Roma und Sinti: Liebeszauber der Indianer Europas

freie Gestaltung zum Thema Liebe - Liebeszauber - Fotograf Jens Bredehorn auf pixelio.de
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Die Volksgruppe der Roma und Sinti kannte in ihrer traditionellen Kultur viele Rituale, Zauberformeln und Rezepte für die Liebe und gegen Liebeskummer.

Nach Schilderungen von Ethnologen entspricht es kulturgeschichtlich den mysteriösen Mythologien der Ròm (Volksgruppe der Roma und Sinti), die Liebe als eine Art Krankheit anzusehen.

Die Liebe als magische Krankheit

Es wurden magische Rituale für alle Arten von Liebeszuständen praktiziert. Das wichtigste Mittel für diese “Zauberkünste” bestand darin, sich in den Besitz von Dingen oder kleinsten Teilen zu bringen, die vom zu verzaubernden Menschen stammen. So glaubte man, Macht über diese Person zu gewinnen. Der sogenannte “Liebeszauber” wurde am wirkungsvollsten eingeschätzt, wenn es zusätzlich noch gelang, Teile des eigenen Körpers beizubringen. Weiterhin war in überlieferten Ritualen die Notwendigkeit enthalten, eine Nachbildung des Liebesobjektes zu formen. Durch Namensgebung wurde angenommen, diese Figur beleben zu können. Empfohlene Vorgehensweisen wirken aus heutiger Sicht oft bizarr und ungewöhnlich. Rituell wurde jedoch an ihre Wirksamkeit geglaubt. Liebeszauber galt als Geheimwissen. Man gab es nur mündlich im engsten Stammeskreis weiter.

Überlieferter Liebeszauber rumänischer Ròm

Als Möglichkeit für eine Frau, sich die Liebe eines bestimmten Mannes zu erzwingen, galt die Nachformung seiner Gestalt aus einem Teig. Um die Wirkung dieses Zaubers zu erhöhen, sollte die Frau so viele kleinste Körperteile des Mannes (Haare, Blut, Speichel, Nägel) wie möglich diesem Teig beimischen und dann die fertige Figur auf einem Kreuzweg vergraben. Weiterhin auf diese Stelle urinieren und dabei eine Zauberformel sprechen. Die Frau sprach begleitend den Namen des Mannes und beteuerte ihre Liebe zu ihm. In einer Zauberformel beschwor sie, dass wenn jenes Nachbild verfault wäre, er ein heftiges Verlangen für sie empfinden sollte. Das Vergraben auf einem Kreuzweg wurde gefordert, da es nach mythologischer Ansicht der Ròm immer ein Sitz von Geistern war. Er symbolisierte das “Festhalten” eines Menschen. Wichtig war für die Ròm, das beschriebene Ritual bei zunehmendem Mond durchzuführen. Es war ein “Analogiezauber“. Wie der Mond, so sollte auch die Liebe zunehmen. Das notwendige Warten auf den Zerfall war mit der Vorstellung verbunden, das es Geduld erfordert, bis ein Zauber wirkt.

Liebe erweckender Blutzauber der Ròm

Am Tag des Heiligen Basilius (Neujahr) ritzten sich verliebte Mädchen den linken Fuß (Herzseite) auf und fingen die Blutstropfen in einem Topf. Anschließend vergruben sie den verschlossenen Topf im Grabhügel eines Mannes. Dazu sprachen sie: “Alle Liebe, welche diesem Toten im Leben gewesen ist, komme in meinen Geliebten. Blut, lock sie herbei, damit ich sie dem Geliebten gebe!”. Nach neun Tagen grub das Mädchen den Topf wieder aus. Sie kochte darin eine Speise für den Geliebten. Nach diesem Ritual meinte man, der Mann hätte “Blut geleckt”.

Ein weiterer Blutzauber war das sogenannte “Heiratsorakel”. In der Georgsnacht am 23.April sollte das heiratswillige Mädchen zu einem Kreuzweg gehen, sein Haar nach hinten kämmen und sich in den Finger stechen. Sie sollte drei Blutstropfen auf die Erde fallen lassen und begleitend sprechen: “Mein Blut gebe ich meinem Liebsten. Den ich sehe, dem soll ich angehören”. Dann konnte dem Mädchen ein “Seelenbild” erscheinen und sie ihren zukünftigen Mann erkennen.

Weise Frauen der Ròm mit übernatürlichen Kräften

Frauen, denen man magische Fähigkeiten zusprach, standen in hohem Ansehen. Wie Schamanen hatten sie den Ruf, mit Geistern des Wassers und der Erde verbunden zu sein. Diesen Frauen traute man zu, Liebesrezepte und Heilmittel von erhöhter Wirksamkeit zu besitzen. Man stellte sich vor, sie seien von guten Geistern inspiriert. Versagte jedoch einmal ein Liebeszauber dieser magischen Frau, zweifelte man trotzdem nicht an ihren magischen Kräften. Ròm glaubten, böse Dämonen würden den Zauber brechen können.

Ein sogenannter Hexenzauber bestand in dem Anfertigen von Verwünschungspuppen. Damit bezweckte man häufig Rache für unerwiderte Liebe zu nehmen. Die überlieferte Herstellung und Vorgehensweise erinnert an afrikanisches Voodoo. Man formte neun Puppen aus Kerzenrohstoff (Stearin)Arbeitete etwas vom Opfer hinein (beispielsweise Haar). Trieb eine Nadel in die Körperstelle der Puppe, an der das Opfer erkranken sollte. Anschließend wurde die Puppe vor das Haus des Verwünschten geworfen.

Rezepte der Ròm für die Liebe

Neben Ritualen und Zauberformeln gab es auch Liebesrezepte. So galt es als zuverlässig, etwas Pulver aus verbranntem eigenen Haar in ein Getränk der begehrten Person zu mischen. Ein junger Mann konnte bei Neumond drei Nackenhaare seiner Geliebten in den Spalt eines jungen Baumes tun. Diese Haare würden künftig im Baum symbolisch mitwachsen. Begleitend sollte er dreimal ihren Namen flüstern. Oft wurde jungen Männern empfohlen, die Wurzel des Baldrians und der Eberwurz in Wachs gegossen immer bei sich zu tragen, um begehrenswert auf Frauen zu wirken.

Geröstete und gemahlene Apfelkerne, in der Neujahrsnacht vermengt mit drei Tropfen vom eigenem Blut in das Essen Begehrter getan, sollte Liebe erwecken. War ein Mädchen unglücklich verliebt, konnte sie Erde mit einer Fußspur des Geliebten ausgraben, unter einen Weidebaum bringen und dabei zauberkräftige Wünsche sprechen. So wie die Weide wachsen wird, werde dann auch ihr Herzschmerz vergehen. Selbst ein Grashalm im Mund konnte Liebe fördern. Der Sehnsüchtige sollte sich damit von Osten nach Westen wenden und die Worte sprechen:

” Wo die Sonne muss aufgehn,

Soll die Liebste bei mir stehn;

Wo die Sonne will untergehn,

Da soll ich stets bei ihr stehn.”

Literaturquelle: Zigeunermedizin, Komm, ich mach dich gesund!, Gerti Senger, Genf, Ariston Verlag, 1987, ISBN 3-7205-1439-0

Bildquelle: Fotograf Jens Bredehorn, Freestyle zum Thema Liebe, Pixelio

Astrid Treumann, Astrid Treumann

Astrid Treumann - 1967 in Berlin geboren, habe ich dort als berufliche Grundlage Kunst und Germanistik studiert (Hochschulabschluss 1991). Meine berufliche ...

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