Rolf-Mares-Preisträger: Sven Fricke

Rolf-Mares-Preisträger Sven Fricke - Benita Brunnert
Rolf-Mares-Preisträger Sven Fricke - Benita Brunnert
Sven Fricke wird für seine Darstellung des Frank Lehmann in „Neue Vahr Süd" mit dem Rolf Mares Preis ausgezeichnet. Ein Porträt:

Derzeit steht Sven Fricke als Alex DeLarge in „Clockwork Orange“ im Altonaer Theater auf der Bühne. Am 24. Oktober 2011 wird er für seine Darstellung des Frank Lehmann in „Neue Vahr Süd“ am selben Haus mit dem Rolf-Mares-Preis ausgezeichnet. Suite101 wollte den jungen Schauspieler näher kennenlernen.

Treffpunkt ist ein kleines Café in der Schanzenstraße. Die Begrüßung ist locker und herzlich. Ein langes Vorgeplänkel gibt es nicht. „Es gibt Leute, die muss man nur anticken, und sie fangen an zu erzählen“, heißt es manchmal. Sven Fricke muss man nicht einmal anticken. Er plaudert einfach drauf los, eben ein kommunikativer Typ. Das hat er von seiner Mutter geerbt. „Wobei, im Vergleich zu meiner Mutter bin ich wirklich still“. Gerade ist er dabei, seinen Führerschein zu machen. „Bisher war das quatsch. Ich habe immer in großen Städten gelebt und hatte Leute mit Führerschein um mich herum, da braucht man so etwas nicht.“ Aber jetzt wird er im Februar Vater und da soll die Freundin nicht die einzige sein, die fährt.

Vom Schüler zum Schauspielschüler

Zwischen Weihnachten und Silvester 1979 kommt Sven Fricke in Berlin zur Welt. Er ist ein guter Schüler, macht Abitur. Dass er Schauspieler werden will, steht schon schnell fest. Trotzdem überlegt er es sich zunächst anders, studiert nach seinem Zivildienst ein paar Semester, um Lehrer zu werden. „Aber irgendwie dachte ich dann, Mensch, jetzt haste 14 Jahre lang ständig gemacht, was grad verlangt war, das kann es doch nicht sein. Und dann habe ich im Prinzip zwei Jahre lang nur gegammelt“, gesteht er. Doch mit 22 wird ihm klar, dass man nun vielleicht doch mal etwas in die Wege leiten sollte, denn die Schauspielschulen nehmen nur Menschen bis 25 Jahre an. „Also habe ich mit einem meiner besten Freunde, der auch Schauspieler werden wollte, eine große Tabelle gemacht. Auf der waren alle Staatlichen Schauspielschulen mit ihren bevorstehenden Aufnahmeprüfungen verzeichnet.“ Die nächste und somit erste Aufnahmeprüfungsrunde findet in Hamburg statt. Also machen sich die Jungs auf den Weg in die Hansestadt. Sven kommt bis in die zweite Runde, scheidet dann aber aus. Eine Tatsache, die er relativ unbekümmert hinnimmt. Schließlich muss er sich auf sein nächstes Projekt vorbereiten. Eine Rolle am Theater in Parchim. Doch während der Proben kommt es zur großen Überraschung. Ein Anruf von der Hamburger Schauspielschule. Ein Platz ist frei geworden, ob er noch Interesse hätte. „Das war natürlich die Wucht in Tüten.“

Kein Bienchen

Seine Schauspiellehrerin Jutta Hoffmann mag ihn nicht, weil er faul ist. Zumindest glaubt das Sven Fricke. „Ich bin wirklich kein Bienchen, das muss ich zugeben.“ 2005 (kommt es zu einem großen Schauspielschultreffen in Frankfurt. Hier werden Inszenierungen vorgestellt und Preise vergeben), zum Schauspielschultreffen in Frankfurt, fährt sein Jahrgang mit „Nitwits“, ein Abend, den sie inszeniert hat.. „Jutta hat immer gesagt, wenn du auf die Bühne kommst und die Leute lachen, dann ist gleich aus. Und ich bin kaum auf der Bühne, ein Satz: Lacher. Ich hab', glaube ich, immer mehr gegen diese Lacher angespielt, aber ohne Erfolg.“ Oder vielleicht doch? Zumindest bekommt Sven Fricke für diese Darbietung einen mit 1.000 Euro dotierten Solopreis. "Möglicherweise habe ich diesen Preis einfach nur einem Missverständnis zu verdanken“, sagt er heute. „Für Jutta muss das furchtbar gewesen sein, dass ausgerechnet ich diesen Preis bekommen habe. - Ich muss aber ganz ehrlich sein, ich glaube, ich habe von ihr am meisten gelernt“ resümiert der Schauspieler.

Rolf Mares Preis

Sven Fricke hat bisher immer wieder Glück gehabt. Schon während der Schauspielschule spielt er unter anderem im Thalia in der Gaußstraße an den Hamburger Kammerspielen und in Anton Tschechows „Die Möwe“ (im Malersaal des Deutschen Schauspielhauses Hamburg), inszeniert von Cilli Drexel. Nach einigen Jahren am Theater Bremen, findet er, sollte etwas neues kommen und kündigt. Jetzt wäre die Zeit, wo man sich mal wieder bewerben müsste. Aber wo? Da klingelt mal wieder das Telefon. Das Altonaer Theater ruft. Sven Fricke wird Herr Lehmann in der „Neue Vahr Süd“. „Die Proben zur Neuen Vahr waren wirklich sehr sehr schön“, erinnert er sich. Das es dafür nun den Rolf-Mares-Preis gibt, freut natürlich umso mehr. „Das war überhaupt witzig. Ich hatte plötzlich einen Brief vom Ohnsorg Theater im Kasten. Ich, wo ich doch überhaupt kein Plattdüütsch kann. Na und dann stand da, dass ich den Preis kriege.“ Drei Stunden später muss Fricke zur Probe für „Clockwork Orange“. Ein Kollege spricht ihn aus Spaß an: „Na, wie sieht‘s aus, Rolf Mares Preis?“ Sven Fricke lacht. „Da habe ich erstmal doof geguckt“. Als klar wird das besagter Kollege mit seiner Bemerkung voll ins Schwarze getroffen hat, freuen sich alle mit.

Der Fricke will entdeckt werden

Was soll als nächstes kommen? „Erstmal werde ich Papa, das ist das allerwichtigste“, meint Sven Fricke. „Und dann wäre es doch schön, so zwei bis drei Theaterproduktionen im Jahr zu machen und den Rest mit Drehtagen zu bestücken. Man kann mich ja anrufen oder ins Theater kommen und einfach spielen sehen." Und dann grinst er: Ja, ja ich weiß, der Fricke will entdeckt werden, sagt man jetzt.“ Doch dann wird er für einen Moment ernst. "Bisher ging's immer irgendwie locker. Das macht mir schon manchmal Angst.Wer weiß, wann das dicke Ende kommt, und wie das aussieht." Aber zunächst einmal läuft es eben rund.

Am 24. Oktober 2011 bekommt Sven Fricke den Rolf Mares Preis, bis zum 5. November ist er im Altonaer Theater in „Clockwork Orange“ zu sehen.

Benita Brunnert, Benita Brunnert

Benita Brunnert - auch bei Twitter https://twitter.com/#!/BenitaBrunnertseit 2011 Moderatorin, Reporterin Nowo1 TV2009 Freie Redakteurin und Moderatorin ...

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