Robert Schumann in Bonn

2010 wird der 200. Geburtstag des Komponisten gefeiert

Das Grabmal von Robert und Clara Schumann in Bonn - Tatjana Alisch
Das Grabmal von Robert und Clara Schumann in Bonn - Tatjana Alisch
Die letzten zweieinhalb Jahre seines Lebens verbrachte der Komponist Robert Schumann (1810-1856) in Bonn, das Schumann-Haus legt davon ein eindrucksvolles Zeugnis ab.

Bonn ist nicht nur die Geburtsstadt Ludwig van Beethovens. Ein weiterer großer Musiker, Robert Schumann, dessen Geburtstag sich 2010 zum 200. Mal jährt, verbrachte hier die letzten Jahre seines Lebens.

Robert Schumann: Sein Leben

Robert Schumann wurde am 8.Juni 1810 in Zwickau als Sohn einer wohlhabenden Buchhändlerfamilie geboren. Sein musikalisches Talent wurde schon früh erkannt und gefördert, dennoch begann er zunächst ein Jurastudium, das ihn nach Leipzig und Heidelberg führte. 1830 jedoch kehrte er nach Leipzig zurück, um bei Friedrich Wieck Komposition und Klavier zu studieren. Aufgrund einer selbst herbeigeführten Überbeanspruchung seiner rechten Hand musste er die Hoffnung auf eine Pianistenlaufbahn jedoch begraben. 1840 heiratete er Clara Wieck, die Tochter seines Lehrers, die in ganz Europa als Pianistin berühmt war.

Beruflich wechselten sich bei Robert Schumann Erfolge und Rückschläge ab, doch fiel seine schaffensreichste Zeit in die Zeit seiner Ehe mit Clara, mit der er acht Kinder hatte. 1850 zog die Familie nach Düsseldorf, wo Schumann eine feste Anstellung als Städtischer Musikdirektor erhalten hatte und begeistert empfangen wurde.

Die letzten Jahre

Die anfängliche Begeisterung über die neue Stellung verflog jedoch bald, da sich Schumanns Arbeitsauffassung und die rheinische Frohnatur seiner Orchester- und Chormitglieder nur schwer miteinander in Einklang bringen ließen. Frustration und Enttäuschung machten sich bei Schumann breit, der glaubte, nicht ernst genommen zu werden. Kommunikationsprobleme taten ihr Übriges, den manisch-depressiven Anlagen Schumanns den Boden zu bereiten.

Die ersten Anzeichen seiner späteren schweren Erkrankung hatten sich bereits 1846 gezeigt, als Robert Schumann eine längere gesundheitliche Krise durchlebte, während der es ihm unmöglich war zu komponieren.

Anfang 1954 steigerten sich die Krankheitsanzeichen schlagartig. Zu den Depressionen kamen Gehörhalluzinationen, die ihn Tag und Nacht quälten. Als Schumann im Februar 1854 versuchte, sich durch einen Sprung in den Rhein das Leben zu nehmen, wurde er ganz unter ärztliche Aufsicht gestellt. Die Ärzte entschlossen sich dazu, ihn in die renommierte Nervenheilanstalt von Dr. Franz Richarz in Endenich bei Bonn zu überstellen, da Richarz dafür bekannt war, in seiner Anstalt auf die sonst üblichen demütigenden Behandlungsmethoden von Geisteskranken zu verzichten. Am 4. März 1854 wurde Robert Schumann nach Endenich gebracht, wo er bis zu seinem Tod am 29.Juli 1856 zwei Zimmer im ersten Obergeschoss des Haupthauses bewohnte.

Lange Zeit war man sich über die tatsächliche Form von Robert Schumanns Nervenleiden im Unklaren, doch 1994 stieß man überraschend auf seine Krankenprotokolle. Die Schwere seiner Erkrankung, die am ehesten als fortgeschrittene Paralyse einzuordnen ist, erklärt nun auch die Maßnahme des Arztes, seine Frau bis kurz vor Schumanns Tod von ihm fernzuhalten. Erst zwei Tage vor seinem Tod wurde Clara Schumann zu ihm gerufen. Verstärkt wurde das Krankheitsbild durch die Auswirkungen der Syphilis, von der Schumann selbst seit 1831 wusste.

