
- In aller Herrgottsfrühe wird in Schonach gestartet - johapress
Es ist fast unglaublich und doch wahr. Georg Thoma, der Olympiasieger in der Nordischen Kombination von Squaw Valley im Jahr 1960 hält noch immer den Streckenrekord beim "Rucksacklauf" über 100 Kilometer. Am Samstag, 11. Februar 2012 ist es wieder soweit. Pünktlich mit dem Glockenschlag der Kirchturmuhr von Schonach werden 300 Ski-Enthusiasten auf Langlaufskiern den Abenteuerlauf auf den Belchen in Angriff nehmen. Der Lauf 2012 ist aber nicht nur ein Kampf gegen die Uhr und den "inneren Schweinehund". Nein, am Wochenende gilt es im Schwarzwald auch noch gegen die eisige Kälte anzukämpfen.
Auf den 100 Kilometern gilt es eine Gesamtsteigung von 2.300 Höhenmetern zu überwinden
Der Rucksacklauf vom Mittelschwarzwald in den Hochschwarzwald bis hinunter ins obere Wiesental ist eine echte Härtprüfung für alle Teilnehmer. Denn auf dem Fernskiwanderweg über 100 Kilometer gilt es nicht weniger als eine Gesamtsteigung von 2.300 Höhenmetern zu überwinden. Und so ist der Volkslauf mit seiner technisch anspruchsvollen Strecke mit giftigen Anstiegen und knackigen Abfahrten nur gut trainierte Skilangläufer empfehlenswert. Immerhin: Wen die große Distanz abschreckt, der kann sich auf der ehemaligen "Kurzstrecke", mit dem Ziel des Schwarzwälder Skimarathons über 60 Kilometer in Hinterzarten versuchen.
Im Rucksack sollten zusätzlicher Kälteschutz und Ersatzhandschuhe nicht fehlen
Und der Name des Skimarathons ist auch Programm. Denn jeder Teilnehmer startet in Schonach mit einem Rucksack, der ein Mindestgewicht von vier Kilogramm aufweisen muss. "In diesem Jahr müssen die Teilnehmer neben Verpflegung auch einen Anorak, Ersatzhandschuhe, Ersatzmützen dabei haben, damit es in den Abfahrten nicht zu Erfrierungen kommt. Der Veranstalter wird dies stichenprobenhaltig kontrollieren", erklärt Heidi Spitz von der Arbeitsgemeinschaft Fernskiwanderwege im Hinblick auf den Wettkampf. Denn die Wetterfrösche künden für den Schwarzwald auch am kommenden Wochenende Temperaturen um minus 16 Grad an, was sich bei Wind und in den Abfahrten wie minus 24 Grad Celsius anfühlt.
Selbstverpflegung auf der Strecke von Schonach zum Belchen
Nicht wie bei anderen nationalen und internationalen Volksskiläufen üblich gibt es beim Schwarzwälder Abenteuerlauf keine spezielle Streckenpräparierung. Fehlanzeige auch beim Blick auf die offizielle Streckenverpflegung. Doch Verwandte, Freunde und Fans des Nordischen Skisports begleiten die Ausdauersportler. Entlang der Strecke werden heißer Tee, Blaubeersuppe, Müsliriegel oder Orangen gereicht. Und zwischendurch wird an den offiziellen Kontrollstellen auch noch schnell der Ski gewachst.
Georg Thoma noch immer Rekordhalter beim Rucksacklauf über 100 Kilometer
Georg Thoma war auch nach seiner aktiven Laufbahn als Nordisch Kombinierter noch immer selbst sportlich aktiv. Auf der Suche nach "einer neuen Herausforderung" startete der Hinterzartener bei unzähligen Ski-Marathons. Noch heute unerreicht der Streckenrekord von 5,51 Stunden aus dem Jahr 1982 beim 100-km-Rucksacklauf von Schonach zum Belchen. "Das war Abenteuer und Faszination", gerät Thoma auch drei Jahrzehnte später ins Schwärmen.
Auf der Strecke sind Kontrollstellen eingerichtet, die alle Läufer passieren müssen. So werden Teilnehmer aus dem Rennen genommen, die um 10.30 Uhr Neukirch (km 25), den Thurner um 13 Uhr (km 40) oder Hinterzarten (12.30 Uhr) sowie den Notschrei um 16 Uhr (km 86) nicht erreicht haben. An all diesen Punkten ist auch ein Teeservice eingerichtet.
Bleibt die spannende Frage: Kann der 30 Jahre alte Streckenrekord von Georg Thoma endlich geknackt werden? Mit dabei sind auch die Sieger von 2010 (Susanne Jährling aus Stockach) und (Tobias Bach aus Breitnau), sowie Jochen Burkart (Offenburg/Sieger 2006) und Stefan Böhm (Schopfheim/Sieger 2009). Die "Badische Zeitung" hat im Vorfeld des Wettkampfs am Samstag ein Interview mit Titelverteidiger Tobias Bach geführt.
220 Teilnehmer erreichen bei Rucksacklauf das Ziel in Hinterzarten
Ursprünglich 298 Teilnehmer hatten sich für das Skiabenteuer "Rucksacklauf" einschreiben lassen. 237 nahmen am Samstag, 11. Februar den Ausdauerlauf frühmorgens um 7 Uhr in Schonach in Angriff. Das Ziel nach 60 Kilometern in Hinterzarten erreichten schließlich 220 Frauen und Männer. Die schnellste Zeit bei den Herren erreichte Jörg Schoder (Oberalm), der nach 3.47,39 Stunden den Zielstrich in Hinterzarten sah. Bei den Frauen gelang der einheimischen Julia Frick erneut der Sieg beim Rucksacklauf. Die 25-jährige war mit einer Laufzeit von 4:36:15.7 Stunde schnellste weibliche Teilnehmerin. Angesichts der eisigen Temperaturen von teilweise unter minus 20 Grad Celsius hatten sich die Organisatoren mit Blick auf die Gesundheit der Skimarathoniken dafür entschlossen den "Rucksacklauf 2012" schon in Hinterzarten enden zu lassen.
Aktuelle Informationen und Ergebnisse vom Abenteuer "Rucksacklauf" gibt es auf der Webseite. www.fernskiwanderweg.de
