Rom verzichtet auf Olympia 2020

Olympische Ringe - NOK
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Die Jugend der Welt kommt nicht an den Tiber. Die Regierung Monti hält eine Bewerbung angesichts der Finanzlage des Staates für unverantwortlich

Er will und kann das finanzielle Risiko nicht übernehmen. Und somit hat der amtierende italienische Ministerpräsident Mario Monti am Abend des 14. Februar 2012 bündig mitgeteilt, es werde keine staatliche Garantie zur Finanzierung und somit zur Ausrichtung der Olympischen Spiele des Jahres 2020 in Rom geben. Die italienische Hauptstadt ist somit aus dem Rennen. Dagegen haben Madrid, Doha, Baku und Tokio ihre offiziellen Unterlagen bereis beim Internationalen Olympischen Komitee eingereicht; die Bewerbung von Istanbul ist auf den Weg gebracht.

Die Schuldenlast verträgt keine “finanziellen Abenteuer“

Die Entscheidung des kompromisslosen Regierungschefs war im Grunde erwartet worden. Denn er ist ins Amt gekommen, um bis spätestens 2013 die zerrütteten italienischen Finanzen zu ordnen – und nicht, um sich auf finanzielle Abenteuer einzulassen. Somit hat er auch umgehend den Beifall von Staatspräsident Giorgio Napolitano erhalten. „Wir können kein Risiko eingehen“, hatte Monti betont. Nach der einstimmig gefassten Entscheidung des Kabinetts informierte der Regierungschef die enttäuschten Vertreter des Bewerbungskomitees und sagte in einer Pressekonferenz: „Wir sind in der Regierung zu dem einstimmigen Beschluß gekommen, dass es bei der aktuellen Situation in Italien unverantwortlich wäre, diese Garantien abzugeben“. Italien hat 1,9 Billionen Euro Schulden; die Ratingagentur Moody’s hatte die Bonität des Landes erst am Vortag der negativen Entscheidung um einen Grad von A2 auf A3 zurückgestuft.

Sportstars warben vehement für Olympia

Natürlich hat die Absage der Regierung in der Sport- wie in Teilen der Geschäftswelt für Enttäuschung gesorgt. Rund 60 italienische Sportstars hatten im Vorfeld der Entscheidung in einem offenen Brief ein Ja der Regierung zur Olympiabewerbung gefordert. Er war in acht führenden Zeitungen des Landes veröffentlicht worden; unterzeichnet beispielsweise von Fußball-Nationaltorwart Gianluigi Buffon, Motorrad-Weltmeister Valentino Rossi oder dem Schwimmstar Federica Pellegrini. Nach der Absage betonte Mario Pescante, der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Italien habe eine große Chance versäumt.

Vor 60 Jahren: Antike neben Neuzeit

Rom als Austragungsort Olympischer Sommerspiele im Jahr 2020 – das wäre sicher erneut ein reizvolles Spektakel geworden. Das wären dann Spiele exakt 60 Jahre nach der Premiere im Jahr 1960 geworden. Seinerzeit, und das hätte weiter gegolten, standen die Spiele im Zeichen des Rom auszeichnenden Gegensatzes zwischen Alt und Neu. Denn dort waren in 1960 und wären in 2020 antike Sportstätten mit moderner Sportarchitektur auf reizvolle Weise eng miteinander verbunden worden. Die Alten erinnern sich: Die Caracalla-Thermen und die Ruinen der Maxentiusbasilika standen den von Pier Luigi Nervi neu errichteten Bauten gegenüber, wobei das Olympiastadion, ein kühner und moderner Gebäudekomplex, mit antiken Elementen ausgestattet worden war.

Fernseh-Einnahmen schlugen kaum zu Buche

Was die Olympischen Spiele 1960 den italienischen Staat gekostet haben, ist immer etwas im Nebel geblieben. Immerhin, die Römer verdanken jenem Event ihren modernen Flughafen Fiumicino. Der größte Einnahmenposten war seinerzeit der Erlös aus dem Verkauf der Eintrittskarten. Das waren rund 2,6 Milliarden Lire oder 4,2 Millionen US-Dollar. Die Fernsehrechte, heute darf darüber geschmunzelt werden, brachten dagegen lediglich 394.000 US-Dollar ein.

Klaus J. Schwehn, Klaus J. Schwehn

Klaus J. Schwehn - Daß ich Journalist geworden bin, verdanke ich dem Umstand, daß mir meine Eltern kein Studium finanzieren konnten. (Ich ...

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