Römische Brücken aus Holz und Stein

Römische Steinbogenbrücke in Portugal - Walter J. Landgraf / pixelio.d
Römische Steinbogenbrücke in Portugal - Walter J. Landgraf / pixelio.d
Die Ingenieure im alten Rom kannten eine Vielzahl von Techniken, um Flüsse und Täler zu überbrücken.

Caesar kam, Caesar sah – und Caesar ließ eine Brücke bauen. Im Jahr 55 v. Chr. erreichte der damalige Statthalter der Provinz Gallia narbonnensis während seiner Feldzüge durch den Rest Galliens den Rhein. Am großen Strom angekommen, hielt er es für angebracht, den „Germanen“ – so bezeichnete Caesar selbst die „wilden“ Völker auf der anderen Seite in bewusster Abgrenzung zu den Galliern diesseits des Stromes – die Größe des römischen Volkes zu demonstrieren und ihnen einen kleinen Besuch abzustatten. Boote waren ihm wohl zu unsicher und entsprachen auch nicht seinen Vorstellungen von Größe. Also ließ er seine Soldaten eine Brücke bauen. Nur zehn Tage benötigten seine Männer – eine Meisterleistung der Pioniertechnik. Nach 18 Tagen kehrte Caesar mit seinen Legionen zurück und ließ die Brücke hinter sich abreißen. Was ihm auf der rechten Rheinseite widerfahren war, darüber breitet er den Mantel des Schweigens. Wahrscheinlich hat er kräftig eins auf die Mütze bekommen.

Caesars erste Pionierbrücke über den Rhein

Caesar beschreibt zwar einige Details seiner Brücke, doch erwähnt er nur diejenigen Punkte, in der seine Brücke von der römischen „Standard“-Pionierbrücke abwich. Da kaum Regeln für den Brückenbau der Römer überliefert sind – schon gar nicht für reine Holzkonstruktionen –, bleibt eine Rekonstruktion von Caesars erster Rheinbrücke zumindest teilweise hypothetisch. Fest steht, dass Caesars Brücke eine Pfahljochkonstruktion war. Caesars Pioniere begannen mit dem Bau, indem sie mit Hilfe einer auf einem Floß montierten fistuca, eines Rammgewichtes, schräg geneigte Pfahlpaare in den Grund des Flusses trieben. Diese sich jeweils gegenüber stehenden Pfahlpaare verbanden sie dann mit horizontalen Querbalken zu Jochen. Die Joche verbanden sie mit Längsbalken, die sie mit Brettern abdeckten.

Pfahlrostbrücken

Zwar waren Pfahljochbrücken schnell fertig, lange halten sollten sie aber nicht. Steinerne Pfeiler waren da schon dauerhafter. Steinpfeiler kann man aber nicht einfach auf dem Flusskies gründen – zu schnell würde die Strömung die Pfeiler unterspülen. Die römischen Brückenbauer rammten daher einen dichten Rost aus Holzpfählen in den Flussgrund – möglichst bei Niedrigwasser. Der römische Architekt und Schriftsteller Vitruv beschreibt solche Pfahlroste im zwölften Kapitel seines fünften Buches, das sich mit dem Bauen im Wasser beschäftigt. Mit Auffüllungen aus Ton und Steinen in den Pfahlzwischenräumen boten sie ein stabiles Fundament für weitere Aufbauten. Die Rheinbrücken von Mainz und Koblenz und die ältere Moselbrücke von Trier zum Beispiel waren solche Pfahlrostbrücken.

Gründung der Steinpfeiler auf dem Fels

Bei mangelnder Festigkeit des Untergrundes bestand aber auch hier die Gefahr, dass die Pfahlroste absackten. Bei der zweiten Trierer Moselbrücke, waren - und sind bis heute - die Pfeiler daher im Flussbett direkt auf dem Fels gegründet. Um trockene Baugruben zu erhalten, haben die römischen Ingenieure bei Niedrigwasser doppelte hölzerne Spundwände errichtet, deren Zwischenraum sie mit Ton abdichteten. Vitruv beschreibt auch diese in seinem Kapitel über das Bauen im Wasser.

