Rotwein: die fünf wichtigsten Rebsorten in Deutschland

Rotwein: ein sortenreiner Spätburgunder - Holger Handstein
Rotwein: ein sortenreiner Spätburgunder - Holger Handstein
Rotwein hat in Deutschland an Bedeutung gewonnen. Die wichtigsten Rotwein-Rebsorten sind Blauer Spätburgunder, Dornfelder und Blauer Portugieser.

Deutschland ist ein Weißweinland. Nach wie vor ist ein großer Teil der Rebfläche mit Rebsorten wie Riesling und Müller-Thurgau bestockt. Und dennoch: Trauben, die sich zur Herstellung von Rotwein eignen, gewinnen stetig an Bedeutung. Waren 1999 noch 25.154 Hektar Rebläche mit Rotweinrebsorten bepflanzt, waren es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2008 schon 37.227 Hektar. Dies sind die fünf wichtigsten Rotweinrebsorten in Deutschland.

Blauer Spätburgunder (Pinot Noir) – edler Import

Auch wenn die edle Rebsorte ihrem Namen gemäß aus dem Burgund stammt: Die auch als Pinot noir bekannte Rebsorte Blauer Spätburgunder hat sich längst auch in Deutschland durchgesetzt. Im Jahr 2008 waren 11.800 Hektar in den deutschen Weinbaugebieten mit Spätburgunder-Reben bestockt. Das macht die Sorte zur am weitesten verbreiteten Rotweinrebe und zur dritthäufigsten Rebsorte in Deutschland überhaupt.

Die Spätburgunder-Rebe zählt zu den ältesten Rebsorten überhaupt. Sie wurde vermutlich bereits von den Römern aus Wildreben gezüchtet. Heute ist sie auf der ganzen Welt vom rheinland-pfälzischen Ahrtal bis nach Neuseeland verbreitet. Der Schwerpunkt des Anbaus in Deutschland liegt in Baden. Die aus den Trauben gewonnenen Weine gelten als eher fein und zart. Typische Aromen sind rote Beerenfrüchte.

Dornfelder – die 55 Jahre alte Neuzüchtung

Die Rebsorte Dornfelder gilt als Neuzüchtung, auch wenn sie in diesem Jahr schon ihren 55. Geburtstag feiert. Sie wurde 1955 durch eine Kreuzung der beiden eher unbedeutenden Sorten Helfensteiner und Heroldrebe an der Weinbauschule in Weinsberg gezüchtet. Benannt ist sie nach Immanuel Dornfelder, dem Gründer der Schule.

Die Dornfelder-Rebe nimmt in Deutschland inzwischen 8.101 Hektar Rebfläche ein. Für den Erfolg dürfte im Wesentlichen die Tatsache verantwortlich sein, dass die Sorte gleich mehrere praktische Eigenschaften aufweist: Sie kann hohe Erträge bringen, reift früh, ist widerstandsfähig gegen Krankheiten und bringt wohlschmeckende Weine hervor, die sich auch für den Ausbau im Barrique eignen. Die wichtigsten Dornfelder-Anbaugebiete in Deutschland sind Rheinhessen und die Pfalz.

Blauer Portugieser (Vöslauer) – eigentlich ein Österreicher?

Ob die Rebsorte Blauer Portugieser tatsächlich aus Portugal stammt, ist ungeklärt. Das Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof gibt Österreich als Ursprungsland an. Sicher ist: Die Rebe ist in Deutschland, Österreich und teilen Osteuropas relativ weit verbreitet. Dabei genießt sie keinen sonderlich guten Ruf unter Weinkennern. Die aus ihr gewonnenen Weine gelten als einfach, aber süffig.

Vielleicht ist die mit Blauem Portugieser bepflanzte Rebfläche in Deutschland deshalb in den vergangenen Jahren leicht zurückgegangen. Dennoch sind nach wie vor 4.354 Hektar mit der Sorte bestockt. Der größte Anteil entfällt auf die Anbaugebiete Rheinhessen und Pfalz. Die Rebsorte ist in Österreich auch als Vöslauer bekannt.

Blauer Trollinger (Vernatsch) – schlicht und beliebt

Die Rebsorte Blauer Trollinger wird in Deutschland fast ausschließlich in Württemberg angebaut – dort aber auch in großem Umfang. 2.439 von deutschlandweit 2.472 Hektar entfielen im Jahr 2008 auf dieses Anbaugebiet. Keine andere Sorte ist in Württemberg weiter verbreitet. Kein Wunder also, dass der Trollinger als Lieblingswein der Schwaben gilt. Daneben ist die Rebsorte auch im italienischen Südtirol weit verbreitet. Dort heißt sie Vernatsch oder Großvernatsch.

Dass die Trollinger-Traube außerhalb dieser Gebiete keine größere Verbreitung gefunden hat, liegt vielleicht auch an ihrer mangelnden Beliebtheit bei Wein-Experten. Die Worte dünn, belanglos und schlicht fallen im Zusammenhang mit Trollinger-Weinen recht häufig.

Schwarzriesling (Müllerrebe) – die Champagner-Traube

Mit der edlen Weißweinrebe Riesling hat die Rebsorte Schwarzriesling außer dem Namen wenig gemeinsam. Vielmehr ist die Sorte eine Mutation des Blauen Spätburgunders. In Deutschland wird die Müllerrebe auf insgesamt 2.361 Hektar Fläche angebaut. Der Großteil davon befindet sich in Württemberg.

Die aus der Schwarzriesling-Traube gewonnenen Weine gelten als fruchtig und unkompliziert. Trotz dieser Attribute spielt die Rebsorte in der Champagne aber eine durchaus edle Rolle: Sie liefert dort – unter dem Namen Pinot meunier – einen der drei Grundweine für den Champagner.