Rowan Atkinson ist Blackadder

Bevor Mr. Bean in aller Munde war, überzeugte Atkinson bereits in dieser britischen History-Comedy.

In vier Staffeln versucht Rowan Atkinson alias Blackadder an die Macht zu kommen. Mehr oder – meist – weniger hilfreich zur Seite steht ihm dabei sein treuer, herzensguter, aber vollkommen vertrottelter Diener Baldrick (Tony Robinson, bekannter britischer Moderator, z.B. „The real Da Vinci Code“), während ihm diverse Vorgesetzte oder Familienmitglieder im Weg stehen. Am Anfang einer Folge reiten sie Blackadder mächtig in die Bredouille oder stacheln ihn derartig an, dass er sich in seiner grenzenlosen Arroganz mit einer dummen Aussage oder Wette in die Nesseln setzt. Blackadder und Baldrick haben jedoch schnell einen Plan – „Einen ausgezeichneten und vortrefflichen Plan, Sir!“ –, der jedoch grundsätzlich schiefläuft. Am Ende rettet sie meist nur ein glücklicher Zufall.

Comedy-Serie „Blackadder“ mit Rowan Atkinson

Die britische Comedy-Serie „Blackadder“ wurde zwischen 1983 und 1989 für BBC produziert. Die Serie erzählt die Geschichte des namensgebenden Edmund Blackadder und dessen Nachfahren. Alle Staffeln spielen in verschieden Perioden der englischen Geschichte und Blackadder agiert in der Nähe einer mächtigen Person, die er zu tiefst verachtet, auf die er jedoch angewiesen ist und deren Gunst er deswegen gewinnen muss. Meistens hat er noch einen direkten Konkurrenten, der ihm eine Nasenlänge voraus ist und den es auszustechen gilt. Diener Baldrick, oder dessen Nachkomme, steht ihm stets mit „klugen“ Ratschlägen loyal zur Seite.

Die vier „Blackadder“-Staffeln spielen nach den englischen Rosenkriegen, im elizabethanischen Zeitalter, während George III. und im ersten Weltkrieg

Die erste Staffel von „Blackadder“ spielt nach den englischen Rosenkriegen (1485-1495): Edmund Blackadder versucht die Gunst seines Vaters Richard IV. (Brian Blessed; „Henry V.“, „König Lear“) zu gewinnen, der sich nicht einmal an seinen Vornamen erinnert („Edna?“), weil er den erstgeborenen Harry, Prinzen von Wales (Robert East; „4.50 from Paddington“, Neuverfilmung von 1987), deutlich favorisiert. Neben Baldrick wird Blackadder noch von Percy, Duke of Northumberland (Tim McInnerny; „Notting Hill“, „Richard III.“), unterstützt, dessen IQ leider auch nicht höher ist als die Raumtemperatur einer zugigen Burg.

Die zweite Staffel von „Blackadder“ spielt während der Regentschaft Elisabeth I. (1558-1603). Die wunderbar hysterische Königin (Miranda Richardson; „Harry Potter und der Feuerkelch“, „The Hours“), ihr ehemaliges Kindermädchen Nursie (Patsy Byrne; „Les Misérables“) und der Hofmarschall Lord Melchett (Stephen Fry; „Ein Fisch namens Wanda“) spielen Edmund, Lord Blackadder, gerne Streiche …

Staffel 3 von „Blackadder“ führt in die Zeit George III. (1760-1820) und der französischen Revolution. Der englische Kronprinz George (Hugh Laurie; „Dr. House“) ist zu doof, sich die Hose selbst anzuziehen, verspielt sein Geld bei Kartenspielen und treibt sich mit französischen Adeligen herum. Ärger ist vorprogrammiert und wird elegant mit seinem Kammerdiener Blackadder geteilt, beziehungsweise auf diesen abgewälzt.

In der letzten Staffel von „Blackadder“ befinden sich Blackadder und Baldrick im ersten Weltkrieg (1914-1918). Blackadder ist Berufsoffizier und spielt alle Register – bis zum Wahnsinn mit Unterhose auf dem Kopf und Wattebäuschchen in den Nasenlöchern – um sich vor dem Einsatzbefehl seiner Vorgesetzten General Melchett (Stephen Fry) und Captain Kevin Darling (Tim McInnery), zu drücken. Mit Blackadder an der Front sind natürlich sein Diener Baldrick, der stumpf jeden Befehl wortwörtlich ausführt, und Lieutenant The Honorable George Colhurst St. Barleigh (Hugh Laurie), ein naiver College-Boy aus gutem Haus, der sich freiwillig gemeldet hat und darauf brennt, es den Hunnen zu zeigen.

