Rudolf Heß: Hitlers Stellvertreter wird verbrannt

21. 7. 2011: Sein Grab diente jahrelang als Pilgerstätte für Nazis aller Altersgruppen. Nun wird die letzte Ruhestätte von Rudolf Heß aufgelöst.

Sein Grab im oberfränkischen Wunsiedel war für viele Anrainer ein Schandfleck. Jahrelang versammelten sich am Grab von Rudolf Heß an dessen Todestag Rechtsextreme, um seiner zu gedenken. Diese Veranstaltungen wurden mit ebenso großer Regelmäßigkeit von Gegenprotesten aufgebrachter Bürger, die den Naziaufmärschen etwas entgegensetzen wollten, begleitet. Nun wurde - um weitere Gedenkaktionen von rechtsextremer Seite zu verhindern - Rudolf Heß' Grabstätte aufgelöst und seine Leiche exhumiert. Diese soll verbrannt und seine Asche verstreut werden.

Öffnung des Grabes in der Nacht auf Mittwoch

Geöffnet wurde das Grab von Rudolf Heß am Mittwoch, in der Zeit zwischen vier und sechs Uhr früh. Mit der Zustimmung seiner Erben exhumierte man die Gebeine von Rudolf Heß. Diese sollen nun verbrannt werden.

Seebestattung für Rudolf Heß

Seine Asche soll anschließend auf offener See verstreut werden. Man erhofft sich, dass dadurch das Interesse der Naziszene an Demonstrationen in Wunsiedel geringer wird. Der 1894 in Alexandria geborene Rudolf Heß war einer der Hauptangeklagten bei den Nürnberger Prozessen. 1933 machte Hitler ihn zu seinem Stellvertreter und zum Reichsminister ohne Geschäftsbereich. Sechs Jahre später, zu Beginn des zweiten Weltkrieges, wurde Heß in den Ministerrat für Reichsverteidigung aufgenommen.

Kriegsgefangenschaft ab 1941

Im Jahr 1941 flog Heß nach Schottland, um Großbritannien dazu zu bewegen, mit Deutschland Frieden zu schließen. Er geriet in Gefangenschaft, 1945 überstellte man Heß dem internationalen Militärtribunal in Nürnberg.

Von den Nazis als Märtyrer verehrt

In der Naziszene wurde Rudolf Heß schon immer als Märtyrer verehrt. Der 1946 zu lebenslanger Haft verurteilte Hitler-Stellvertreter nahm sich - im Alter von 93 Jahren - das Leben im Gefängnis in Spandau, dessen einziger Insasse er seit 1966 war. In seinem letzten Willen äußerte er schließlich den Wunsch, in Wunsiedel beerdigt zu werden. Seine Eltern hatten dort ein Ferienhaus und waren ebenfalls dort beigesetzt worden.

Zögerliche Zustimmung der Kirche 1987

Die Kirche stimmte im Jahr 1987 dem Wunsch von Rudolf Heß nur sehr zögerlich zu. Man entschied sich letzten Endes dazu, den Wunsch des Verstorbenen zu respektieren. Als Kundgebungen der Rechtsradikalen immer häufiger wurden, änderte sich das allerdings, weshalb die Kirche einer Verlängerung des auslaufenden Pachtvertrages nicht mehr zustimmte. Daraufhin reichte eine Enkelin Klage gegen die Auflösung des Grabes ein, aber schließlich konnte die Familie davon überzeugt werden, zu der Exhumierung ihre Zustimmung zu geben. Die Enkelin sah daraufhin von einer Weiterverfolgung der Klage ab.

Kundgebungen ab 2005 eingedämmt

Die Nazi-Kundgebungen konnten bereits seit dem Jahr 2005 eingedämmt werden und zwar aufgrund einer Änderung des Versammlungsrechtes. Zuvor waren jährlich bis zu 5000 Rechtsextreme aus ganz Europa angereist, um ihrem Idol Rudolf Heß zu huldigen.

Quellen:

ORF.at: Hitler-Stellvertreter Heß wird verbrannt

Presse.com: Leiche von Hitler-Vize verbrannt und verstreut

Udo Seelhofer, Udo Seelhofer

Udo Seelhofer - Studium: Deutsche Philologie (abgeschlossen) Kombinierte Religionspädagogik (im letzten Abschnitt) Arbeit: Seit Oktober 2006 ...

rss