Zwei Rechtspopulisten hat Ole von Beust der ansonsten als liberal und weltoffen geltenden Hansestadt Hamburg beschert: Ronald Schill und Roger Kusch. Der eine konnte gerade weltweit im Internet beim Kokainschnupfen bestaunt werden (Schill), der andere bescherte Hamburgs Justiz knapp fünf furchtbare Jahre und gründete nach seiner Entlassung im Jahre 2006 eine rechtsgerichtete Partei namens Rechtsmitte HeimatHamburg, die bei der letzten Wahl grandios scheiterte (Kusch).
Roger's Welt
Roger Kusch, geboren 1954 in Stuttgart, ist studierter Jurist. Nach verschiedenen Stationen im deutschen Rechtswesen wurde er 2001 von seinem Freund Ole von Beust zum Justizsenator ernannt. In den fünf Jahren seiner Amtszeit brachte er gleichermaßen Richter wie Öffentlichkeit gegen sich auf. Mit seinen extrem mitleidlosen und rassistischen Äußerungen und Handlungen schadete er dem Ruf der Hansestadt enorm. So plädierte er dafür, Strafgefangene sollten nicht wie im "Luxusurlaub" leben, sondern sollten eine Beschränkung der Telefonate und Besuche hinnehmen. Anregungen als Hardliner suchte er im Wüstenstaat Arizona, wo er sich beim bekannten Gefängnischef und Todesstrafenverfechter Joe Arpaio Anregungen holte.
Von Resozialisierung hielt er nichts, wiederholt griff er in richterliche Entscheidungen ein, die seiner Meinung nach zu "lasch" ausgefallen waren. Dass zwei Strafgefangene in einer acht Quadratmeter kleinen Einmannzelle mit offener Toilette eingesperrt waren, wurde erst durch eine Entscheidung des Bundesgerichtshofes revidiert. Beirren ließ er sich dadurch mitnichten. Er erteilte Anweisung, lediglich bei solchen Häftlingen zukünftig Abhilfe zu schaffen, die sich gerichtlich wehren. Nicht umsonst war sein Spitzname während seiner Amtszeit "lächelnde Guillotine". Nachdem er 2006 aus seinem Amt entlassen wurde, weil er unerlaubterweise Unterlagen weitergegeben hatte, gründete er seine eigene Partei.
Im Bürgerschaftswahlkampf setzte er vor allem auf die Themen Jugendgewalt und Ausländerkriminalität. Als geistiger Nachfolger Schill's gerierte er sich mit Parolen wie "Ausländer raus".
Umgang mit Homosexualität
Sein unfreiwilliges "Coming-Out" hatte Kusch 2003, als Ronald Schill medienwirksam in einer Pressekonferenz ihm und Ole von Beust vorwarf, eine homosexuelle Beziehung zu pflegen. Beide bestritten dies, Kusch sei lediglich Mieter von von Beust's Wohnung. Dem bekanntermaßen ebenfalls homosexuellen FDP-Politiker Guido Westerwelle warf Kusch vor, sein "Coming-Out" auf einer Geburtstagsfeier von Angela Merkel sei "reine Show" gewesen. Jedoch ließ Kusch sich für ein Interview zu seiner Homosexualität mit dem Nachrichtenmagazin "Focus" in seiner Wohnung vor dem Bild eines nackten Mannes, das ihn selbst darstellen soll, fotografieren.
Kusch - liberaler Verfechter des selbstbestimmten Suizids?
Was Kusch antreibt, bleibt auch hier rätselhaft. Ansonsten nicht gerade als Verfechter liberaler Ansichten verschrien, möchte er mit seiner jetzt medienwirksam vorgestellten "Selbsttötungsmaschine" den Menschen in Deutschland einen selbst gewählten Weg in den Tod ermöglichen.
Per Knopfdruck wird der Motor der Maschine in Gang gesetzt, der dann auch zwei Spritzen mit einem Narkotikum und Kaliumchlorid in die Venen presst. Vorher muss ein Arzt lediglich die Kanüle legen. Da der Sterbewillige selbst den Knopf drückt, hält Kusch sein Vorgehen für straffrei. Beim ersten Einsatz möchte er dabei sein und eventuell sogar selbst filmen, damit ihm nicht vorgeworfen werden kann, er habe den Knopf selbst gedrückt.
Scharfe Kritik kommt unter anderem vom Präsident der Hamburger Ärztekammer, Ulrich Montgomery: "Wir brauchen keine Tötungsmaschine, sondern eine Sterbebegleitung und palliativmedizinische Betreuung, die den Menschen am Ende ihres Lebens Schmerzen und Ängste nimmt."
