
- Ausschnitt aus Parkers Punkteliste - Robert Parker
Robert Parker wurde am 23. Juli 1947 in Baltimore, Maryland, USA geboren. Er kommt nicht etwa aus dem Winzerbereich, wie man vermuten könnte, sondern ist Anwalt. Er bezeichnet sich selbst als Weinliebhaber, als Weinenthusiast. Seine Biografie ist eine Geschichte des kreativen Marketings.
Er hielt Anfang der 80er Jahre in seinen Berufskreisen Vorträge über Wein und veröffentlichte entsprechende Artikel. Dabei galt und gilt seine Vorliebe eindeutig den französischen Weinen, vor allem dem Bordeaux, wie überhaupt für Amerikaner ein guter Wein nahezu mit Wein aus Frankreich gleichgesetzt wurde und immer noch wird. Sein kometenhafter Aufstieg als Weinkritiker begann 1983, als unter Journalisten diskutiert wurde, ob das vergangene Jahr 1982 ein gutes, ein großes Weinjahr gewesen sei aufgrund eines sehr heißen Sommers, der zwar schwere Bordeauxweinen hervor gebracht habe, die aber nicht lange zu lagern seien. Parker jedoch rühmte diesen Wein und erreichte, dass die Amerikaner nahezu gierig diesen Wein kauften, wobei ihnen ein starker Dollarkurs bei wachsender Wirtschaft auch entgegen kam. Zur selben Zeit erfand Parker sein Punktesystem zwischen 50 und 100 Punkten.
Das berühmte Punktesystem
Sein System beginnt
- mit 50 bis 59 Punkten, die kein Kompliment, sondern ein vernichtendes Urteil darstellen mit dem Etikett „appalling“ , was so viel wie entsetzlich bedeutet.
- 60 bis 69 Punkte bedeutet bei ihm immer noch unterdurchschnittlich,
- 70 bis 79 Punkte dann durchschnittlich.
- Erst ab 80 bis 89 Punkten darf sich ein Wein überdurchschnittlich bis exzellent nennen,
- 90 bis 95 Punkte bezeichnen einen außerordentlichen, hervorragenden Wein nach seinem Urteil,
- 96-100 außergewöhnlich, "erstaunlich", im englischen als extraordinary gekennzeichnet.
Diese Wertung veröffentlicht Robert Parker nicht nur auf seiner Homepage, sondern auch in seiner eigenen Publikation „The Wine Advocate.“ Er macht damit Weine, die über 90 Punkte erreichen, über Nacht berühmt, ebenso wie die dazugehörige Weinkellerei.
Natürlich ruft eine solche Rankingliste immer auch Kritiker auf den Plan. Parker wird vorgeworfen, zu sehr Bordeaux-Weine, ausgereift in Holzfässern aus amerikanischer Eiche, zu bevorzugen. Ebenso wurde ihm auch schon unterstellt, sich beeinflussen zu lassen von Winzern, um sie hoch zu bewerten. Das geschah vor allen Dingen, als er Weine aus dem Languedoc plötzlich hoch lobte, einer Anbaugegend, die nun wirklich nicht zu den besten Frankreichs gehört. Andere Weinkritiker wie etwa der Engländer Hugh Johnson, geben Weinen, die Parker mit 100 Punkten bewertet, allenfalls 90. Ein Beispiel dafür ist der 1993er Pesquera aus Spanien.
Der Fluch hoch bewerteter Parker-Weine
Doch auch die Weinbauern selbst sind oft gar nicht begeistert, wenn einer ihrer Weine so hoch gepuscht wird: Der besagte Pesquera, ein Gran Reserva, schnellte daraufhin auf einen Preis von über 500 Euro pro Flasche hoch und wurde komplett vom amerikanischen Markt aufgekauft. Damit kommen andere Weinliebhaber und Weinsammler gar nicht mehr an diesen Wein heran und sind frustriert. Abgesehen davon, dass plötzlich andere, ebenfalls gute Weine des Jahrgangs aus derselben Kellerei, überhaupt nicht mehr gefragt sind und der Winzer darauf sitzen bleibt. Das kann zu großen finanziellen Schwierigkeiten des Unternehmens führen. Der horrende Peisanstieg der Topweine Frankreichs ist auch mit die Schuld Robert Parkers, auch, wenn er viel für die Weiterbildung des Amerikaners auf dem Gebiet des europäischen Weines getan hat.
Aber das ist wie mit den Bücher-Bestsellerlisten von beispielsweise einem deutschen Nachrichtenmagazin: Es gibt eine große Zahl von Kunden, die mit dieser Liste in den Laden geht und nur die darauf stehenden Titel kauft. Das geht oft am Markt vorbei. Der Kenner spanischer Weine zum Beispiel, zieht zu einem mediterranen Essen heute einen guten Crianza vor, also zwei Stufen darunter und bleibt damit, ganz ohne Parkerpunkte, sich nur auf seinen Geschmack verlassend, in einer angenehmen Preisklasse.
