
- Rossinis Barbier von Sevilla, eine bekannte Oper - Dmytro Korniyenko/photoxpress.com
Selbst wenn man nur der Hälfte der unterhaltsamen Anekdoten Glauben schenken mag, steht Gioacchino Rossinis „Der Barbier von Sevilla“ zunächst unter keinem guten Stern.
Rossinis „Der Barbier von Sevilla“ erwischt einen schlechten Start
Plagiatsvorwürfe, wenig Zeit für die Komposition, Neider und lautstarke Kritiker sowie etliche Pannen bei der Uraufführung sind nur einige der Stichworte, die die Anfänge dieser bekannten Opera Buffa beschreiben.
Enormer Zeitdruck bei der Komposition der Opera Buffa
Dem „Schnellschreiber“ Gioacchino Rossini (er erarbeitet zwischen 1810 und 1815 fünfzehn Opern) bleibt für die Arbeit am „Barbier“ weniger als ein Monat. Das Libretto für die Auftragsarbeit des Teatro Argentina in Rom steht im Januar 1816 zur Verfügung und geht auf die französische Komödie „Le Barbier de Séville“, 1775 von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais verfasst, zurück – freilich von Cesare Sterbini „in neue Verse gefaßt und für das moderne italienische Theater eingerichtet“. Bereits im Februar desselben Jahres findet die missglückte Premiere in Italien statt. Doch der enorme Zeitdruck ist bei weitem nicht das größte Problem.
Giovanni Paisiellos "Il barbiere di Siviglia": Plagiatsvorwürfe gegen Rossini
Zu jener Zeit ist ein anderer „Barbier von Sevilla“ bereits auf den Brettern, die die Welt bedeuten, unterwegs. Giovanni Paisiellos gleichnamige Oper läuft nach der Premiere 1782 erfolgreich in ganz Europa. Die heute in Vergessenheit geratene und wenig gespielte Fassung bringt Rossini seinerzeit einen Plagiats-Vorwurf ein. Dass dieser sein Werk zunächst unter einem geänderten Titel („Almaviva, ossia L'inutile precauzione“) und wortreichen Erläuterungen im Programmheft ins Rennen schickt, hilft nicht viel. Anhänger von Paisiello machen ihrem Unmut über die Beleidigung „ihres“ Maestros lautstark bei der Premiere Luft.
Pleiten, Pech und Pannen bei der Opernpremiere 1816 in Rom
Nicht gerade ruhig bleibt auch eine Katze, die angeblich beim Finale der Premiere putzmunter die Bühne entert und miaut. Immerhin ist sie lauter als der Gitarrist, der eigentlich für Kurzweil sorgen sollte. Ihm reißen die Saiten seines Instruments. Doch wenigstens bleibt dieser wiederum nicht an der Bühnendekoration hängen, wie es einem Sänger passiert, der prompt zu Fall kommt. Dieser wird mit gellendem Gelächter bedacht.
Ausgleichende Gerechtigkeit: Gioacchino Rossinis "Barbier" wird trotz allem ein Hit
Nur Gioacchino Rossini ist gelassen und wird für die geballte Macht des Schicksals schließlich mit einem unvergleichlichen Siegeszug seiner Oper entschädigt. Er schreibt: „Mein ‚Barbiere‘ findet hier von Tag zu Tag mehr Beifall und weiß sich selbst den ärgsten Gegnern der neuen Schule so einzuschmeicheln, dass sie den kecken Burschen ganz gegen ihren Willen mehr und mehr lieb gewinnen.“
______________
weiterführende Informationen:
Hundert Meisterwerke: "Il Barbiere di Siviglia" von Gioacchino Rossini auf Klassik.com (Seitenaufruf erfolgte am 8.1.2012)
Repertoire "Il Barbiere di Siviglia" von Gioacchino Rossini auf der Homepage der Semperoper Dresden (Seitenaufruf erfolgte am 8.1.2012)