Pfeiler aus Stein, Überbau aus Holz

In den nördlichen Provinzen besaßen die römischen Brücken zwar alle Pfeiler aus Stein, der Rest bestand jedoch aus Holz. Die Rheinbrücken von Koblenz und Köln und auch die ältere und die jüngere Trierer Moselbrücke besaßen Längsträger, die zusätzlich durch ein Sprengwerk schräg gegen die Pfeiler abgestützt waren. An den Pfeilern der Trierer Moselbrücke sind die Konsolen für die Streben heute noch deutlich erkennbar. Aufwendiger waren hölzerne Segmentbögen zu bauen, doch konnte bei ihnen der Abstand zwischen den Pfeilern größer gehalten werden. Der Durchflussquerschnitt wurde dadurch weniger eingeengt. Die Rheinbrücke von Mainz und die Donaubrücke, die der römische Architekt Apollodor von Damaskus in den Jahren 103 bis 105 n. Chr. bei Drobeta Turnu Severin zwischen dem heutigen Rumänien und Serbien errichtete, waren in dieser Form gebaut.

Steinbogenbrücken

Die Jahrhunderte überstanden haben jedoch nicht die hölzernen, sondern die Steinbogenbrücken. Die meisten von ihnen sind Rundbogenbrücken, was heißt, das der Bogen einen vollständigen Halbkreis beschreibt. Die Römer haben aber auch den Bau von steinernen Segmentbögen beherrscht. Vitruv beschreibt im achten Kapitel seines sechsten Buches, das sich mit dem Bau von Kellergewölben befasst, dass man die Bögen aus keilförmigen Steinen ausführen solle, deren Fugen zur Mitte des Kreisbogens gerichtet sein müssen. Auch sollen die Widerlager beziehungsweise die äußeren Pfeiler besonders stark ausgeführt werden, da die Bögen ihre Last nicht nur nach unten ableiten, sondern auch Druck nach außen ausüben. Da ein freitragender Bau von Gewölbebögen nicht möglich ist, nutzten auch schon die Römer während der Bauphase hölzerne Lehrgerüste. Wenn der Schlussstein im Zenit des Bogens eingesetzt war, wurden diese Gerüste wieder entfernt. Bei Brücken mit mehreren Bögen wurden sie im nächsten zu bauenden Bogen erneut verwendet.

Die Phase, in der der ein Brückenbogen zwar fertig gestellt war, die Lücke zwischen Bogen und Brückenköpfen beziehungsweise zwischen den Bögen aber noch nicht ausgemauert, war kritisch. Denn besonders in dieser Phase konnte der Bogen den nach außen wirkenden Kräften nachgeben und versagen. Um dies zu vermeiden, scheinen die römischen Architekten empirisch ermittelte Faustregeln zurückgegriffen zu haben. Diese hat Colin O’Connor, Professor für ziviles Ingenieurwesen im australischen Brisbane, nach der Analyse zahlreicher römischer Brückenbauten formuliert:

  1. Wähle die Dicke des Bogens, so, dass er etwa 1/10 der Bogenspannweite entspricht, wobei auch 1/20 der Bogenspannweite noch akzeptiert werden kann.
  2. Vermeide Bogendicken von mehr als fünf römischen Fuß (knapp 1,5 m)

Die zweite Regel dürfte der begrenzten Hebekraft der römischen Kräne geschuldet sein, die beim Brückenbau Verwendung fanden. Die Brücken, die die Römer bauten, waren ausgesprochen haltbar. Vielfach fließt über sie bis heute der Verkehr. Erst der Stahlbetonbau schuf Möglichkeiten, die über die Fertigkeiten der Römer hinausgingen.

Quellen:

  • Bayerische Gesellschaft für Unterwasserarchäologie (Hrsg.): Archäologie der Brücken: Vorgeschichte, Antike, Mittelalter, Neuzeit. Regensburg 2010.
  • Grewe, Klaus: Meisterwerke Antiker Technik. Mainz 2010.
  • O’Connor, Colin: Roman Bridges. Cambridge 1993.
  • Vitruv: Zehn Bücher über Architektur. Übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Curt Fensterbusch. Darmstadt 1981.
Christian Peitz, Sabine Peitz

Christian Peitz - Schon fast mein ganzes Leben begleiten mich Modelleisenbahnen und ihre Vorbilder. Speziell die Zeit der Dampfloks hat es mir in Vorbild ...

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