
- Roland - Regionalwährung Bremens - Lucy M. Laube
Im Oktober 2011 hat die Bremer Regionalwährung Roland ihren zehnten Geburtstag gefeiert. Erfunden und eingeführt vom "Verein für nachhaltiges Wirtschaften", ist der Roland die bundesweit erste Regionalwährung gewesen. Die bargeldlose Währung kann den Euro nicht ersetzen, bietet aber mittlerweile eine Alternative für die Region, mit der sich einiges anfangen lässt. Die Region wird unabhängiger vom Euro und dessen Krisen, die Kaufkraft wird an die Region gebunden, das soziale Gefüge gestärkt.
Wie der Roland funktioniert
Wer mit dem Roland bezahlen möchte, muss Mitglied im Roland-Wirtschaftsring werden und einen Aufnahmebeitrag in Höhe von 10 Euro bzw. Roland zahlen, denn das Tauschverhältnis der Währungen beträgt 1:1. Der Roland ist ein bargeldloses Zahlungsmittel, die Vereinsmitglieder bekommen Scheckgutscheine. Abgerechnet wird monatlich von der Verrechnungsstelle des Vereins Roland-Regional in Ottersberg. Bezahlt werden kann mit dem Roland bei den teilnehmenden Gewerbetreibenden – mittlerweile über 100, zu erkennen am Roland-Zeichen und zusätzlich verzeichnet im Internet. Die Palette der Anbieter ist bunt, vom Biohändler über den Copyshop bis hin zum Architekten, Wellness-Angeboten und einer Tankstelle und reicht zudem weit über die Stadtgrenzen Bremens hinaus.
Die Besonderheiten des Rolands
Das Prinzip "Geld arbeitet" greift beim Roland nicht – er ist eine zinslose Währung und vermehrt sich nicht, indem er gehortet wird. Im Gegenteil, er ist eine "Schwundwährung" und verliert an Wert, wenn er nicht aktiv im Wirtschaftskreislauf bleibt. Er soll die regionale Wirtschaft ankurbeln, Arbeitsplätze schaffen und nachhaltiges Wirtschaften fördern. Ideologie ist auch mit im Spiel, natürlich. Während Währungen wie der Euro selbst eine Ware sind, ist der Roland ein Mittel zum Zweck. Denn, so der Vereinsvorsitzende Michael Knecht im Weser Kurier, im herkömmlichen Wirtschaftssystem erlangt Geld "durch Nichtstun immer mehr Wert. Wer Geld hat, wird also reicher. Wer allerdings kein Geld hat, muss bezahlen, wenn er sich etwas leihen will."
Mit dem Schwund des Rolands werden zum einen die Kosten des Vereins gedeckt, zum anderen und vor allem aber zinslose Kredite finanziert – beispielsweise an Biobauern, die im Frühjahr Geld brauchen, um vorzufinanzieren, was sie mit der Ernte im Spätsommer verdienen werden. Bei Banken beißen sie damit manches Mal auf Granit, obwohl das Geld doch nur zur Überbrückung eines Engpasses benötigt wird.
Der Roland – er rollt
Mit etwa 230 Mitgliedern ist die Vereinsgröße von Roland-Regional überschaubar und es gibt noch viel Potential nach oben. In einem Jahr werden derzeit etwa 370.000 Roland umgesetzt. Damit ist der Roland zwar die älteste Regionalwährung Deutschlands, aber keineswegs die erfolgreichste. Der Chiemgauer etwa erwirtschaftet einen Umsatz von fünf Millionen Euro im Jahr und erfreut sich großer Akzeptanz. Doch was nicht ist, kann noch werden – und immerhin ist der Roland dreimal so viel im Umlauf wie der Euro und damit gut für die Region.
Quellen und Literaturhinweise:
Weser Kurier vom 1.10.2011: "Das macht dann vier Roland, bitte" (Arno Schupp)
Bremer Anzeiger vom 28.9.2011: "Der Roland rollt" (Steffi Urban)
Nordwestradio Journal: "Der Roland – Bremer Regionalwährung" (Kerstin Burlage)
