
- In Extremo hat in Gothic einen Ingame-Auftritt. - Sabin Iacob
Das PC-Rollenspiel Gothic des deutschen Entwicklerstudios Piranha-Bytes galt nie als einfacher Vertreter seiner Gattung - in keiner Hinsicht. Als es nach langer Entwicklungszeit 2001 endlich erschien, machten viele Spielfehler (Bugs) und hohe Hardware-Anforderungen den Spielern das Leben schwer. Auch die Steuerung war vielen Spielern zu umständlich und der Schwierigkeitsgrad galt als zu hoch. Trotz alledem ist Gothic mit der Zeit zu einem echten Kult-Spiel und Klassiker avanciert.
Willkommen im Knast - Ein namenloser Held in einer rauen Umgebung
Gothic spielt in einer düsteren, mittelalterlichen Fantasy-Welt. Die Spielwelt ist zwar sehr weitläufig, aber klar begrenzt: Die Spielfigur wird zu Beginn in einen Knast geworfen, dessen magische Barriere niemanden wieder hinaus lässt. Die Häftlinge haben sich in diesem Knast ohne Wärter organisiert und in verschiedene Lager aufgeteilt. Die einen treiben mit der Außenwelt Handel und tauschen Erz gegen allerlei Annehmlichkeiten, die anderen versuchen irgendwie auszubrechen. Ein drittes Lager strebt nach Erlösung in seiner Religion und verbringt die meiste Zeit mit Kiffen. Der Held, dessen Namen nie genannt wird, muss sich in dieser Welt irgendwie zurechtfinden und sich früher oder später einem dieser drei Lager anschließen.
Eine echte Herausforderung - Der Spielverlauf von Gothic
Die Spielfigur wird zu Beginn in die Spielwelt geworfen und genauso fühlt es sich für den Spieler auch an. Man muss sich zunächst zurechtfinden. Die Steuerung ist umständlich: Um etwas aufzuheben, müssen zum Beispiel zwei Tasten gleichzeitig gedrückt werden. Aber selbst wenn man die Steuerung verinnerlicht hat, ist der Schwierigkeitsgrad nicht von schlechten Eltern. Gothic ist ein Open World-Spiel - in diesem Fall heißt das, dass der Spieler von Beginn an überall hin kann, im Zweifelsfall aber von viel zu mächtigen Monstern gefressen wird. Gerade zu Anfang kann einem das bereits passieren, wenn man auch nur zwei bis drei Meter zu weit vom Weg abweicht. Im Spielverlauf darf man sich, wie oben bereits erwähnt, einem der drei Lager anschließen. Das gibt einem zwar das Gefühl von Entscheidungsfreiheit, am tatsächlichen Verlauf ändert sich dadurch allerdings kaum etwas.
Atmosphäre und Easter-Eggs: Ein Ingame-Auftritt von "In Extremo"
Zum Kult-Spiel ist Gothic letztlich wegen seiner düsteren Atmosphäre geworden. Die Figuren, denen der namenlose Held in der Gefängnis-Kolonie begegnet, sind eben Verbrecher. Und meistenteils Verhalten sie sich auch genau so. Sie wollen Schutzgeld haben, die Spielfigur zur Sklavenarbeit auf einem Reisfeld zwingen oder sie schlicht ausrauben. Selbst die hilfsbereiteren unter ihnen sparen nicht an markigen Sprüchen. Die Dialoge überhaupt haben zum Teil Kultstatus. Auch einige Gags der Entwickler bereichern die Atmosphäre. Das wohl augenfälligste dieser "Easter-Eggs" ist ein Ingame-Auftritt von "In Extremo". Die Mittelalter-Rock-Band spielt ihren skurrilen, komplett auf norwegisch gehaltenen Hit "Herr Mannelig" bei einem Konzert in einem der Lager. Auch ein Seitenhieb auf klassische Party-Rollenspiele darf nicht fehlen. Der nervige "Mud" sucht "einen Freund" und rennt der Spielfigur solange hinter her und quatscht sie zu, bis man ihn gewaltsam los wird.
Das vorgestellte Spiel ist bei vielen Online- und Gebrauchthändlern noch erhältlich.
Weitere Informationen: Rollenspiel-Klassiker für den PC
