
- Das Hermannsdenkmal erinnert an Armin und an Varus - Dieter Schütz / www.pixelio.de
Während des zweiten Jahrhunderts v.Chr. gelang es den Römern, große Teile im Mittelmeerraum zu kontrollieren. Die Römer konnten sich als ein Herrschaftsstaat etablieren, da es keine nennenswerte Konkurrenz mehr gab. Trotz dieser Tatsache kam es immer wieder zu Unruhen und Aufständen gegen die römische Herrschaft. Hinzu kamen Bedrohungen von außerhalb des Reiches. Die Herrschaft Roms über die weiten Teile des Mittelmeerraumes musste durch kämpferische Auseinandersetzungen immer wieder bestätigt werden. Dieser Zustand war vor allem für die Feldherren sehr schwierig, da es ihnen fast unmöglich war, einen kontinuierlichen Frieden zu schaffen. Im Jahr 113 v.Chr. wurde die Lage Roms besonders deutlich: germanische Stämme bedrohten zwei römische Provinzen in Gallien und die Numiden konnten sich gegen Rom sowohl militärisch als auch diplomatisch durchsetzen.
Problemzone Germanien
Zwar konnte der Numidenkönig Jugurtha (160-104 v. Chr.) besiegt werden, aber die römische Armee unterlag den germanischen Stämmen. Im Oktober des Jahres 105 v. Chr. starben in Gallien bei einer Schlacht circa 50.000 römische Soldaten. Diese vernichtende Niederlage hätte das Ende des Römischen Reiches bedeuten können, denn der Nimbus der Unbezwingbarkeit war damit gebrochen. Doch die Sieger der Schlacht, die vor allem auf Beute und materiellen Gewinn aus waren, zogen gen Spanien, da sie dort mehr Reichtum erwarteten. Der italienischen Halbinsel wurde kein besonderes Interesse beigemessen.
Zwar gelang es Cäsar (100-44 v. Chr.), die Gebiete der Germanen zu erobern, aber auch hier wurden die römischen Legionen von Unruhen und Aufständen bedroht. Die Römer konnten die germanischen Stämme auf die rechte Seite des Rheins zurückdrängen. Ein Versuch seitens der Germanen, den Rhein zu überqueren, fand nicht statt. Die herben Verluste und die Zurschaustellung der römischen Macht zwangen die Germanen zu einer Ruhepause. Die Donau und der Rhein wurden wahrscheinlich von den Germanen als unverletzliche Grenzen anerkannt. Rom akzeptierte diese Grenzsetzung. Ein Marsch über die Flüsse fand nicht statt. Diese außenpolitische Ruhe ist vor allem auf die innenpolitischen Probleme Roms zurückzuführen.
Bürgerkriege und Cäsarenmord
In Rom herrschten unter der Regentschaft von Cäsar heftige Bürgerkriege. Nach der Ermordung Cäsars im Jahr 44 v. Chr. änderte sich diese Lage nicht. Ein ständiger Streit zwischen den Cäsarenmördern und Antonius (82-30 v. Chr.) und Octavian (63 v. Chr.-14 n. Chr.) machten außenpolitische Aktivitäten weitgehend unmöglich. Darüber hinaus galt es nun, auf anderen Schlachtfeldern siegreich zu bestehen. Die römischen Heere standen in Ägypten, in Kleinasien, in Nordafrika und Spanien. Erst nach der Konsolidierung der Verhältnisse unter Octavian im Westen und Antonius im Osten, wurden außenpolitische Maßnahmen überlegt und durchgeführt.
Die Feldzüge Roms gegen die Germanen
Nachdem in Rom die Folgen des Bürgerkrieges weitgehend behoben wurden, plante Octavian seinen Eroberungsfeldzug nördlich und östlich der Alpen. Dieser Feldzug war aus Sicht des Herrschers notwendig, denn das Gesamtgebiet des Römischen Reiches war „unfertig“, es war kein einheitliches Reich, sondern hatte mehrere Lücken, welche geschlossen werden mussten. So zog Octavian in Spanien gegen die Völker nördlich des Kantrabischen Gebirges; im gallischen Gebiet wurden währenddessen die Übergänge zum Römischen Reich abgesichert. Die Zentral- und Ostalpenvölker wurden unter römische Herrschaft gebracht und die Stiefsöhne Octavians planten große Feldzüge in das germanische Land hinein. 16 v.Chr. beschloss Octavian die Eroberung „Germaniens“ und seine Stiefsöhne begannen mit den Vorbereitungen. Xanten und Mainz wurden als Ausgangspunkte der römischen Legionen gewählt. Da diese Orte über die Westalpenpässe nur schwer zu erreichen waren, wurden ab 15 v.Chr. die Alpen und das nördliche Alpenvorland von Tiberius (42 v.Chr.-37 n.Chr.)und Drusus (38-9 v.Chr.) unterworfen. Innerhalb von drei Jahren gelang es den Römern, das gesamte Gebiet vom Oberrhein bis zum Wiener Wald zu erobern. Die obere Donau war hier die Grenze.
