Die Spielfilme unter dem Namen der Autorin Rosamunde Pilcher haben sich in den vergangenen Jahren zum Markenzeichen des ZDF entwickelt. Meistens als Alternative zur Reihe „Tatort“ in der ARD programmiert, sind die im englischen Cornwall angesiedelten Romanzen eine sichere Bank für das ZDF, was die Quoten angeht. Am vergangenen Sonntag erreichte „Pfeile der Liebe“ insgesamt aber nur 6,61 Mio. Zuschauer. Ursprünglich basierten die Spielfilme auf den tatsächlich von Rosamunde Pilcher veröffentlichten Romanen; heute jedoch werden die Geschichten den Vorlagen Pilchers frei nachempfunden. Das ZDF nutzt den Namen der Bestsellerautorin als Marke, füllt die Sendeplätze jedoch mit neuen Geschichten anderer Autoren nach dem bekannten Schema. Und in genau diesem Schema liegen die Schwachpunkte des Formats – die aber scheinbar niemanden interessieren.
Pfeile der Liebe
Die Geschichte des Films vom Sonntag (09.03.08) folgte diesem bekannten Schema: Becky, eine junge Inspektorin bei Scotland Yard, trifft rein zufällig einen attraktiven jungen Mann namens William und fährt anschließend ins heimische Cornwall zu ihren Eltern. Natürlich haben diese – wie nahezu alle Figuren der Reihe – ein stattliches Anwesen auf dem Land. Dort erfährt Becky, daß ihre Eltern nur Pflegeeltern sind und sie in Wahrheit die Tochter eines Japanologen und dessen verstorbener Frau ist. Aufgrund dessen, daß diese Frau nach der Geburt von Becky an Depressionen litt und letztlich starb, gab der Japanologe sein Töchterchen Becky an Zieheltern und Freunde der Familie ab, bevor er für 20 Jahre nach Japan ging.
Selbstverständlich ist er wieder da, als Becky von ihren vermeintlichen Eltern bzw. den Zieheltern die Wahrheit über ihre Herkunft erfährt. Daß der junge William, den sie in London getroffen hat, auch noch der Assistent des Japanologen ist und als Mädchen für alles dessen geschäftliche und landwirtschaftliche Angelegenheiten regelt, ist ein Zufall – was sonst!
Zufälle bestimmen fortan die weitere Handlung des Filmes: Zufällig findet Becky, die nebenher auch noch die Ursache eines Brandes in einer benachbarten Brauerei aufklären soll, einen Benzinkanister, der William ebenso belastet, zudem einen japanischen Glücksbringer. Zufällig belauscht Becky ein Gespräch zwischen William und dessen bester Freundin und zieht falsche Schlüsse. Zufällig ist William gerade am Grab von Beckys Mutter, als Becky dort – überwältigt von ihren Gefühlen – zusammenbricht. Zufällig gesteht der Vater der besten Freundin Williams im passenden Moment, seine überschuldete Brauerei selbst angezündet zu haben. Zufällig ist William damit auch entlastet und zufällig kommen Becky und William damit zusammen und geben ihre Heiratspläne bekannt.
Das Schema Pilcher
Das Schema dieser Filme funktioniert immer gleich: Ein Mann oder eine Frau kehrt nach Cornwall zurück, wo meistens eine alte Liebe wartet. Das Herz der Hauptfigur ist jedoch für jemanden anders entflammt, und so versucht die alte Liebe oder deren Mutter, das neue Glück der Hauptfigur zu verhindern. Fast in jedem Film dieser Reihe kommt ein Familiengeheimnis ans Licht des Tages und am Ende steht fest, daß die neue Liebe gewonnen hat. Über 50 Spielfilme aus der einfallslosen und immer nach demselben Schema gestrickten Reihe hat es inzwischen gegeben. Spannende Wendungen gibt es nicht; Überraschungen in der Handlung ebenso wenig. Jede Figur ist in ihrem Handeln extrem vorhersehbar angelegt; der Zuschauer kann sie von vorneherein einschätzen. Die Eindimensionalität der Figuren – entweder ganz lieb und gut oder ganz böse und schlecht oder nur Stichwortgeber ohne weitere Eigenschaften – ist im Filmgeschäft ohne Parallele. Ein Drehbuch gleicht dem anderen; somit gleicht auch ein Film dem anderen. Der Zuschauer stellt sich die Frage, ob er einen ganz neuen Film – den er gerade anschaut – nicht doch schon gesehen hat, weil die Handlungsstränge und Ausgangssituationen sich extrem ähneln. Und wenn – wie bei „Pfeile der Liebe“ geschehen, ein leichter Krimiplot eingebaut ist, geht das daneben: Becky kommt ihrer Aufgabe, den Brand aufzuklären, in keiner Weise nach; die Inspektorin nimmt man dieser blass auftretenden Figur in keiner Sekunde ab.
Landschaften als Überlebensgarantie
Redaktionell gesehen sind die Filme sehr schlicht gehalten und zeigen sehr wenig Kreativität; was versöhnt, sind die wirklich sehr schönen Landschaftsbilder und die Besetzung, die sich meistens aus bekannten Fernsehgrößen zusammensetzt. Daß man dieses einsilbige Schema gerne über sich plätschern läßt, ist ebenso Erfolgsgrundlage wie Existenzgarantie für diese Spielfilmreihe. Die Zuschauer mögen dies ganz offensichtlich, denn nur damit ist die lange Treue des Publikums dieser Filme zu erklären. Aber alles daß, was Seminarleiter künftigen Drehbuchautoren in punkto Figuren und Spannungsaufbau beibringen und was Redakteure von anderen Drehbuchautoren bei deren Projekten verlangen, wird in dieser Spielfilmreihe konsequent außer Acht gelassen.
