Rote Liste der Tierarten – die am meisten gefährdeten Tiere

Der Feldhamster - vom Aussterben bedroht - © Sybille Daden/pixelio.de
Der Feldhamster - vom Aussterben bedroht - © Sybille Daden/pixelio.de
Die Weltnaturschutzunion IUCN schlägt Alarm: Immer mehr Tierarten sind akut vom Aussterben bedroht. Ein Blick auf die Rote Liste der bedrohten Spezies.

Im November 2009 veröffentlichte die Weltnaturschutzunion IUCN die neueste Rote Liste der bedrohten Spezies. Diese macht eines deutlich: Das vor acht Jahren beschlossene Ziel der UN, die Anzahl der gefährdeten Arten bis zu diesem Jahr zu senken, ist gescheitert.

Stattdessen wird das Tierreich zunehmend ärmer an Arten – und um die Pflanzenwelt ist es nicht besser bestellt. Die Entwicklung könnte dramatischer nicht sein, und vollzieht sich doch mehr oder weniger im Stillen. Dabei finden Wissenschaftler wie der amerikanische Biologe Thomas Lovejoy deutliche Worte für den Ernst der Lage: "Was wir heute sehen, sind die Vorboten des sechsten Massensterbens in der Geschichte der Erde". Er und seine Kollegen warnten in ihrem UN-Bericht zur globalen Biodiversität eindringlich vor den katastrophalen Folgen für die Menschheit. Doch der geforderte radikale Politikwechsel scheint in weiter Ferne. Dabei mahnen zahlreiche Untersuchungen zu schnellem Handeln – allen voran die Rote Liste der bedrohten Spezies der IUCN.

Der Urheber der Roten Liste – die IUCN

Die IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Ressources) wurde 1948 als erste globale Umweltschutzorganisation gegründet. Heute stellt sie das größte Netzwerk zur Bewahrung der Natur dar, an dem weltweit über 200 Regierungs- und 800 Nichtregierungsorganisationen beteiligt sind. Tausende von Wissenschaftlern und Freiwilligen in aller Herren Länder setzen sich in diesen für die Erhaltung der Biodiversität ein – mittels Forschung, Projekten, Aufklärung und politischer Einflussnahme.

Die Rote Liste der Tiere in Zahlen

Seit 1963 erarbeitet die IUCN zudem internationale Rote Listen bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Dieser anerkannte Maßstab für die pflanzliche und tierische Vielfalt gibt eine Schätzung der Aussterbewahrscheinlichkeit für Arten wieder, die auf Kriterien wie Populationsgröße, Verbreitungsgebiet sowie Lebensraumbeeinträchtigungen beruht. Dabei werden die untersuchten Arten in sieben Kategorien von „nicht bedroht“ bis „ausgestorben“ eingeteilt. Ab der Kategorie „verletzlich“ gelten Arten als gefährdet und kommen auf die Rote Liste.

Für 2009 ergab sich dabei folgendes Bild: Von den untersuchten 47 677 Tier- und Pflanzenarten sind 17 291 bedroht. Dies betrifft unter anderem 21 Prozent aller bekannten Säugetiere, zwölf Prozent aller Vogelarten, 28 Prozent der Reptilien und 37 Prozent der Süßwasserfische.

Gründe für den Rückgang der Artenvielfalt

Gründe für den Rückgang der weltweiten Artenvielfalt gibt es viele: Die IUCN nennt als Hauptaspekte den Verlust natürlicher Lebensräume, die Einwanderung fremder Spezies (Neozoen), eine zu starke Ausbeutung natürlicher Ressourcen, Verschmutzung und Krankheiten sowie den vom Menschen herbeigeführten Klimawandel. Die meisten Punkte betreffen letztlich direkt oder indirekt den Lebensraum der Tiere – unter anderem durch Rodung, Ressourcenabbau, exzessive Land- und Viehwirtschaft sowie wachsende Besiedelung schrumpfen einst großflächige Ökosysteme vielerorts zu kleinen Inseln zusammen.

Vom Aussterben bedrohte Tierarten weltweit und in Deutschland

Mit am meisten gefährdet sind allgemein Amphibien: Von den über 6.000 weltweit bekannten Arten sind 30 Prozent vom Aussterben bedroht. Dazu gehören beispielsweise die mittlerweile als ausgestorben geltende Kihansi-Gischtkröte, der Baumfrosch aus Panama, die Rotbauchunke und der Moorfrosch. Noch schlimmer steht es um die Stummelfüßler: Neun von elf untersuchten Arten dieses Tierstammes gelten als gefährdet. Zu den am meisten gefährdeten Tieren weltweit zählen des Weiteren der Stör, der Sumatratiger, die Wasserschildkröte und der Amur-Leopard. In Deutschland stehen 65 Tierarten auf der Roten Liste – darunter der Feldhamster, die Europäische Sumpfschildkröte, der Flussaal, das Birkhuhn und die Flussperlmuschel.

Rote Liste: Schwindende Fischbestände und die letzten ihrer Art

Wie dramatisch die Situation ist, zeigen wiederum Zahlen: So gingen die Fischbestände im Nordatlantik in den letzten 50 Jahren um rund 66 Prozent zurück. Einzelne Arten wie der nur auf Mauritius vorkommende Mauritiusweber existieren nur noch in verschwindend kleiner Zahl – in diesem Fall 151 Exemplare.

Und: Um die Vielfalt unserer Fauna ist es sogar noch schlimmer bestellt. Rund 70 Prozent aller Pflanzen gelten als akut gefährdet. Das Artensterben schreitet somit ungebrochen voran und liegt durch menschliche Einflussnahme um den Faktor 100 bis 1.000 über dem natürlichen Wert. Höchste Zeit also für ein radikales Umdenken hin zu einem verantwortlichen Umgang mit der Natur. Denn eines steht fest: Einmal ausgestorbene Arten sind unwiederbringlich verloren. Dieser Rückgang an Vielfalt ist nicht nur für kommende Generationen ein schwerer Verlust, er hat auch unvorhersehbare Folgen für unser Ökosystem.

Quelle: Rote Liste der IUCN

Bildquelle: www.pixelio.de

© Sybille Daden/pixelio.de

© Frank Hollenbach/pixelio.de

Thomas Sedlmeyr, Thomas Sedlmeyr

Thomas Sedlmeyr - Studium der Deutschen Literaturwissenschaft, Geschichte und Ethnologie in Augsburg. Seit 2008 arbeite ich als freier Autor und ...

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