Der römische Überfall auf das germanische Gebiet
Cäsar machte den Rhein zum Grenzstrom zwischen den germanischen Stämmen und dem Römischen Reich. Die Germanen schienen diese Grenze zu akzeptieren. Die Geschichte hat jedoch gezeigt, dass Stromgrenzen immer nur vorläufige Grenzen waren, denn der Fluss verbindet seine Ufer miteinander, so dass der Machthaber stets danach streben wird, das gegenüberliegende Ufer unter die eigene Kontrolle zu bringen. Flüsse sind strategisch wichtige Punkte, die gesicherte Stellungen ermöglichen, doch nur wenn beide Uferseiten gesichert sind.
Rom plante schon länger, bis zur Elbe vorzustoßen. Der Anlass für die Feldzüge war die Niederlage des Lollius (+2 n. Chr.) gegen die Sugambrer, Usipeter und Tenkterer am Niederrhein im Jahr 16 v.Chr. Weshalb es zu diesem Zusammenstoß kam ist bis heute nicht geklärt. Octavian begab sich an den Rhein und plante von dort aus die Feldzüge gen Osten. Drusus und Tiberius führten die meisten Feldzüge in „Germanien“ durch. Immer wieder aufkommende Gefechte sorgten für einen kontinuierlichen Kriegszustand. Erst ab dem Jahr 7 v.Chr. kam allmählich Ruhe in das Land der Germanen. Rom erlangte große Siege, was auf die mangelnde Verteidigung der germanischen Stämme zurückzuführen ist. Als Bauernvölker verfügten sie über keine stehenden Heere, die Krieger waren weitgehend unorganisiert und ein Gesamtheer aller germanischen Stämme kam nicht zustande.
Marbod und die Varusschlacht
Marbod (30 v. Chr.- 37 n. Chr.) gilt in der Forschung als eine große germanische Führergestalt. Sein taktisches und diplomatisches Geschick sorgten dafür, dass er seine Position sichern und stetig ausbauen konnte. Er verfügte sogar über ein stehendes Heer aus 70.000 Fußkämpfern und 4.000 Reitern. Solch eine Heeresaufstellung war im germanischen Raum bis dahin einzigartig. Dies spricht für eine Zusammenführung aller Kräfte der keltischen und germanischen Stämme zur Abwehr der römischen Fremdherrscher. Marbod konnte Böhmen vor einer Eroberung durch Rom bewahren. Für die römische Reichssicherung fehlte damit das wichtigste Glied. In Rom sorgte Marbod für Angst und Schrecken, denn die Reaktion der Römer war es, 12 Legionen mit Hilfstruppen nach Norden ziehen zu lassen.
Durch Friedensverträge konnte sich die Lage in „Germanien“ stabilisieren. Es entstanden sogar freundschaftliche Beziehungen zwischen den römischen Offizieren und dem germanischen Adel. Die Germanen betrachteten die Römer kaum noch als Besatzungstruppen. Der römische Versuch, die Germanen plötzlich auf eine Stufe von römischen Provinzialen herunterzudrücken, löste innerhalb der germanischen Stämme großen Unmut aus. Ein Volksaufstand bahnte sich an. Als Varus 47 v.Chr.- 9 n.Chr. die Amtsgewalt in „Germanien“ übernahm und damit begann, den Germanen Vorschriften aufzuerlegen und versuchte, sie zu knechten, planten die germanischen Stämme einen Krieg gegen die römischen Besatzer. Armin (17 v.Chr.- 21 n.Chr.), ein Cherusker, führte ein germanisches Heer gegen die Legionen des Varus. Armin gewann die berühmte Varusschlacht im Jahr 9 n.Chr. Diese war eine vernichtende Niederlage für die Römer und zugleich der Auftakt des römisch-germanischen Krieges, der bis in das Jahr 16 n.Chr. andauern sollte.
Literatur
- WIRBELAUER, Eckhard (Hrsg.): Antike. München, Oldenbourg Verlag, 2007.
- FRANKE, Alfred: Rom und die Germanen. Das neue Bild der deutschen Frühgeschichte. Tübingen: Grabert Verlag, 1980.
