Rückblick auf die Biathlon-Saison 2008/2009

Kati Wilhelm verpasst Gesamtweltcupsieg nur knapp

Die vorolympische Saison ist mit dem Weltcup in Chanty-Mansijsk nun auch für die Biathleten zu Ende gegangen.

Das hätte so gut gepasst. Am Ende war es genau ein Fehlschuss, der Kati Wilhelm den Sieg im Gesamtweltcup kostete. Trotzdem war es eine überaus erfolgreiche Saison für die ehemalige Langläuferin. Zwei Mal holte sie bei der WM Gold und zwei Mal Silber. Sie war die erfolgreichste Athletin bei den Titelkämpfen. Außerdem blieb ihr in der Massenstartwertung die kleine Kristallkugel, die Auszeichnung für die Beste in dieser Disziplin. Im Einzelrennen sicherte sich Magdalena Neuner den Sieg in der Saisonwertung. Das ist für Fachleute vielleicht eine noch größere Sensation als ihr Erfolg im Gesamtweltcup vor einem Jahr. Ausgerechnet in der Disziplin, die Schießfehler am schlimmsten bestraft, erwies sich Magdalena Neuer als Saisonbeste. Das bedeutet allerdings nicht, dass die junge Athletin schon zu einer sicheren Schützin gereift ist. Zu den dramatischen Höhepunkten der Saison gehört nämlich auch, dass sie im Massenstartrennen in Antholz, haushoch in Führung liegend, sich im letzten Schießen vier Fehler leistete und als Neunte ins Ziel kam.

Simone Hauswald drei Mal Siegerin

Die Ehe bekomme ihr so gut, bekannte Simone Hauswald, die als Simone Denkinger kein einziges Weltcuprennen gewinnen konnte. Diesmal stand sie gleich drei Mal ganz oben auf dem Treppchen. Dass sie in der Gesamtwertung „nur“ auf dem neunten Platz landete, lag unter anderem an einem verspäteten Saisonauftakt, den eine Verletzung der Achillessehne erzwungen hatte. Je zwei Mal standen Martina Beck und Andrea Henkel ganz oben auf dem Treppchen. Henkels Erfolg beim Heimsprint in Oberhof fiel ihr allerdings erst nachträglich zu, nachdem sich herausgestellt hatte, dass die Russin Jekaterina Jurjewa ebenso gedopt war wie ihre Mannschaftskollegin Albina Achatova und Dimitri Jaroschenko.

Tina Bachmann überrascht

Die Saison war schon fast zu Ende, da gelang der 22-jährigen Tina Bachmann noch ein Paukenschlag. Mit ihrem Sieg im Sprint von Chanty-Mansijsk gelang ihr eine der größten Überraschungen überhaupt. Für eine solche sorgte übrigens auch der Bundestrainer der Skilangläufer, Jochen Behle. Der „lieh“ sich für die Nordischen Weltmeisterschaften in Liberec die amtierende Juniorenweltmeisterin im Biathlon Miriam Gössner aus. Ihre Laufleistungen sollen ähnlich stark wie die von Magdalena Neuer sein, die in dieser Saison wieder Maßstäbe in der Loipe setzte. Das deutet darauf hin, dass die Dominanz der deutschen Frauen auch in den nächsten Jahren anhalten wird.

Birnbacher und Wolff erleben Saison zum Abhaken

Ganz so überzeugend waren die Männer nicht. Aus der Generation nach Sven Fischer, Ricco Gross und Frank Luck sticht nach wie vor nur Michael Greis heraus, der den Einzel-Weltcup gewann. Andy Birnbacher und Andreas Wolff erlebten eine Saison, die sie wohl ganz schnell abhaken wollen. Birnbacher musste sogar erkrankt aus Korea zurückfliegen, ohne bei der WM ein einziges Rennen absolviert zu haben. Zwar gewann Michael Greis das Auftaktrennen in Östersund, doch dann nahm auch er zunächst seine Krise. Dass die Mannen um Frank Ullrich trotzdem positiv in Richtung Vancouver blicken dürfen, liegt an den Jungen.

Bei den Biathlon-Männern drängt sich der Nachwuchs auf

Christoph Stephan fiel in Hochfilzen nicht nur durch deftige Sprüche, sondern auch durch seinen ersten, unglaublich knappen, Weltcupsieg auf. Daniel Böhm wurde in Vancouver Zweiter in der Einzelkonkurrenz und Arnd Peiffer gewann in Chanty-Mansijsk seinen ersten Weltcup. Als die etablierten Athleten wegen Krankheit oder Verletzung ausfielen, ergänzten die Nachwuchsleute die Staffel und liefen in Oberhof in der Besetzung: Rösch, Stephan, Peiffer, Lang auf einen nie für möglich gehaltenen zweiten Platz.

Björndalen bleibt der Biathlon-König

Viele hatten vor der Saison vermutet, dass es in Norwegen zu einer Wachablösung an der Spitze kommen könnte. Doch Ole Einar Björndalen bleibt der König der Biathleten. Mit 88 Weltcupsiegen hat er dem schwedischen Alpinen Ingemar Stenmark den Weltrekord entrissen und gewann die große Kristallkugel zum sechsten Mal. Sein Kronprinz Emil Hegle Svenson wird sich also mindestens noch ein Jahr gedulden müssen.

Österreicher ganz stark

Ach ja – wer war eigentlich die erfolgreichste Biathlon-Nation bei den Männern? Klar: Norwegen! Falsch! Die Österreicher haben sich still und heimlich als Biathlon-Großmacht etabliert. Sie gewannen den Staffelweltcup, fuhren sowohl bei der WM als auch beim Saisonabschluss in Chanty-Mansijsk einen Doppelsieg ein – und Dominik Landertinger sicherte sich den Massenstart-Weltcup. Der Schwedische Trainer Wolfgang Pichler hatte vor der Saison gewettet, dass seine Mannschaft besser als die Österreicher abschneiden würde. Schon vor dem letzten Rennen brachte er die verlorene Kiste Champagner im österreichischen Mannschaftsquartier vorbei.

Peter S. Kaspar, Peter S. Kaspar

Peter S. Kaspar - Die journalistische Laufbahn begann für mich 1982 beim "Schwarzwälder Boten", zunächst als Lokal- und dann als ...

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