Rodolfo Enrique Fogwill: Die unterirdische Schlacht

Buchcover - rowohlt verlag
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"Die unterirdische Schlacht" des argentinischen Autors Fogwill ist ein zeitgeschichtliches Dokument über den Falklandkrieg von 1982.

Mit seinem Kriegsroman Die unterirdische Schlacht ist der argentinische Soziologe Rodolfo Enrique Fogwill in seinem Heimatland auf einen Schlag berühmt geworden und hat sich längst in die literarische Garde des Landes eingereiht. Dennoch ist sein Debütroman bisher nicht auf Deutsch erhältlich gewesen. Erst jetzt hat Rowohlt die Tatsache, dass Argentinien 2010 Gastland der Frankfurter Buchmesse war, genutzt, um das Buch hierzulande heraus zu bringen. So kommt es, dass der Roman in Deutschland postum erschienen ist: Vier Wochen zuvor, am 21. August, ist Fogwill in Buenos Aires seinem hohen Zigarettenkonsum erlegen.

Pichis wollen dem Krieg entgehen

Im Zentrum des Romans stehen die „Pichis“, zwei Dutzend Männer, die vor dem absurden Krieg um die Falklandinseln desertiert sind, um das nackte Überleben zu sichern. Ihren Namen haben sie sich selbst gegeben, abgeleitet von einem kleinen Tier, dem „Pichiciego“. Das ist eine Mischung aus Maulwurf und Gürteltier, nachtaktiv und in unterirdischen Höhlen lebend. Und genauso verhalten sich die Pichis. Sie haben sich unter der Leitung der vier heiligen Könige eine Höhle gegraben und wollen dort den Krieg aussitzen. Die Tage schlagen sie mit Schlafen und Gesprächen tot, nachts treiben sie Handel mit den Briten, um sich das Überleben zu sichern. Als Gegenleistung verrichten sie kleine Sabotageakte bei den argentinischen Truppen. Ihre größte Angst: dass die Argentinier ihnen auf die Schliche kommen. Deshalb müssen sie den ganzen Tag in der subpolaren Kälte ausharren, wenn sie es nicht rechtzeitig bis Tagesanbruch geschafft haben zur Höhle zurückzukehren, um den Höhleneingang nicht zu verraten. Denn die Argentinier wissen, dass es sie gibt, nur nicht, wo. Ihre Notdurft müssen sie sich für nachts aufsparen, denn tagsüber dürfen sie nicht raus und das Pulver für die chemische Toilette ist längst verbraucht. Wenn sie dann nachts unterwegs sind, werden sie von ihren Ängsten eingeholt, wenn sie wieder über „ein paar Kalte und Gefrorene“ – Verwundete und Tote – stolpern, oder wenn sie mal wieder mit ansehen müssen, wie ein Schaf von einer Tretmine zerfetzt wird.

Deserteure können ihrem Schicksal nicht entgehen

Lange im Verborgenen bleibt die Erzählperspektive. Zunächst hat man den Eindruck, es handele sich um eine personale Erzählung aus der Sicht von Quiquito, einem der vier heiligen Könige. Irgendwann tritt dann aber doch zaghaft der Ich-Erzähler hervor und schließlich wird deutlich: Dieser ist ein Schriftsteller, der Quiquito nach dem Ende des Krieges interviewt hat. Dass ausgerechnet Quiquito interviewt wurde, hat seinen Grund: Er ist der einzige Überlebende. Die restlichen Männer sind am letzten Tag des Krieges in ihrem Bau an Giftgas gestorben. Todgeweiht waren sie von vornherein, denn als Deserteure wären sie erschossen worden, wenn die eigene Truppe sie erwischt hätte. So haben sie es schließlich doch nicht geschafft, ihrem Schicksal zu entgehen. Genau wie der namensgebende Pichiciego: Wenn der einmal auf dem Rücken liegt, ist auch er verloren, weil er alleine nicht wieder auf die Beine kommt.

Dokumentarisch durch Direktheit

Der Roman ist vom Autor sehr direkt erzählt worden. Man erfährt über den Krieg nur, was aus der begrenzten Perspektive der Pichis wahrgenommen werden kann. Die Hintergründe des Konfliktes – Junta-Chef Galtieri brauchte kriegerische Erfolge, um von der innenpolitischen Krise des Landes abzulenken – bleiben ebenso im Verborgenen wie die Folgen: der Sturz des Militärregimes. Gerade durch diese Unmittelbarkeit wird der Roman zu einem eindrücklichen Dokument der argentinischen Zeitgeschichte.

Rodolfo Enrique Fogwill: Die unterirdische Schlacht, Rowohlt 2010, 16,95 Euro.

Norman Riebesel, Norman Riebesel

Norman Riebesel - Hallo, ich bin Norman Riebesel. Ich bin seit Mai 2010 bei Suite101. Seit 2007 bin ich als freier Journalist tätig. Vorher habe ich ...

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