Robert Schumanns Werke

Robert Schumann gehört zu den bedeutendsten Vertretern der deutschen Romantik. Trotz seines frühen Todes hat er zahlreiche Werke hinterlassen. Besonders zahlreich sind seine Klavierstücke (darunter das „Album für die Jugend“), seine Kammermusikwerke und seine Lieder (darunter die Liederzyklen „Dichterliebe“, „Liederkreis“ und „Frauenliebe und –leben“). Außerdem komponierte er vier Symphonien, ein Klavierkonzert, ein Violinkonzert und ein Violoncellokonzert und eine Oper („Genoveva“).

Das Robert Schumann-Haus in Bonn

Das Gebäude in der Sebastianstraße 182 im Bonner Stadtteil Endenich, in dem die Schumann-Gedenkstätte ihren Platz hat, wurde Ende des 18. Jahrhunderts als Landsitz für die Bonner Honoratiorenfamilie Kaufmann errichtet. Im Oktober 1844 wurde in ihm von dem Psychiater Dr. Franz Richarz eine Heil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke eingerichtet.

Künstlerisch tätig war Robert Schumann hier nicht mehr, doch vermag die Gedenkstätte mit den Zeugnissen von seiner Erkrankung und den letzten Begegnung mit seiner Frau sowie mit dem Komponisten Johannes Brahms die Besucher in ihren Bann zu ziehen.

Bereits 1926 wurde hier von der Zwickauer Schumann-Gesellschaft eine Gedenkstätte zu Ehren Robert Schumanns errichtet. Das originale Mobiliar der Schumann-Zimmer war allerdings nicht mehr vorhanden. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude stark beschädigt und einige Jahre später nur notdürftig wieder aufgebaut. Die von Robert Schumann bewohnten Räume waren jedoch erhalten geblieben. 1961 begann die Stadt dann auf Druck der Öffentlichkeit mit Sanierungsarbeiten, nachdem sie ihre ursprünglichen Pläne, das Gebäude abzureißen und stattdessen ein Altenheim zu errichten, fallen gelassen hatte. Seit 1963 hat hier neben den beiden Robert Schumann-Gedenkräumen und einem kleinen Konzertsaal auch die städtische Musikbibliothek ihren Platz. Die Sammlung von Schumann-Autographen ist noch immer im Wachsen begriffen und wird von der Stadt Bonn und verschiedenen Institutionen gefördert.

Das Schumann-Haus hat Montag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 11-13.30 Uhr und von 15-18 Uhr geöffnet. Es ist auch für Rollstuhlfahrer zugänglich und mit den Buslinien 604, 605, 606 und 607 erreichbar (Haltestelle Alfred-Bucherer-Straße).

Robert Schumanns Grabstätte

Das Grabmal des Komponisten befindet sich auf dem Alten Friedhof in Bonn. Das Denkmal auf dem Grab entstand allerdings erst mehr als 20 Jahre nach Robert Schumanns Tod. 1873 wurde auf einem großen Schumannfest das fehlende Geld für ein Denkmal gesammelt, für dessen Ausführung der Bildhauer Adolf von Donndorf beauftragt wurde. Seine Frau Clara hatte sich „etwas Symbolisches, das die Charakteristik meines Mannes künstlerisch repräsentiert“ gewünscht, wie sie 1874 in einem Brief schrieb, und von Donndorf befasste sich daraufhin mehrere Jahre mit den Entwürfen. 1880 wurde das Denkmal in Gegenwart von Clara Schumann und ihren Kindern enthüllt.

Als Clara Schumann am 20. Mai1896 nach einem Schlaganfall 76-jährig starb, wurde sie neben ihrem Mann beigesetzt, den sie um 40 Jahre überlebt hatte.

Das Schumannjahr 2010

Anlässlich des 200. Geburtstages des Komponisten sind – wie auch bereits 2006 bei seinem 150. Todestag – von der Stadt Bonn, dem Verein Schumannhaus Bonn e.V. und dem Schumannfestival Endenicher Herbst zahlreiche Aktivitäten, Veranstaltungen und Konzerte geplant, die weiter dazu beitragen sollen, den Komponisten Robert Schumann aus dem Schatten des in Bonn geborenen Ludwig van Beethoven herauszuholen.

Tatjana Alisch - Bereits während meines Studiums in den Bereichen Musik, Geschichte und Sprachen erhielt ich die Gelegenheit, für einen ...

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