In drei Specials veralbert Blackadder die Weihnachtsgeschichte, macht Unfug mit der Zeitmaschine und versucht sich als loyaler Ritter

Neben diesen vier Staffeln von „Blackadder“ gibt es noch drei Specials: „Blackadder – The Cavalier Years“ (1648, mit Blackadder als einzig loyale Person zu Charles I.), „Blackadders Christmas Carol“ („Blackadders Weihnachtsgeschichte“; eine Parodie auf die bekannte Charles-Dickens-Geschichte mit dem – anfangs – herzensguten Ebenezer Blackadder. Bemerkenswert: Robbie Coltrane – Hagrid aus den „Harry Potter“-Filmen – spielt den versoffenen Geist der Weihnacht) und „Black Adder Back and Forth“ (Blackadder und Baldrick machen Unfug mit einer Zeitmaschine). Die Titel ohne deutschen Namen in Klammern wurden bisher nicht ins Deutsche übersetzt.

Blackadder-Stil wandelt sich vom Mr. Bean-Slapstick zu tiefschwarzen, eloquenten, urbritischen Wortwitz

Rowan Atkinson schrieb mit Richard Curtis zusammen die Pilotfolge und die erste Staffel von „Blackadder“, danach übernahm Ben Elton Atkinsons Part beim Schreiben der Drehbücher. Diese Auswechslung gibt der Serie erst die richtige Würze: agierte Blackadder in der ersten Staffel noch sehr tölpelhaft, ja, ein wenig wie sprechender Mr. Bean in der Tudor-Zeit, werden seine Nachfahren richtig bösartig, zynisch und … erfolglos – und sie verpacken diese Mischung an schlechten Charaktereigenschaften in einen eloquenten Wortwitz, der oft in ellenlangen, sehr bizarren Rachegelüsten und Morddrohungen ausartet. Für alle Mr. Bean-Fans: Atkinson spielt den gemeinen, arroganten Schurken mindestens genau so gut wie den hilflosen Trottel.

Die Serie „Blackadder“ ist eine pointierte Satire auf die englische Geschichte und bedient sich in ihren Zitaten am reichhaltigen Fundus englischer Literatur von Shakespeare bis zur britischen Propaganda des ersten Weltkrieges. Natürlich kann man sich über die Gags schlapplachen auch ohne die britische Geschichte studiert zu haben, aber gerade die tiefsinnigeren Witze entziehen sich einem ohne gewisses Hintergrundwissen. Diese Vielschichtigkeit der Handlung, die historischen Bezüge und natürlich die großartigen schauspielerischen Leistungen bescherten der Serie große Beliebtheit auf der Insel: 2004 stimmten die Briten über ihre beliebtesten 100 Comedy-Sitcoms und wählten „Blackadder“ – obwohl die Serie zu diesem Zeitpunkt seit 15 Jahren abgeschlossen war – auf den zweiten Platz!

Die deutsche Übersetzung kommt nicht ganz zu Rande mit dem englischen Humor

Neben diesen tiefgründigen Humor ist ab Ende der 2. Staffel von „Blackadder“, aber auch noch ein großes britischen Steckenpferd wichtiger Teil der Handlung: „german bashing“ (to bash: hauen, schlagen, schlecht machen; fairerweise muss noch angemerkt werden, dass Franzosen genauso ihr Fett abbekommen und die inkompetentesten Figuren der Serie Engländer sind). Deutsche Charaktere, wie Prinz Ludwig oder der Rote Baron Manfred von Richthofen, dürfen mit schrecklichem Akzent Blackadder in Bedrängnis bringen. Hier wird die deutsche Synchronisation vor ein großes Problem gestellt: wie übersetzt man einen deutschen Akzent? Während man aus Prinz Ludwig noch einen Schweizer machen konnte, wundert sich der deutsche Zuschauer in der 4. Staffel, warum die deutschen Charaktere mit einem seltsamen osteuropäischen Dialekt reden. Die deutsche Übersetzung ist nicht schlecht, aber auch nicht so wirklich gelungen wie bei den „Monty Python“-Filmen. Sind die Englischkenntnisse gut, empfiehlt es sich, „Blackadder“ im Original zu versuchen.

Sat.1 (1993) und arte (1995) strahlten die Serie (die vier Staffeln und die Weihnachtsfolge) im Original mit Untertitel aus, während sie 1999 in der synchronisierten Fassung bei RTL2 lief. Die Namen der Spartenkanäle sind Hinweis genug über den Erfolg von „Blackadder“ in Deutschland. Seit November 2006 sind die vier Staffeln und „Blackadders Weihnachtsgeschichte als DVD-Box erhältlich.

Uli Gönczi, Annie Schwaiger

Uli Gönczi - Uli Gönczi studierte Alte Geschichte an der LMU München und arbeitete in diversen Redaktionen. Nach dem Studium erhielt er bei ...

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