Ruediger Dahlke: Buchrezension "Von der großen Verwandlung"

Ruediger Dahlke weiß: Nach dem Tod geht es weiter! - © Sissi Furgler
Ruediger Dahlke weiß: Nach dem Tod geht es weiter! - © Sissi Furgler
Ruediger Dahlke hat ein sehr persönliches Buch geschrieben: In „Von der großen Verwandlung" schildert er, wie der Tod das Tor zum Leben werden kann.

Man muss ja nicht unbedingt vom großen Tabu sprechen, wenn man bedauert, dass wir das Sterben in unserer Gesellschaft an den Rand der Wahrnehmung gedrängt haben. In Zeiten, in denen das Internet Zugang liefert zu alles und jedem, hat auch der Tod längst die Schwelle der Verdrängung hinter sich gelassen. Aber ist er uns Menschen deshalb auch wirklich näher gekommen?

Tod und Sterben – die siamesischen Zwillinge unserer Unwissenheit

Ruediger Dahlke ist ein Kind der Nachkriegsgeneration. 1951 in Berlin geboren, werden seine Eltern noch voll der Schrecken gewesen sein, die der Zweite Weltkrieg über die Menschen gebracht hat. Dahlke aber erzählt gleich zu Beginn seines Buches „Von der großen Verwandlung – Wir sterben … und werden weiterleben“ die anrührende Episode seiner Großmutter (große Mutter nennt er sie): Die ist, mit einem Lächeln im Lehnstuhl sitzend, friedlich eingeschlafen mit dem Wissen, dass ihr Enkel Ruediger endlich, endlich die Medizinprüfung antreten werde, ihr größter Wunsch.

Dahlke stimmt sehr rasch ein ins Thema. Der erfahrene Arzt und gewandte Autor widmet sich mit Einfühlung und Erfahrung der letzten großen Frage, ob und wie es weitergehen wird in unserem Tod.

Leben nach dem Tod: Und wie geht’s weiter?

Dahlke ist den meisten durch sein Buch bekannt „Krankheit als Weg“. Er gilt in Deutschland als Pionier in Sachen Psychosomatik, als dem Zusammenspiel von Körper, Seele und Geist. Kein Wunder, das er sich des Themas annimmt. In den vielen Jahren seiner Praxistätigkeit konnte Dahlke zahllose Eindrücke sammeln und ist, um mit Udo Lindenberg zu sprechen, heute der unerschütterlichen Überzeugung: „Hinterm Horizont geht’s weiter!“ Jeder Einzelne wird als Individuum weiterleben.

Weiterleben als Individuum! Das klingt tröstlich, steht aber dann doch in Widerspruch zu der Auffasung einiger anderer Forscher – wie zum Beispiel der von Prof. Dr. Markolf Niemz. Der Physiker und Professor für Medizintechnik an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg sagt: „Die Ewigkeit kann nicht mit dem Tod beginnen, weil sie weder Anfang noch Ende hat.“ Dahlke hingegen begründet seine Ansicht mit den Schicksalsgesetzen, den Polaritäts- und Resonanzgesetzen: „Wirklich gerecht werden wir dem Tod wohl erst, wenn wir ihn in seiner ganzen Macht und als Ziel unseres Lebens anerkennen.“

Wer den Tod als Ziel des Lebens versteht, markiert damit eine Marke – Dahlke nennt diese Marke den „Lebensübergang“. Ein Übergang aber ist kein Ende. Der Übergang führt hin zu etwas, er verbindet.

Haben wir schon einmal gelebt? Dahlke und die Reinkarnation

Dahlke beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Gedanken an die Möglichkeit der Wiedergeburt. Aus der Theorie sind Ansätze zu einer Therapie entstanden, der Reinkarnationstherapie. Auch aus diesen Erfahrungen schöpft der Autor die Sicherheit: Es geht weiter nach dem Tod, und wir erleben das ganz bewusst.

Dass dieses Thema voller Widersprüche steckt, voller kaum klärbarer Fragen, wird an einer Kapitelüberschrift deutlich. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis alles seinen Ausgleich findet“, kann man da lesen und weiter: „Zeit aber existiert in der Ewigkeit nicht.“

Wenn Zeit nicht existiert in der Ewigkeit – wie sollen wir dann feststellen können, dass wir weiter existieren? Alles, was uns ausmacht, unser Spüren, Denken, Fühlen, Wissen, es geschieht in einer Zeit. Sollten wir also nach dem Tod weiterexistieren, in welcher Form auch immer, dann wird es in einer zeitlich gequantelten Form sein. Denn anders wüssten wir nicht, dass wir das Leben auf Erden hinter uns gelassen haben.

Zusammenfassung

Dahlke hat mit seinem Buch „Von der großen Verwandlung“ ein kleines Büchlein geschrieben. Man könnte es einen Seelentröster nennen, einen Begleiter, einen Anstoßgeber. Stimmungsvolle Fotos in Grautönen begleiten die Lektüre, und am Schluss stellt der Autor Exerzitien für Hinterbliebene vor zum Umgang mit dem Tod. Ein hilfreiches Buch.

Bibliographische Hinweise

Von der großen Verwandlung. Ruediger Dahlke. Crotona, 2011. Gebunden, 144 Seiten. ISBN: 978-3-861-9101-07

Verwandte Themen

Fasten heute: Verzicht als Vorbereitung auf den Tod?

Johannes Flörsch, Johannes Flörsch

Johannes Flörsch - Johannes Flörsch (Jahrgang 1956): Nach einer Bankkaufmannslehre, nach dem Studium der klassischen Gitarre am Konservatorium ...

rss