Robert Pucher: "Rattenfalle"

Ein weiterer Kriminalroman des Enfant terrible der Wiener Krimiszene

Im Kriminalroman „Rattenfalle" entführt Robert Pucher den Leser in die absonderlichen Gedankenwelten seiner Figuren. Alles aufbereitet mit schwärzestem Humor.

In Puchers fulminantem Kriminalstück „Rattenfalle“, das überall auf dieser Welt spielen könnte, aber in Wien angesiedelt ist, erhalten alle Figuren ihre Bühne. Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven erzählt und zieht den Leser in die zumeist schrägen Gedankenwelten der verschiedenen Akteure. Spätestens dann wird klar, warum der Autor als Enfant terrible der Wiener Krimiszene bezeichnet wird, wenngleich er sich selbst von derlei Vergleichen distanziert.

Pechschwarzer Humor

„Die Personen in meinen Büchern sind wie sie in Wirklichkeit auch sind. Na ja, fast. In der Realität haben die Leute halt Hemmungen, die Sau rauszulassen und der Blödheit werden durch die Gesellschaft gewisse Grenzen gesetzt, die in meinen Büchern wegfallen“, erzählt Robert Pucher, Jahrgang 1964, Kriminalschriftsteller mit einem Faible für eigenartige Charaktere, die wenig Hemmungen zeigen, ihre Abgründe auszuleben.

Nichts für zartbesaitete Leser

Doch wenn zartbesaitete Leser meinen, dass sie in „Rattenfalle“ blutrünstige Kriminalfälle erwarten, dann weit gefehlt. Es mag vorkommen, dass – im wahrsten Sinne des Wortes – Personen kopflos durch einen Hof laufen, oder durch den Einsatz einer Pfanne außer Gefecht gesetzt werden, doch der Irrsinn sitzt viel tiefer. Puchers Humor ist pechschwarz und überschreitet alle Grenzen. Was dem einen Leser pausenlos die Lachtränen in die Augen treiben wird, wird andere mit fortlaufender Lektüre an jeder Normalität zweifeln lassen.

Schräge Gedankenwelten

So schlüpft der Leser etwa in die nicht gerade hell erleuchtete Gedankenwelt von Bezirksinspektor Kurt Doppler, der laufend versucht, den völligen Mangel an kriminalistischem Scharfsinn durch ein Übermaß an Grobschlächtigkeit auszugleichen. Doppler wird die Aufklärung eines Entführungsfalles übertragen, weil seine Chefin, die forsche Simone Reichenbach mit Hang zu Sado-Maso-Spielen, sich trotzdem oder gerade deswegen endlich einen Ehemann angeln konnte, mit dem sie in die Flitterwochen entschwindet. Alles liegt weit hinter ihr, das Referat 1 der Wiener Kriminaldirektion und auch die Sorge um ihren Bruder Daniel.

Daniel Reichenbach, von Robert Pucher im ersten Krimi „Katerfrühstück“ in die Psychiatrische Anstalt gebracht, wird als geheilt entlassen und möchte sich sofort wieder seiner Berufung, dem Schreiben, widmen. Doch daraus wird nichts, vielmehr wird er zum Verdächtigen im Entführungs- und Mordfall des Brauereibesitzers Jonas Ippstein und stolpert so von einem Desaster ins nächste. Die Ereignisse überschlagen sich, und schließlich landet er in einer stillgelegten Sargfabrik, in der eine Neonazigruppe ein Manöver abhält.

Dann sind da noch einige weibliche Randfiguren, das Einsatzkommando Cobra, der Obmann der „Bürgerwehr gegen Drogen, Kriminalität und Kulturschande“ Wosczynski und jede Menge anderer irrwitziger Gestalten. Nicht zu vergessen: Jochen, die Ratte.

Kritischer Kriminalschriftsteller

„Die Ideen kommen zu mir. Vorzugsweise mitten in der Nacht. Wenn ich ein Buch zu schreiben beginne, ist es theoretisch schon fertig. Da habe ich bereits Szene für Szene skizziert. Habe ich die Geschichte einmal durchgeschrieben, folgt eine lange Überarbeitungsphase. Ich gebe zu, ich bin ein pingeliger Mensch und vermutlich mein schärfster Kritiker“, so Robert Pucher, der zwanzig Jahre lang als grundsolider Angestellter in der Privatwirtschaft tätig war, ehe er sich erfolgreich dem Krimischreiben widmete.

2006 erschien sein Erstling „Katerfrühstück“, Ende 2007 „Rattenfalle“, beide erschienen im Prolibris Verlag, Kassel. Derzeit recherchiert er für seinen nächsten Roman eifrig über das Verhalten von Reptilien beim Brutgeschäft.

Robert Pucher: Rattenfalle. Prolibris 2007. Taschenbuch, 240 Seiten. Euro 12,40.

Weitere Krimitipps auf Suite101: Gianrico Carofiglio, Tödliche SMS; Der Duft des Kaffees.

Ilona Mayer-Zach, Sabine Windsor

Ilona Mayer-Zach - Geboren in Graz, Wahlwienerin. Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften; Medienkundlicher ...

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