
- An der Kokerei Zollverein - Spiering/RVR
Vorbei geht es an Hüttenwerken und Hochöfen, Koks und Kohle, Zechen und Zollverein, den so genannten Ankerpunkten und eigentlichen Sehenswürdigkeiten der Metropole Ruhr. Diese sind praktischerweise mit schon von Weitem sichtbaren gelben Signalobjekten ausgestattet. Doch wo beginnen? Und: Was auswählen?
Beginn in Mülheim
Vielleicht gleich so: Denn sollte einmal ein leuchtend oranges Fahrrad entgegenkommen, so ist es sicher ein RevierRad, auszuleihen beispielsweise über die RevierRad-Zentrale am Hauptbahnhof Mülheim an der Ruhr. Mülheim hat seinen Namen von den einstmals vielen Mühlen, die an den Ufern standen. Und es hat Fachwerkromantik und schiefergedeckte Häuser zu bieten, die man als Fremder hier nicht vermuten würde. Gleich zu Beginn möchte man anhalten, denn es folgt das Aquarius Wassermuseum im Styrumer Wasserturm, in dem man das Element in seinen verschiedensten Formen und Wirkungen multimedial erleben kann: Vom Tropfen in den Wolken bis ins Meer. Und faul sein muss man als Radfahrer hier auch nicht: Das In-die-Pedale-Treten auf dem „Ruhrmobil" treibt einen Film an. Noch schnell mit dem gläsernen Aufzug ganz nach oben und dann weisen die Schilder weiter Richtung Duisburg. Auf gut ausgebauten Radwegen radelt man auf ehemaligen Bahntrassen, Ufer-, Park- oder sogar Waldwegen und manchmal auch auf Straßen überwiegend steigungsfrei dahin. Somit sind die Wege auch für Familien mit Kindern geeignet.
Maritimes Flair in Duisburg
Weiter kann man nach Duisburg radeln zur nächsten Überraschung: Einst das Zentrum des deutschen Getreidehandels ist der Innenhafen Duisburg mit seinem maritimen Flair, mit neuer Marina für Sportbootfahrer und jeder Menge Kneipen in ehemaligen Speichergebäuden heute Freizeit pur. Manche der Gaststätten haben schwimmende Terrassen. Prima geeignet für ein „Pilsken" mit Blick aufs Wasser. La dolce vita mitten im Pott! Doch genug der Rast und weiter in die Pedale getreten, so mag man sich zumindest vornehmen. Denn, immer noch in Duisburg und auf dem „Rundkurs Ruhrgebiet", stößt man auf das Museum der Deutschen Binnenschifffahrt, untergebracht in einem ehemaligen Jugendstil-Hallenbad. Apropos Bad: Wer nun tauchen möchte, sollte rechts abbiegen auf den „Grünen Pfad" zum Tauchgasometer mit Unterwasserfahrrad im Landschaftspark Duisburg Nord.
Oberhausen, Essen und die Zeche Zollverein XII
Nächste Station am nun auf einer ehemaligen Güterbahnstrecke verlaufenden Weg, und nur eine halbe Radstunde entfernt: Oberhausen. Sie gehen gerne „shoppen"? Dann rein ins Städtchen und ab ins CentrO, Europas größtes Einkaufszentrum. Doch zuvor „stolpert" man noch über den nächsten gewaltigen Zeitzeugen der Industriekultur: Den Gasometer in Oberhausen. 44 Stockwerke und 117,5 Meter hoch ist er, und damals, als er 1928/29 errichtet wurde, war er der größte weltweit. Heute beherbergt er die größte Ausstellungshalle Europas. Hoch oben scheint die schwere kolossale Kuppel ganz leicht zu schweben. Von da oben sieht man schon, wie es weitergehen kann: Über eine Querverbindung Richtung Essen. Essen ist „in". Schließlich ist es Kulturhauptstadt Europas 2010. Das Besucherzentrum der Route der Industriekultur auf der Zeche Zollverein XII Essen ist ein absolutes Muss. Schacht 12, der „Eiffelturm des Ruhrgebiets" gilt als Wahrzeichen der Region. Im Dezember 2001 wurde die Zeche im Bauhausstil von der UNESCO mit dem Titel „Weltkulturerbe" ausgezeichnet. Geschichten von Kohle und ihrer Förderung aus bis zu 640 Metern Tiefe machen die Sache spannend. Auch ehemalige Bergleute sind anwesend und erzählen gerne mehr. Ausstellungen zeitgenössischer Kunst gibt es in der benachbarten Kokerei Zollverein, das Design Zentrum NRW im ehemaligen Kesselhaus und Gastronomie satt im Restaurant Casino Zollverein. Die Qual der Wahl findet aber noch keine Ende: Sollte man mal rauf auf eine echte Halde? Ein kurzes Stück Richtung Norden lockt nämlich die begrünte Halde Schurenbach, bei der man nun doch leicht ins Schwitzen kommt. Oben auf der schwarz belassenen Kuppe steht, schon von weitem sichtbar, Richard Serras riesenhafte „Bramme für das Ruhrgebiet". Die Aussicht ist grandios. Ein gutes Reifenprofil ist übrigens angebracht, und wem’s Spaß macht: Haldenbiking rauf und runter gibt es hier wahrlich genug. Das macht Hunger und Durst, aber die Verpflegung entlang der Radwege ist gesichert. Edle Gastronomietempel, urige Kneipen, eine Trinkhalle oder auch eine Currywurstbude findet man allenthalben.
Der Ruhr-Radweg
Den Ruhr-Radweg entlang könnte man wirklich behaupten: es grünt so grün im Ruhrgebiet! Wiesen, Wälder und Vogelgezwitscher säumen den Radweg. Einstmals war die Ruhr für den Kohletransport der meistbefahrene Fluss Europas. Ab Hattingen etwa geht’s den geteerten Leinpfad direkt am Fluss entlang. Auf den Leinpfaden zogen die Pferde früher die Ruhrkähne vorwärts. Ab und zu radelt man über eine Ruhrbrücke, Eisenbahnstrecken entlang oder vorbei an einem Jachthafen. Doch alles hat ein Ende und alle diese imposanten Monumente aus 150 Jahren Industriegeschichte zu beschreiben, dafür ist hier wahrlich kein Platz. Ergo: Allzu viele Tageskilometer sollte man sich auf der Route der Industriekultur per Rad nicht vornehmen, denn hier wechseln städtische, industrielle und grüne Regionen einander ständig ab und zu sehen gibt es viel zu viel. Auf der Route der Industriekultur, einem Projekt des Regionalverbandes Ruhr (RVR), jagt ein Höhepunkt den nächsten im größten Ballungsraum Europas. Und man kann mit Fug und Recht behaupten: Tief im Westen gibt es eines der letzten Abenteuer für Entdecker auf dem Rad. Glückauf!
