Rückblick auf die nordische Ski-WM 2009

DSV Team erfüllt mit neun Medaillen das vorgegebene Ziel

Zum ersten Mal seit zwölf Jahren bleiben die Nordischen des Deutschen Skiverbandes in Liberec ohne Weltmeistertitel. Martin Schmitt holte im Skispringen Silber.

Der Anfang zwar ziemlich grausam. Reihenweise platzen in den ersten Tagen der nordischen Skiweltmeisterschaften im tschechischen Liberec die deutschen Medaillenhoffnungen. Beim Debut des Frauenskispringens blieb es dann der 21-jährigen Bundespolizisten Ulrike Gräßler vorbehalten, für das erste Edelmetall zu sorgen. Silber im Frauenskispringen. Das sollte der Auftakt zur wohl kuriosesten Medaillenjagd der Deutschen Wintersportler sein.

Deutscher Skiverband wollte sechs bis acht Medaillen

So zwischen sechs bis acht Medaillen hatten sich die Verantwortlichen des DSV auf ihrem Wunschzettel notiert. Und dann, so rechneten sie sich wohl aus, werden schon ein oder zwei Goldene dabei sein. Die Wahrscheinlichkeitsrechnung stützte die Annahme. Doch in der Realität sollte später dann alles ganz anderes kommen. Mit neun Medaillen schürften die Nordischen Athleten zwar mehr Edelmetall, als erhofft, doch statt auf Gold stießen sie auf eine sehr ergiebige Silbermine. Aus acht Wettbewerben kehren die deutschen Sportler als Vizeweltmeister zurück. Lediglich die Bronzemedaille für Tobias Angerer im 50 Kilometer Langlauf sorgte für einen weiteren Farbtupfer.

Biathlon-Hoffnung Miriam Gössner verhilft Langlaufdamen zu Medaille

In jeder Sportart gab es für den DSV eine Medaille. Trotzdem zeigten die Wettbewerbe, wo die Baustellen in deutschen Team sind. Am größten dürfte sie bei den Langlaufdamen sein. Zunächst regierten dort eher die Negativschlagzeilen. Der schon lange latent schwelende Streit zwischen Bundestrainer Jochen Behle und dem Frauenteam gipfelte darin, dass der Cheftrainer mehr oder minder offen die Kompetenz des ihm unterstellten Frauentrainers, des Finnen Ismo Hämäläinen, anzweifelte. Es folgte die Abreise der erkrankten Steffi Böhler, und dass es am Ende doch noch zu einer Medaille reichte, war ausgerechnet einer 18-jährigen nachnominierten Biathletin zu verdanken. Miriam Gössner verhalf der Staffel durch einen extrem starken Auftritt noch zu Silber.

Martin Schmitt holt Silber und patzt

Trotz zweier Medaillen steht auch hinter den Skispringern ein Jahr vor Olympia ein großes Fragezeichen. So sehr sich alle im deutschen Lager über die Silbermedaille und die sportliche Wiedergeburt eines Martin Schmitt freuten, so großen wurden tags darauf wieder die Zweifel, als ausgerechnet jener Martin Schmitt mit einem indiskutablen Sprung im Mannschaftswettbewerb sein Team aller Chancen beraubte. Freilich hätten sich die Springer auch mit einem Ausfall durchsetzen müssen, doch es zeigte sich, dass der Rest der Mannschaft nicht in der Lage ist, das zu kompensieren. Alle hoffen nun auf eine Rückkehr von Georg Späth im nächsten Winter, um dann in Kanada wiedererstarkt antreten zu können.

Nordische Kombinierer und Langlauf-Männer erfüllen Erwartungen

Im Soll blieben die Langlaufmänner mit drei Medaillen und die nordischen Kombinierten (ebenfalls drei). Hier war die Hoffnung auf eine Goldmedaille am größten. Freilich hatte Titelverteidiger Ronny Ackermann nach überstandener Viruserkrankung noch einen zu großen Rückstand auf die Weltspitze, als dass er ernsthaft ein drittes Mal Gold hätte holen können. Aber mit Tino Edelmann und Björn Kircheisen zeigten die Kombinierer, dass sie auch den Ausfall ihres Besten kompensieren können. Um so ärgerlicher war dann der Ausgang der Staffel. Eigentlich hatten sich alle schon darauf eingestellt, dass die Amerikaner kaum zu schlagen sein dürften, doch dann vergaß Todd Lodwig beim Springen seine Startnummer und wurde disqualifiziert. Die Deutschen mussten sich Gold eigentlich nur noch im Skistadion in Liberec abholen und wurden dann doch noch im Zielsprint von den Japanern geschlagen.

Bleiben noch die Langlaufmänner, die in den letzten Jahren in der Szene den Ton mit angegeben hatten. Auch hier sah es zunächst nicht so rosig aus. Doch dann sorgte Tobias Angerer, der in diesem Winter wegen diversen Krankheiten seiner Form ebenfalls lange hinterhergelaufen ist, für ein versöhnliches Ende. Im Teamsprint mit Axel Tecihmann, mit der Staffel und schließlich als Einzelkämpfer über 50 Kilometer war er erfolgreich.

DSV-Chef Hörmann ist zufrieden

Der Präsident des Deutschen Skiverbands, Alfons Hörmann, bilanzierte mit einem schönen Vergleich: „Das Glas ist voll und hat auch noch eine schöne Schaumkrone drauf. Wie ein gutes bayerisches Bier.“ Sportdirektor Thomas Pfüller meinte, dass die deutschen Sportler überall an der Weltspitze dran seien. Das lässt für die Olympischen Spiele in Vancouver im nächsten Jahr hoffen.

Peter S. Kaspar, Peter S. Kaspar

Peter S. Kaspar - Die journalistische Laufbahn begann für mich 1982 beim "Schwarzwälder Boten", zunächst als Lokal- und dann als ...

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