Rudolf Steiners Fortwirken

Der Gründer der Anthroposophie ist bis heute umstritten

Die Ideen Rudolf Steiners wirken heute in vielen Lebensbereichen fort. Und das weltweie Netz der Waldorfschulen erweckt in vielen Menschen die Idee vom Ganzheitlichen.

An der Person und an den Ideen des Philosophen Rudolf Steiner (1861 –1925) scheiden sich bis heute die Geister. Ohne Zweifel hat die von ihm entwickelte Lehre der Anthroposophie in der ganzen Welt in den letzten Jahren bedeutenden Einfluss gewonnen. Aber andererseits verschrecken bis heue seine abstrusen - völlig unwissenschaftlichen - Ideen vom Urkontinent Atlantis und seine anthropologischen Vorstellungen von der Entwicklung der Rassen viele Menschen. Seine Nachfolger haben sein Denken fortentwickelt. Die Freien Waldorfschulen leisten einen bemerkenswerten Beitrag zur Jugendbildung, aber auch in der Landwirtschaft - wo Demeter-Erzeugnisse die Bio-Welle vorweg genommen haben -, in der Medizin, sogar in der Wirtschaft sind anthroposophisch geprägte Vorstellungen wirksam geworden. Beachtliche Neuerungen sind zustande gekommen.

Ein Film schildert Biografie und Fortwirken

Die Pädagogische Forschungsstelle beim Bund der Freien Waldorfschulen hat von dem Filmemacher Rüdiger Sünner (54) einen Film „Abenteuer Anthroposophie – Rudolf Steiner und seine Wirkung“ herstellen lassen. Obwohl dieser Film beachtliche 110 Minuten lang ist, muss notgedrungen Leben und Denken dieses Philosophen sehr gerafft gestreift werden. Seine Stationen von Niederösterreich – wo sein Vater Bahnhofsvorsteher war – bis in das schweizerische Dornach können nur gestreift werden.

Der Schwerpunkt dieses Films liegt auf dem Wirken der Waldorfschulen und ihrem Bemühen um die Erziehung zum ganzheitlichen Menschen. Sünner verschweigt nicht die Problematik dieser Pädagogik, wobei allerdings der finanzielle Aspekt erstaunlicherweise völlig außen vor bleibt.

Mit keiner Silbe erfährt der Zuschauer, dass diese Schulen ihren engagierten Lehrern nur Gehälter zahlen können, die weit unter denen liegen, die an staatlichen Oberschulen zu verdienen sind. Und auch die Frage, wieso diese Schulen immer schon in 12 Jahren zur Hochschulreife geführt haben, während das „Turbo-Abitur“ offenbar Schüler, Lehrer und Eltern über Gebühr belastet, wird nicht angesprochen. Dafür lernen wir Waldorfschulen in Namibia kennen, in denen – folgt man dem Film – alle dort vertretenen Rassen bestens mit einander auskommen. Wobei die deutschen Untaten in der einstigen Kolonie Deutsch-Südwest nicht verschwiegen werden.

Eine anthroposophisch geführte Farm in Ägypten

Sehr ausführlich setzt sich der Film mit der anthroposophisch geprägten Landwirtschaft auseinander, deren schönstes Beispiel die „Sekem-Farm“ in Ägypten ist. Und wir lernen einige Beispiele einer anthroposophisch geprägten Firmen-Philosophie kennen, von denen man nur hoffen kann, dass diese sich auch in Krisen bewähren. Völlig außen vor bleibt leider völlig das Kapitel der Zeitschriften und des sehr lebendigen Verlagswesens, ebenso die anthroposophischen Beiträge zu Pharmazie und Kosmetik. Darüber gäbe es doch zweifellos sehr viel zu berichten.

Der Film erfordert einen sehr aufmerksamen und geduldigen Zuschauer, der zweckmäßiger Weise auch einige Vorkenntnisse zu dem Thema mitbringt.

Abenteuer Anthroposophie – Rudolf Steiner und seine Wirkung Ein Film von Rüdiger Sünner, absolut Medien, Oranienstraße 24, 10 999 Berlin,

Horst Schinzel, Valentina Jermakova

Horst Schinzel - Ich bin seit mehr als fünfzig Jahren journalistisch und publizistisch tätig. In den Siebziger Jahren habe ich einen Kleinverlag ...

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