, ihn wegen unziemlichen Verhaltens zu unterrichten, eine andere weigerte er sich zu besuchen. Im Alter von 14 Jahren schnürte er sein Bündel und ging "on the road". Er verdingte sich als Bergmann in Pennsylvania, scheiterte als Berufsboxer, wurde auch mal – da war er gerade sechzehn – verhaftet und konnte, dank seiner Schwester Julie, erste Kontakte zum Theater knüpfen.

Statistenrollen, größere Rollen in B-Pictures – auch ein Part in einem Laurel & Hardy-Film – sorgten fürs lebensnotwendige Kleingeld, bis er 1945 in "The Story of G. I. Joe", wie "Schlachtgewitter am Monte Cassino" im Original heißt, auf einmal einen Namen hatte.

Über die meisten seiner alten Filme machte er sich am Ende seines Lebens keine Illusionen. "Manchmal sehe ich einen im Fernsehen. Sie sind nicht schlecht, ich brauche mich deswegen nicht zu schämen. Aber es sind auch keine großen Würfe - nichts, nach dem man sich die Finger lecken würde."

Zumindest hat Robert Mitchum in ihnen das befolgt, was, wie er glaubte, den Erfolg seiner Laufbahn ausgemacht hat: "Lern deinen Text und lauf nicht gegen die Möbel."